// Startseite
| Voetbal International |
| +++ Sportzeitung für Niederlande +++ |
|
|
|
Es war ein kalter Februarabend in Nijkerk, doch 52.019 Zuschauer sorgten für eine Atmosphäre, die eher an ein Pokalfinale erinnerte. Sparta Nijkerk empfing am 5. Spieltag der 1. Liga Niederlande die Flevo Boys - und auch wenn das Ergebnis mit 1:0 knapp ausfiel, war der Abend alles andere als arm an Geschichten. Trainer Markus Kuzmich hatte seine Mannschaft von Beginn an offensiv eingestellt. "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause niemanden fürchten", sagte er später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Zufriedenheit und Erleichterung lag. Schon in den ersten Minuten rollte Angriff auf Angriff Richtung Flevo-Torwart Tamir Ben, der sich früh als bester Mann der Gäste herausstellen sollte. Bereits in der 5. Minute probierte es Veli Sauso, kurz darauf noch einmal - und wieder flog der Ball haarscharf am Pfosten vorbei. "Ich dachte, wenn ich oft genug draufhalte, geht einer rein", scherzte der 33-jährige Rechtsaußen nach dem Spiel. Recht sollte er behalten, aber bis dahin mussten sich die Fans gedulden. Sparta dominierte mit 54 Prozent Ballbesitz und beeindruckenden 22 Torschüssen. Die Flevo Boys, defensiv ausgewogen und mit der taktischen Ausrichtung "bloß kein Pressing", wie man munkelte, kamen in der ersten Hälfte kaum über die Mittellinie hinaus. Wenn sie es doch taten, dann meist über den schnellen Carl Rodrigo oder Ashton Bataillard, deren Abschlüsse (in Minute 20 und 11) aber eher höfliche Rückgaben für Sparta-Keeper Sander Vanderzee waren. Die erste Hälfte endete torlos, aber nicht ereignislos. Die Hausherren kombinierten gefällig, nur das Zielwasser fehlte. "In der Kabine habe ich den Jungs gesagt, sie sollen einfach weitermachen", erklärte Kuzmich. "Und vielleicht das Tor etwas größer denken." Fünf Minuten nach Wiederanpfiff war es dann soweit. Bastiaan Schuyler, der linke Flügelarbeiter mit der Präzision eines Uhrwerks, setzte sich über außen durch, flankte scharf in die Mitte - und dort rauschte Veli Sauso heran. Direktabnahme, Tor. 1:0 in der 50. Minute. Stadionexplosion. Bierduschen auf den Rängen. Und Sauso, der seine Arme ausbreitete, als wolle er das ganze Stadion umarmen. "Ich hab den Ball perfekt getroffen", sagte er später und grinste. "Wenn ich ehrlich bin, wollte ich eigentlich flanken." Neben ihm lachte Schuyler: "Dann war’s ja doppelt perfekt." Nach dem Führungstor schien Sparta kurz zu überlegen, ob man lieber nachlegen oder verwalten sollte. Am Ende entschieden sie sich für beides: weiter nach vorne spielen, aber ohne Risiko. Die Flevo Boys versuchten ihrerseits, etwas Druck zu entwickeln, doch mit nur vier Torschüssen blieb der Auftritt harmlos. "Wir haben zu brav gespielt", gab Gästetrainer Horst Zachary unumwunden zu. "Vielleicht hätten wir mal am Trikot ziehen sollen." In der 61. Minute sah Claude Beaumanoir Gelb, weil er das offenbar ein bisschen zu wörtlich genommen hatte. "Ich wollte nur sicherstellen, dass er nicht ausrutscht", meinte der linke Verteidiger trocken. Das Publikum lachte, die Partie blieb fair, wenn auch zunehmend zäh. Kuzmich reagierte mit lautstarken Kommandos von der Seitenlinie, während Zachary stoisch in seinen Notizblock kritzelte - vermutlich ein Einkaufszettel für die nächste Transferperiode. In den letzten zehn Minuten drängte Sparta noch einmal. Zeeman Voores prüfte den Torwart gleich mehrfach, Bastiaan Schuyler traf das Außennetz, und Veli Sauso knallte in der 88. Minute noch einen Ball an die Latte. Die Zuschauer sangen, pfiffen, jubelten - und zitterten bis zum Schluss. Als der Schlusspfiff ertönte, schien die Erleichterung greifbar. "Ein 1:0 ist wie ein Espresso - klein, aber mit Wirkung", sagte Kuzmich später in der Pressekonferenz. Zachary nickte nur und fügte mit trockenem Humor hinzu: "Wir hatten heute leider entkoffeinierten Kaffee." Statistisch war das Spiel eine klare Angelegenheit: 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Hausherren, doppelt so viele gefährliche Szenen, und ein Gegner, der sich defensiv redlich mühte, aber offensiv zu zahm blieb. Am Ende stand ein verdienter, wenn auch hart erkämpfter Sieg. Sparta Nijkerk klettert damit weiter in der Tabelle, während die Flevo Boys wohl noch ein paar Nächte von Sauros Volley träumen werden. Und irgendwo in der leeren Kabine stand noch ein halbvolles Bier - das einzige, das an diesem Abend nicht getroffen wurde. 15.07.643990 07:38 |
Sprücheklopfer
Es gibt Phasen, da ist man etwas angespannter. Das ist doch menschlich. Es wäre doch blöd von mir, den Schauspieler zu mimen.
Rudi Völler