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Es war einer dieser Abende, an denen Fußball eine seltsame Logik entwickelt. 27.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion von Vrbove sahen, wie Slavia mit nur fünf Torschüssen ein Tor erzielte - und Spartak Senec mit 17 Versuchen leer ausging. Endstand: 1:0. Ein Resultat, das in den Statistiken wie ein Rechenfehler aussieht, aber im Herzen der Slavia-Fans wie Musik klang. Das Spiel begann mit einem Paukenschlag - allerdings aus der falschen Richtung. Bereits in der dritten Minute zwang Adrian Garcia den Slavia-Keeper Roland Nemec zu einer Glanzparade. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", keuchte Garcia später in der Mixed Zone, "aber der Torwart hatte wohl Magneten in den Handschuhen." Spartak drückte, schoss, kombinierte - und traf dann den Pfosten, die Latte oder schlicht ins Nichts. Und dann, wie so oft im Fußball, kam der Konter. In der 22. Minute eroberte Jan Kristofik den Ball auf der linken Seite, sah Tomas Medved starten und spielte einen Pass, der so präzise war, dass selbst ein Scharfschütze applaudiert hätte. Medved nahm den Ball mit, schaute kurz auf - und nagelte ihn trocken ins lange Eck. 1:0 für Slavia Vrbove. Die Tribünen bebten, Bierbecher flogen, und Trainer Kevo Kevoo von Spartak Senec begann hektisch auf seine Notizen zu starren, als stünde dort eine Lösung für seine Verteidigung. "Das war der Moment, in dem wir die Kontrolle verloren", gestand Kevoo später. "Nicht, weil wir schlecht waren, sondern weil der Ball sich einfach weigerte, reinzugehen." Und er sollte recht behalten. Denn ab da glich das Spiel einem Belagerungszustand. Spartak Senec spielte, Slavia verteidigte. Garcia, Ahrens, Mendes - sie schossen aus allen Lagen, mal knapp vorbei, mal mitten auf Nemec, der an diesem Abend zur Wand aus Handschuhen wurde. In der 45. Minute köpfte Ahrens aus fünf Metern - Nemec lenkte den Ball mit der Schulter über die Latte. Der Torwart lachte danach: "Ehrlich gesagt, ich wollte mich ducken, aber der Ball hat mich getroffen. Da nenne ich das Glück des Tüchtigen." Zur Pause stand es 1:0, und Slavia-Coach - ein Mann der leisen Worte - muss seinen Spielern einfach nur gesagt haben: "Macht’s zu Ende." Denn das taten sie. Spartak Senec wechselte nach einer Stunde gleich dreimal: Lochiel, Hamsik und Svento kamen, und plötzlich rollte Welle um Welle auf das Slavia-Tor zu. Doch auch mit jugendlichem Elan (Svento, 19) änderte sich nichts am Schema: Chancenflut ohne Ertrag. In der 68. Minute prüfte Couto Nemec erneut, in der 74. Ahrens, in der 91. Morriss - alles vergeblich. Slavia hingegen hatte nur noch vereinzelte Entlastungsangriffe. Karol Penksa, der zentrale Schaltpunkt, sah in der 76. Minute Gelb, nachdem er den Ball wohl etwas zu rustikal behauptet hatte. "Ich hab’ nur freundlich Hallo gesagt", grinste er später. Die Fans feierten ihn trotzdem - vielleicht auch, weil er die Sekunden an der Eckfahne mit einer theatralischen Ballabschirmung verstreichen ließ, die an ein Ballett erinnerte. Die Schlussphase war ein einziges Zittern. Spartak Senec stellte auf volles Pressing um, spielte kurze, schnelle Pässe über die Flügel, während Kevoo an der Seitenlinie unruhig mit den Armen ruderte. In der 94. Minute kam noch einmal Ahrens frei zum Schuss - und drosch den Ball in Richtung Stadiondach. Der Schlusspfiff ertönte, und man hätte schwören können, dass ganz Vrbove gleichzeitig aufatmete. "Fußball ist manchmal ungerecht", murmelte Kevoo, während Slavia-Torwart Nemec jubelnd in die Fankurve rannte. "Aber heute war er wenigstens unterhaltsam." Statistisch gesehen hatte Spartak die Nase vorn: 17 Torschüsse, 47 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe. Doch auf der Anzeigetafel zählte nur Medveds Treffer. "Wir wollten offensiv spielen, aber manchmal muss man einfach leiden", sagte Slavia-Kapitän Penksa. "Und leiden konnten wir heute richtig gut." Ein Abend für die Lehrbücher der Effizienz - oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions schmunzelte: "Ein Tor ist genug, wenn’s das richtige ist." Und so bleibt Slavia Vrbove nach diesem 1:0 nicht nur Sieger des Abends, sondern auch Beweis dafür, dass Fußball keine Mathematik ist - sondern manchmal einfach nur Glück, Schweiß und ein Tor mehr als der Gegner. 10.07.643987 05:45 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack