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Es war ein Auftakt nach Maß für SE Bocs - und ein Abend, der den 30.152 Zuschauern im Stadion noch länger im Ohr klingeln dürfte. Zwei Tore, ein Platzregen aus Chancen und ein Gegner, der sich tapfer, aber letztlich vergeblich gegen die Heimoffensive stemmte. Am Ende stand ein 2:1 (1:0) für die Gastgeber, die damit gleich am ersten Spieltag der 1. ungarischen Liga ein Ausrufezeichen setzten. Bereits in der 11. Minute explodierte das Stadion zum ersten Mal: Nael Coelho, der flinke Linksaußen mit dem Temperament eines Espresso-Doppels, traf nach feinem Doppelpass mit Mittelstürmer Toni Nyman zum 1:0. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch - technisch sauber, mit einem Schuss Selbstverliebtheit garniert. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Coelho später. "Toni meinte noch, ich solle passen. Tja, manchmal muss man einfach egoistisch sein." Nyman, der selbst noch genug Szenen bekommen sollte, rollte lachend mit den Augen: "Er darf das, wenn er trifft." Siofok, von Coach Kersten Rittner offensiv eingestellt ("Wir wollten gleich zeigen, dass wir Fußball spielen können, nicht nur zuschauen"), brauchte lange, um in Fahrt zu kommen. Zwar ackerte Dominique Corey vorne unermüdlich, doch gegen die solide Innenverteidigung von Kashtan und Comstock war zunächst kein Durchkommen. Erst nach der Pause, als Rittner gleich dreimal wechselte - sogar den Torwart - bekam sein Team mehr Zugriff. In der 55. Minute war es dann soweit: Corey veredelte einen präzisen Steckpass von Vitorino Rocha zum 1:1. Der Jubel im Gästeblock war laut, aber kurz - denn kaum hatte der Stadionsprecher den Torschützen zu Ende verkündet, schlug SE Bocs zurück. Nur eine Minute später verwandelte Nyman eine butterweiche Flanke von Mladen Zdravkovic per Direktabnahme zum 2:1. Der Schwede rannte jubelnd in Richtung Trainerbank, wo Matze Klopp ihm entgegenfiel wie ein glücklicher Onkel auf einer Hochzeit. "Genau das ist Toni!", rief Klopp später in der Pressekonferenz. "Er braucht nur eine Sekunde - und dann ist der Ball drin. Leider auch manchmal im Nachbarstadion, aber heute eben im richtigen Tor." Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch - 19 zu 11 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz für Bocs, und ein Publikum, das jede gelungene Aktion feierte, als ginge es um die Meisterschaft. Besonders auffällig: der junge Rechtsverteidiger Jozsef Opata, gerade einmal 18 Jahre alt, der in der 79. Minute zwar Gelb sah, aber ansonsten mit jugendlichem Übermut und mutigen Vorstößen glänzte. "Ich hab vergessen, dass ich Verteidiger bin", gab er später schelmisch zu. Siofok warf in den Schlussminuten alles nach vorn - Pressing auf Anschlag, Rittner wild gestikulierend an der Seitenlinie, als wolle er den Ball selbst ins Tor schreien. Oliver Davonport prüfte Keeper Piccard in der 86. Minute mit einem strammen Schuss, doch der Bocs-Torwart lenkte das Leder spektakulär über die Latte. "Ich hab’ kurz überlegt, ob ich ihn fange", sagte Piccard mit einem Augenzwinkern, "aber das wäre wohl zu viel des Guten gewesen." Die letzten Minuten gerieten zur Abwehrschlacht, garniert mit einer weiteren Gelben Karte für Siofoks Routinier Lionel Garcia, der mit 33 Jahren so viel Erfahrung hat, dass er nun genau weiß, wann man das taktische Foul ziehen muss - und wann zu spät. Nach dem Schlusspfiff war die Freude groß: Matze Klopp klatschte mit jedem Spieler ab, inklusive Ersatzkeeper und Zeugwart. "Es war ein ehrlicher, harter Sieg", resümierte er. "Wir haben viel richtig gemacht, ein bisschen Glück gehabt, und wenn Toni und Nael so weitermachen, wird das eine schöne Saison." Rittner hingegen blieb gefasst: "Wir waren nah dran. Aber wir haben zu oft fast alles richtig gemacht - und das reicht eben nicht. Nächstes Mal muss es ganz richtig sein." So endete ein intensiver Abend, an dem SE Bocs zeigte, dass sie mehr als nur ein Geheimfavorit sein könnten. Und während die Flutlichter langsam erloschen, blieb das Gefühl, dass dieser Auftaktsieg mehr war als drei Punkte - er war ein Versprechen. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte, während er sich den Schal richtete: "Wenn die so weiterspielen, dann hol ich mir sogar wieder eine Dauerkarte. Vielleicht." 11.11.643993 12:55 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler