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Was für ein Auftakt in die neue Saison der 1. Liga Niederlande! 52.450 Zuschauer im ausverkauften Sparta-Stadion sahen am Samstagabend einen wilden, lauten und stellenweise herrlich chaotischen Fußballabend, an dessen Ende Sparta Nijkerk den FC Heerenveen mit 3:1 (3:1) nach Hause schickte. Dass die Gastgeber dabei nur 41 Prozent Ballbesitz hatten, dürfte Trainer Markus Kuzmich herzlich egal gewesen sein - seine Elf spielte so, wie er später mit einem Grinsen sagte: "Wir wollten nicht den Ball, wir wollten die Tore." Und die fielen, in einem atemlosen ersten Durchgang, wie Konfetti beim Stadtfest. Nach 36 Minuten hatte Heerenveen durch Wouter Wyman, der nach feiner Flanke von Alessandro Petrizzi vollendete, noch den besseren Start erwischt. Doch wer glaubte, dass Sparta jetzt einknickt, unterschätzte die orangefarbenen Wirbelwinde von Nijkerk gewaltig. Nur drei Minuten später packte Wouter Rutgers einen fulminanten Rechtsschuss aus, der nicht nur das Tornetz zum Flattern brachte, sondern auch das Stadion wachrüttelte. "Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass keiner im Weg steht", lachte der Torschütze später. Kaum war der Applaus verklungen, tauchte Pablo Ibanez - eigentlich rechter Verteidiger - vorne auf und köpfte nach Rutgers-Flanke die Führung zum 2:1 (40.). Ibanez, der später mit Rot vom Platz musste, hatte da seinen großen Moment. "Vielleicht sollte ich öfter vorne bleiben", murmelte er nach dem Spiel, bevor ihn Trainer Kuzmich mit einem vielsagenden Blick zur Ordnung rief. Das 3:1 fiel nur drei Minuten später: Bastiaan Schuyler, Nijkerks bulliger Linksaußen, setzte sich im Strafraum durch, ließ Keeper Gerard Van Keuren alt aussehen und traf trocken aus kurzer Distanz. Die Fans tobten, die Heerenveen-Abwehr wirkte in dieser Phase wie auf einem Kindergeburtstag - jeder wollte irgendwohin, nur nicht dorthin, wo der Ball war. In der zweiten Halbzeit beruhigte sich das Geschehen etwas, zumindest auf der Anzeigetafel. Heerenveen hatte mehr vom Spiel, mehr Ballbesitz (fast 59 Prozent) und immerhin acht Torschüsse, doch Nijkerk verteidigte mit Herz, Härte und gelegentlicher Übermotivation: Valerio Bortolin sah in der 48. Minute Gelb, Schuyler in der 79. ebenfalls. Als Krönung holte sich ausgerechnet Doppeltorschütze Ibanez in der Nachspielzeit die Rote Karte ab - vermutlich aus Nostalgie, um den Abend mit einem Knall zu beenden. "Wir haben zu brav angefangen, dann kurz geschlafen und danach zu hektisch reagiert", analysierte Heerenveen-Coach Adam Kramer trocken. "Sparta hat uns über die Flügel regelrecht zerlegt." Dass seine Taktik - viel Angriff über außen, aggressiv, aber mit Bedacht - theoretisch funktioniert hätte, sah man nur in wenigen Momenten. Vor allem Jeno Csizmadia rackerte und schoss aus allen Lagen, doch sein Schusspech war legendär. In der 68. Minute rauschte ein Ball nur Zentimeter am Pfosten vorbei, woraufhin Kramer sich kopfschüttelnd auf die Bank setzte und murmelte: "Wenn der rein geht, diskutieren wir hier über ganz andere Dinge." Kuzmich indes wechselte clever: Joshua Patton kam für den ausgelaugten Schuyler, der beim Abgang noch von den Fans gefeiert wurde. "Ich hab ihnen gesagt: Lasst mich noch kurz jubeln, dann geh ich schon", grinste der Angreifer später. Auch Youngster Willem Mesick durfte in der Schlussphase ran - und Zeeman Vanderbilt, gerade mal 17, feierte in der 89. Minute sein Debüt. "Ich hab versucht, den Ball nicht zu verlieren", sagte der Teenager schüchtern. "Hat geklappt. Meistens." Statistisch gesehen war das Spiel fast paradox: Heerenveen kontrollierte das Geschehen, Sparta schoss die Tore. 14 Torschüsse für Nijkerk, 8 für die Gäste - Effizienz in Reinkultur. Die Tackling-Quote sprach ebenfalls für die Gastgeber (53 zu 47 Prozent), was bei der gezeigten Aggressivität kaum überrascht. Nach dem Abpfiff waren die Gesichter klar verteilt: jubelnde Nijkerker, frustrierte Friesen. Kuzmich klatschte seine Spieler ab, Kramer verschwand mit finsterem Blick im Kabinengang. Die Fans sangen, die Ordner schauten auf die Uhr, der Rasen war ein Schlachtfeld. Nur einer grinste noch breiter als alle anderen: Wouter Rutgers, der Mann des Spiels. "Drei Punkte, ein Tor, eine Vorlage - und ich habe mir nicht mal das Trikot zerrissen. Läuft", sagte er und verschwand Richtung Mixed Zone. Was bleibt? Ein Sparta Nijkerk, das mit Mut und Pressinglust in die Saison startet, ein FC Heerenveen, der sich an der eigenen Harmlosigkeit die Zähne ausbiss, und eine Erkenntnis, die an diesem Abend klarer war als der Flutlichtschein: Ballbesitz ist schön - Tore sind schöner. Und irgendwo, zwischen den aufgeräumten Bierbechern und den letzten Fangesängen, hörte man einen älteren Fan murmeln: "Wenn das so weitergeht, holt Nijkerk die Meisterschaft noch vor dem Frühling." Na dann - Prost auf den ersten Spieltag. 22.06.643990 01:20 |
Sprücheklopfer
Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat.
Lothar Matthäus auf die Frage, was er nach seiner Karriere plane