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Sparta Nijkerk macht aus Flevo Boys' Aufholjagd ein Torfestival

Eredivisie | 32. Spieltag | 12.09.26 | Flevo Boys - Sparta Nijkerk 2:4

Um 20.30 Uhr sollte es am 32. Spieltag der Eredivisie eigentlich ein Fußballspiel geben. Bekommen haben die 52.000 Zuschauer bei Flevo Boys gegen Sparta Nijkerk allerdings ein Ereignis, das irgendwo zwischen Spektakel, Slapstick und kontrolliertem Kontrollverlust lag. Am Ende gewann Sparta Nijkerk mit 4:2 (1:0) - verdient, aber keineswegs langweilig.

Die Gäste kamen mit einer offensiven Grundidee, die schon vor dem Anpfiff ziemlich deutlich war: nach vorn, bitte. Flevo Boys hingegen wollte über die Flügel kommen und zunächst offenbar niemanden unnötig erschrecken. Die Hausherren agierten ausgewogen, mit wenig Aggressivität und noch weniger sichtbarem Einsatz. Das klingt hart, war aber über weite Strecken genau das Problem.

Sparta hatte etwas mehr Ballbesitz - 51,3 Prozent gegenüber 48,7 - und schoss deutlich häufiger auf das Tor. 13 Torschüsse der Gäste standen am Ende acht der Gastgeber gegenüber. "Wir wollten geduldig bleiben und auf die richtige Gelegenheit warten", sagte Sparta-Trainer Markus Kuzmich nach der Partie. "Geduldig waren wir. Nur die Zuschauer vermutlich nicht."

In der Anfangsphase tasteten sich beide Mannschaften noch ab. Luka Braun prüfte in der fünften Minute erstmals die Aufmerksamkeit der Sparta-Abwehr, kurz darauf antwortete Leandro Velasco. Egidius Van Vleck blieb ebenfalls auffällig, während Flevo Boys’ 17-jähriger Rechtsaußen Godewyn Haswell mutig den Weg nach vorn suchte. "Ich habe ihm gesagt, er soll keine Angst haben", erklärte Trainer Micheal Jackson später. "Er hat das verstanden. Die Mannschaft offenbar nur teilweise."

In der 37. Minute schlug Sparta zu. Massimiliano Saracena brachte die Gäste nach Vorlage von Van Vleck mit 1:0 in Führung. Es war der Lohn für die größere Zielstrebigkeit und zugleich der Pausenstand. Flevo Boys hatte zwar über die Außenbahnen Ansätze, doch Sparta wirkte im Abschluss konsequenter - eine Eigenschaft, die im Fußball traditionell hilfreich ist, auch wenn sie gelegentlich überschätzt wird.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst das Drehbuch. In der 52. Minute glich Luka Braun für Flevo Boys aus, Harald Olsson lieferte die Vorlage. Plötzlich war das Stadion laut, die Heimfans lebendig und vermutlich auch Trainer Jackson kurz davor, seine Spieler persönlich auf die Schultern zu nehmen. "Beim 1:1 dachte ich: Jetzt kippt das Spiel", sagte der Coach. "Dann hat Sparta leider beschlossen, die Sache zu klären."

Nur zehn Minuten später traf Roland Ivana zum 2:1 für Nijkerk, vorbereitet von Ignacio Pauleta. In der 64. Minute legte Saracena nach Vorlage von Van Vleck zum 3:1 nach. Der rechte Angreifer schnürte damit seinen Doppelpack - und hatte offenbar noch nicht genug. Flevo Boys musste zudem Manuel Quixano verletzungsbedingt ersetzen, während auf beiden Seiten gewechselt wurde. Fußball ist manchmal eben nicht nur Taktik, sondern auch die Kunst, im richtigen Moment noch einen gesunden Spieler zu finden.

Flevo Boys gab sich dennoch nicht geschlagen. Nelio Teixeira verkürzte in der 73. Minute auf 2:3. Das Spiel war wieder offen, die Heimfans witterten die nächste Wende. Auf der Tribüne soll ein Zuschauer seinem Nachbarn zugerufen haben: "Jetzt fehlt nur noch ein Tor!" Ein verständlicher Wunsch - aber Sparta hatte andere Pläne.

In der 87. Minute erzielte Van Vleck selbst das 4:2, diesmal nach Vorlage von Ivana. Damit war die Partie entschieden. Zwei späte gelbe Karten für Zeeman Vanderbilt und Bram Knickerbacker änderten nichts mehr. Flevo Boys hatte gekämpft, aber Sparta Nijkerk war in den entscheidenden Momenten abgeklärter und mit 51,0 Prozent gewonnenen Zweikämpfen ebenfalls leicht im Vorteil.

"Wir haben zweimal zurückgeschlagen, aber vier Gegentore sind natürlich zu viel", fasste Jackson zusammen. Kuzmich dagegen zeigte sich zufrieden: "Wir haben nach dem Ausgleich nicht den Kopf verloren. Das ist manchmal die wichtigste Taktik."

Und so blieb Flevo Boys am Ende nur die Erkenntnis, dass eine Aufholjagd zwar dramatisch aussieht, aber nicht automatisch erfolgreich ist. Sparta Nijkerk nahm drei Punkte mit - und sechs Tore, die 52.000 Zuschauer vermutlich noch eine Weile beschäftigen werden.

12.09.2026 21:09
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