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Servette verzweifelt am Pfosten - Racing Club GE gewinnt trotz 62 Prozent Ballbesitz

Das Stade de Genève bebte am Freitagabend - und am Ende schüttelte sich eine Mannschaft ungläubig die Köpfe: Der SC Servette verlor trotz drückender Überlegenheit mit 1:2 gegen den Racing Club GE. 11.000 Zuschauer sahen ein Spiel, das der alten Fußballweisheit neues Leben einhauchte: "Wer die Tore nicht macht, kriegt sie halt."

Dabei begann alles nach Maß für die Gastgeber. Bereits in der 12. Minute brachte Juergen Seymour die Genfer in Führung - ein klassischer Seymour, kraftvoll, kompromisslos. Nach einem feinen Zuspiel des 19-jährigen Mateusz Mila zog er von links nach innen und drosch den Ball in die Maschen. "Ich dachte mir: Wenn wir so weitermachen, schießen wir heute fünf Tore", grinste Seymour nach dem Spiel - ein Grinsen, das ihm später gründlich verging.

Denn Racing Club GE, jung, forsch und irgendwie unerschrocken, schlug eiskalt zurück. Erst glich Phillip Fouquet in der 22. Minute aus, nach schöner Vorarbeit von Flügelflitzer Cesar Capone, der Servettes Abwehr schwindlig spielte. Zehn Minuten später legte Mathias Wild nach - 18 Jahre jung, aber mit der Coolness eines Routiniers. Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Kian Kinmont nahm er das Leder volley und traf zum 2:1. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte Wild später, "und gehofft, dass der Ball nicht im Parkhaus landet."

Servette rannte fortan an. Und rannte. Und rannte. 20 Torschüsse, 62 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - auf dem Statistikzettel sah alles nach einem klaren Heimsieg aus. Nur auf der Anzeigentafel eben nicht. Trainer Müller (der an diesem Abend sichtbar alterte) schüttelte nach Spielende den Kopf: "Manchmal hast du eben so Tage - du triffst Latte, Pfosten, Torwart, und der Gegner trifft zweimal den Himmel."

Besonders bitter: Jakob Hahn, Servettes 20-jähriger Rechtsaußen, hatte Chancen für zwei Spiele. Zwischen der 41. und 83. Minute versuchte er gleich sechs Mal sein Glück - jedes Mal war der Ball entweder zu zentral oder zu hoch. "Ich hab irgendwann gedacht, das Tor bewegt sich", witzelte Hahn selbstironisch.

Die Gäste verteidigten derweil mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit den Händen, wenn man den Pfiffen der Heimfans Glauben schenken wollte. Racing-Coach Truthan Trainer - ja, der Mann heißt wirklich so - lobte seine Teenager-Truppe überschwänglich: "Wir haben hier gegen erfahrene Männer gespielt. Meine Jungs sind noch nicht mal alle volljährig - die Eltern mussten teilweise die Einverständniserklärung unterschreiben."

In der Schlussphase war es dann ein Spiel auf ein Tor. Matthew Payne prüfte in der 76. Minute den Gästekeeper, Seymour hämmerte in der 72. Minute knapp vorbei, und Hahn schoss in der 83. Minute aus drei Metern übers Tor - das Netz wackelte trotzdem, aber von hinten. Der Stadionsprecher hatte schon tief Luft geholt, um "Tor für Servette!" zu rufen, da sank das Publikum kollektiv in die Sitze.

Gelb sah nur einer: der junge Mila noch vor der Pause (44.), wohl aus Frust darüber, dass seine Pässe mehr Applaus als Wirkung erzeugten. Auf der Gegenseite wechselte Truthan Trainer in der zweiten Halbzeit munter durch - gleich drei 18-Jährige kamen neu, und alle liefen, als ginge es um ihre Abschlussprüfung. "Ich hab gesagt: Jungs, rennt, bis ihr die Alpen seht", lachte der Coach später.

Nach dem Schlusspfiff blieb den Hausherren nur höflicher Applaus und ein Schulterzucken. Servette war spielbestimmend, aber nicht zielstrebig genug. Racing Club GE dagegen nahm drei Punkte mit, die in der Tabelle fast schon nach Zauberei aussehen.

"Wir haben hier einen Riesen geärgert", freute sich Doppeltorschütze Wild und sah dabei aus, als könne er kaum glauben, was er gerade gesagt hatte.

Fazit: Servette mit 62 Prozent Ballbesitz, 20 Torschüssen und einem Tor - Racing Club GE mit acht Schüssen und zwei Treffern. Fußball bleibt eben kein Mathefach. Oder, wie ein älterer Herr auf der Tribüne murmelte: "Ballbesitz ist schön, Tore sind schöner."

Und so ging ein kalter Januarabend in Genf zu Ende - mit warmen Herzen bei den Gästen, kalten Händen bei den Heimfans und der Erkenntnis: Effizienz schlägt Ästhetik, auch in der 3. Liga Schweiz.

30.06.643987 08:00
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