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Ein lauer Januarabend, 54.215 Zuschauer im Stadion von Nijkerk, Flutlicht, Bratwurstgeruch und der Klang von Trommeln - perfekte Zutaten für einen dieser Abende, an dem Fußball mehr ist als 22 Männer und ein Ball. Doch was Sparta Nijkerk und der FC Sittard am 11. Spieltag der 1. Liga Niederlande boten, war ein kleiner Thriller im Drei-Akte-Format: erst die kalte Dusche, dann die Hoffnung, am Ende das bittere Erwachen. Die Geschichte beginnt ganz harmlos, fast gemütlich. Sparta Nijkerk, unter der Leitung von Markus Kuzmich, startet mit offensivem Flügelspiel, während Sittard-Trainer Patrick We seine Elf in bewährter, leicht nostalgischer 4-3-3-Offensivordnung aufmarschieren lässt. Beide Teams wollen den Ball - Nijkerk hat am Ende mit 51,9 Prozent sogar leicht mehr davon - aber Sittard weiß, was er damit anzufangen hat. Nach 30 Minuten klingelt’s zum ersten Mal: Zeeman Breed, der flinke Rechtsaußen, veredelt einen Pass seines Namensvetters Zeeman Schuyler zum 0:1. "Ich habe einfach draufgehalten. Wenn zwei Zeemans beteiligt sind, kann ja nix schiefgehen", scherzte Breed nach dem Spiel mit einem Grinsen, das so breit war wie die rechte Außenlinie. Kurz vor der Pause dann die Szene, die die Hausherren frustriert und die Gäste jubeln lässt: Godewyn Van Schoonhoven, Sittards erfahrener Linksaußen, tanzt an der Strafraumkante, bekommt den Ball von Damian Albentosa - und schiebt eiskalt zum 0:2 ein. "Ich wollte eigentlich flanken", behauptete er später und lachte, "aber der Ball hat andere Pläne gehabt." Die Halbzeitpause war eine Mischung aus Ratlosigkeit und Hoffnung. Kuzmich soll in der Kabine gesagt haben: "Wenn wir’s schon nicht schön können, dann wenigstens laut." Und tatsächlich: Sparta kam mit Feuer zurück. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff bedient Wouter Rutgers den zentralen Mittelfeldmann Joris Winchel, der mit einem satten Schuss zum 1:2 trifft. Das Stadion erwacht - und plötzlich wirkt Sittard wacklig. Doch kaum hat Nijkerk Blut geleckt, schlägt Sittard erneut zu. In der 51. Minute wieder Van Schoonhoven, wieder Albentosa als Vorbereiter, wieder eiskalt. 1:3. Die rund 2.000 mitgereisten Sittarder Fans feiern, während Kuzmich an der Seitenlinie auf und ab tigert wie ein Mann, der gerade seine Fernbedienung verloren hat. Aber Sparta gibt nicht auf. Logan McShane, der walisische Dauerläufer auf der linken Seite, zieht in der 60. Minute ab - und trifft. 2:3! Die Vorlage kommt von Faas Bleecker, einem Innenverteidiger, der offenbar beschlossen hatte, dass Verteidigen überbewertet ist. "Ich dachte, warum nicht?", sagte McShane später schulterzuckend, "in dem Moment war’s einfach richtig." Die letzten 30 Minuten waren ein einziges Auf und Ab. Sittard schießt 14 Mal aufs Tor, Nijkerk immerhin 10 Mal. Die Gastgeber rennen an, drücken, flanken, kämpfen - aber der Ausgleich will nicht fallen. In der 69. Minute sieht Özer Kurtulus, der Routinier in Nijkerks Abwehr, Gelb nach einem robusten Zweikampf. "Alles Ball", ruft er dem Schiedsrichter hinterher, während der Ball längst im Seitenaus liegt. In den Schlussminuten klammert sich Sittard an die Führung, spielt clever die Uhr herunter. "Pressing? Nein danke", hatte Trainer We offenbar schon vor dem Spiel in sein Taktikheft geschrieben - seine Mannschaft bleibt ruhig, lässt den Ball laufen, wartet auf Konter. Und als der Schlusspfiff ertönt, jubeln die Gäste erleichtert. 2:3, Auswärtssieg, drei Punkte. "Wir haben uns das Leben unnötig schwer gemacht", gab We später zu. "Aber ehrlich gesagt - ein bisschen Drama gehört zum Fußball doch dazu." Sein Gegenüber Kuzmich dagegen blieb kämpferisch: "Wir haben gezeigt, dass wir Moral haben. Wenn wir das nächste Mal früher aufwachen, kann’s ganz anders aussehen." Statistisch betrachtet war es ein ausgeglichenes Spiel: leichter Ballbesitzvorteil für Nijkerk, aber Sittard mit mehr Zug zum Tor. Und vielleicht war genau das der Unterschied - Effizienz schlägt Ästhetik. Am Ende bleibt das Gefühl, dass Sparta Nijkerk zwar verloren, aber keineswegs untergegangen ist. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein alter Fan beim Verlassen des Stadions zu seinem Enkel: "Weißt du, Junge, früher hätten sie so ein Spiel 0:4 verloren." Der Kleine nickte ehrfürchtig. Manchmal ist Fußball eben auch Fortschritt in Zeitlupe. 14.05.643987 23:55 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath