Sport-Blick
+++ Sportzeitung für Schweiz +++

Schaffhausen schießt sich mit Nerven aus Stahl zu 3:2-Auswärtssieg

Wenn 14.488 Zuschauer an einem kühlen Februarabend nach Genf pilgern, dann nicht, um eine mathematische Lehrstunde über Ballbesitzverhältnisse zu erleben. Doch genau das bekamen sie zu sehen - plus eine gehörige Portion Drama, jugendlichen Übermut und ein Schiedsrichtergespür, das man freundlich als "großzügig" bezeichnen könnte. Am Ende gewann der SV Schaffhausen mit 3:2 beim Racing Club GE, und Trainer Truthan Trainer raufte sich am Spielfeldrand mehrmals die Haare: "Wir wollten offensiv spielen - das hat ja auch funktioniert. Nur leider manchmal in beide Richtungen."

Die Partie begann mit einem Feuerwerk aus gelben Karten, Schüssen und Emotionen. Schon in der 8. Minute sah Racing-Verteidiger Kian Kinmont Gelb, kaum vier Minuten später erwischte es seinen jungen Kollegen Thomas Eckert - ebenfalls Gelb. "Ich wollte nur zeigen, dass ich wach bin", grinste Eckert nach dem Spiel. Wach war er tatsächlich, denn er bereitete später das erste Racing-Tor vor.

Doch zunächst jubelten die Gäste: In der 22. Minute startete Schaffhausens Jean Seitz nach Pass von Robin Zimmermann durch, nahm Maß und netzte eiskalt ein. Der Jubelblock aus Schaffhausen tobte. Nur sechs Minuten später antwortete Racing durch den unerschrockenen 19-jährigen Mathias Wild, der nach Eckerts Vorlage zum 1:1 traf. "Ich hab den Ball gesehen und einfach gemacht, was man im Training sagt: Nicht nachdenken", gab Wild mit einem Lächeln zu Protokoll.

Aber Schaffhausen hatte mehr vom Spiel - nicht nur beim Ballbesitz (53,7 %), sondern vor allem bei den Chancen. Doppelt so viele Torschüsse (16:8) sprechen eine klare Sprache. Und wieder war es Seitz, der den Unterschied machte: In der 39. Minute vollendete er eine Flanke von Björn Simard zum 2:1 für die Gäste. Racing-Keeper Taci Recber sah dabei eher aus, als hätte er gerade die Flugbahn eines Satelliten berechnet: zu spät, zu hoch, zu weit.

Nach der Pause kam Racing stürmisch aus der Kabine. Trainer Truthan Trainer hatte offenbar die Lautstärke auf "Motivationsschrei" gestellt. Der junge Wild bedankte sich prompt - in der 51. Minute traf er erneut, diesmal nach Vorarbeit von Linksverteidiger Mathias Eder. 2:2, und das Stadion vibrierte. "Da dachte ich, jetzt kippt das Spiel", sagte Wild später. Doch Racing brachte die Energie nicht über die Zeit.

SV Schaffhausen blieb ruhig, fast stoisch. Kein hektisches Pressing, kein wildes Nach-vorn-Gebolze - einfach solides, balanciertes Spiel. In der 82. Minute, als Racing schon etwas müde wirkte, schlug Schaffhausen eiskalt zu. Der gerade 19-jährige Maurice La Barre, bis dahin eher unauffällig, traf nach klugem Zuspiel von Jacques Krieger zum 3:2-Endstand. Trainer der Gäste, der den Sieg mit verschränkten Armen registrierte, meinte trocken: "Wir haben nichts Besonderes gemacht - nur die Tore."

Kurz darauf die Schrecksekunde: Yehudit Tzabar, Schaffhausens 33-jähriger Abwehr-Haudegen, verletzte sich und musste runter. "Der Oberschenkel hat zugehört, als das Spiel spannend wurde", witzelte er später mit Eisbeutel auf dem Bein.

Racing versuchte noch einmal alles. In der 90. Minute hatte Rune Halvorsen den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber an Schaffhausens Keeper Agemar Postiga, der seine 33 Jahre Erfahrung in einer Parade bündelte, die man getrost als "Vintage" bezeichnen darf.

Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe mit leichtem Schaffhauser Übergewicht. Spielerisch stand Racing mutig, taktisch aber unruhig. Das offensive Konzept blieb auch beim Rückstand unangetastet - mutig oder stur, darüber lässt sich streiten. "Ich mag Offensive, auch wenn sie weh tut", so Trainer Truthan Trainer, halb lachend, halb seufzend.

Unterm Strich: ein munteres, unterhaltsames Spiel mit jugendlicher Wildheit und reifer Cleverness. Racing Club GE zeigte, dass Talent und Leidenschaft manchmal nicht reichen, wenn Erfahrung auf der anderen Seite steht. Schaffhausen dagegen bewies, dass man auch ohne Pressing-Orgie und Ballbesitzdominanz Tore schießen kann - es reicht, wenn Jean Seitz einen guten Tag hat.

Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Rausgehen murmelte: "Fußball ist einfach - man muss nur öfter treffen als der andere." An diesem Abend stimmte das wieder einmal.

20.06.643990 21:18
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Ottmar Hitzfeld ist noch nie auf die Tribüne verbannt worden, ich auch nicht. Aber bei mir wird es sicher nicht mehr lange dauern.
Matthias Sammer
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager