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Es war ein nasskalter Abend in Hennef, an dem 25.915 Zuschauer sich die Mühe machten, den 17. Spieltag der 1. Liga Deutschland live zu erleben. Sie wurden belohnt - mit einem Spiel, das zwar nicht immer hochklassig war, dafür aber reichlich Dramatik, Emotionen und die eine oder andere ironische Pointe bot. Am Ende jubelte der SC Hennef über ein 2:1 gegen den 1. FC Eschborn - ein Sieg, der mehr nach Arbeit als nach Schönheit schmeckte. Schon vor dem Anpfiff hatte Hennef-Trainer Giovanni Diaco mit einem Grinsen gesagt: "Wir spielen heute offensiv - aber nur, wenn der Ball bei uns ist." Und tatsächlich, seine Elf begann mit Schwung über die Flügel, während Eschborns Coach Yas Sin auf lange Bälle und robuste Zweikämpfe setzte. Der Ballbesitz sprach am Ende mit 54 Prozent leicht für Hennef, aber Eschborn schoss öfter aufs Tor - ganze 14 Mal. Das erste Ausrufezeichen setzte Eschborn: In der 20. Minute stieg Innenverteidiger Rastislav Harsanyi nach einer Ecke von Luis Klug höher als alle anderen und nickte zum 0:1 ein. Ein Verteidiger als Torschütze - Sin grinste später: "Ich hab ihm gesagt, er soll hinten bleiben. Gut, dass er nicht auf mich hört." Doch Hennef antwortete prompt. Nur zwölf Minuten später bediente David Kern den jungen John Lockhart, der aus spitzem Winkel trocken zum 1:1 einschoss. Der 21-jährige Engländer jubelte ausgelassen, während Kern sich noch über seine Gelbe Karte aus der Anfangsphase ärgerte. "Die war überflüssig wie ein Regenschirm im Stadiondach", brummte er hinterher. Bis zur Pause entwickelte sich ein offener Schlagabtausch: Fernando Antonio prüfte Hennefs Keeper Angelo Venditti mehrfach, während auf der Gegenseite Larry Vrooman und Michel Mingo auffällig viel nach vorne arbeiteten. Das Publikum reagierte begeistert - oder zumindest lautstark verwirrt, je nachdem, welcher Pass ankam. Nach dem Seitenwechsel stellte Eschborn auf aktiveres Pressing um und drückte die Hennefer in die eigene Hälfte. Sin brüllte: "Hoch, hoch!" - und seine Spieler folgten. Aber Hennef blieb gefährlich, wenn sie über die Flügel kamen. In der 68. Minute war es dann wieder Kern, der den Unterschied machte: Nach einem Vorstoß von Krzysztof Kosecki zog er aus 18 Metern ab - flach, präzise, unhaltbar. 2:1. "Ich dachte erst, der Ball fliegt in den Parkplatz", lachte Kern nach dem Spiel, "aber dann war er plötzlich drin. Manchmal hilft die Physik mit." Die letzten 20 Minuten gerieten zum Nervenspiel. Eschborn drängte, Antonio und Dietrich feuerten aus allen Lagen, doch Venditti parierte bravourös. In der 90. Minute wechselte Sin gleich dreifach - als wollte er das Spiel mit frischen Namen drehen: Holz, Yilmaz und der 19-jährige Fritsch kamen. Letzterer hatte sogar noch einen Schuss in der Nachspielzeit, doch Venditti hielt erneut. Nach Abpfiff lagen sich die Hennefer in den Armen, während Eschborns Spieler frustriert in den rutschigen Rasen starrten. "Wir haben mehr geschossen, aber weniger getroffen - das ist leider kein Punktesystem beim Darts", seufzte Klug. Statistisch war es ein enges Duell: 10 zu 14 Torschüsse, nahezu ausgeglichene Zweikampfquote (48 zu 52 Prozent), viel Leidenschaft auf beiden Seiten. Taktisch blieb Hennef seiner offensiven Flügelstrategie treu, während Eschborns Versuch, über die Mitte zum Erfolg zu kommen, an der Hennefer Innenverteidigung scheiterte. Trainer Diaco hatte am Ende die passende Mischung aus Stolz und Müdigkeit im Gesicht: "Wir wollten zeigen, dass wir auch kämpfen können. Und ja, wir haben das getan - vielleicht ein bisschen zu viel. Ich glaube, mein Puls war heute höher als der Ballbesitzwert." Yas Sin hingegen blieb trotz der Niederlage gefasst: "Wenn du auswärts verlierst, aber 14 Schüsse hast, dann weißt du, dass nicht alles schlecht war. Nur der Spielstand." Während die Fans sich durch die kalte Nacht auf den Heimweg machten, klopfte ein Hennef-Anhänger einem Eschborner auf die Schulter und sagte: "War knapp, oder?" Der antwortete trocken: "Knapp daneben ist auch vorbei." Am Ende bleibt ein Spiel, das weniger durch Perfektion als durch Herzblut glänzte - ein Abend, an dem Hennef zeigte, dass Leidenschaft manchmal die bessere Taktik ist. Und irgendwo in der Kabine summte David Kern leise vor sich hin: "2:1 - das klingt doch wie Musik." (600 Wörter) 01.12.643990 03:05 |
Sprücheklopfer
Wenn wir kein Tor machen, können wir nicht einmal in Kaiserslautern gewinnen.
Aleksandar Ristic