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Ein Winterabend im Februar, Flutlicht, 26.352 Zuschauer im Aarberger Stadion, dazu ein Spiel, das mehr Geduld als Nerven verlangte: Der FC Aarberg schlägt die Kickers Bern mit 1:0 - dank eines Treffers, der so unscheinbar begann wie ein Montagmorgen, aber endete wie ein Feuerwerk am Nationalfeiertag. Es lief die 67. Minute, als Linksverteidiger Rui Canton, bisher eher für solide Grätschen als für Tore bekannt, nach einem Pass von Vincent Leblanc plötzlich im Strafraum auftauchte. "Ich war eigentlich nur mitgelaufen, um den Ball wieder nach hinten zu spielen", grinste Canton später. Doch statt Querpass wählte er den Heldenweg - ein wuchtiger Schuss ins rechte Eck, und Aarberg jubelte, als hätte man gerade die Champions League gewonnen. Bis zu diesem Moment war Geduld gefragt. Aarberg hatte das Spiel weitgehend im Griff - 57 Prozent Ballbesitz, 14:3 Torschüsse -, aber das Tor schien wie vernagelt. Schon nach sechs Minuten prüfte Kay Alex den Berner Keeper Gerasim Warlamow mit einem Schuss aus spitzem Winkel, der mehr Staub als Gefahr aufwirbelte. "Da war mehr Hoffnung als Zielwasser im Spiel", kommentierte Trainer Joao Alves trocken. Die Kickers Bern hingegen hatten sich vorgenommen, offensiv aufzutreten. Zumindest laut Taktikzettel: "Alignment: OFFENSIVE", stand da. In der Praxis bedeutete das, dass sie sich meistens in der eigenen Hälfte wiederfanden, während Aarberg das Spiel gemächlich aufbaute. Nur einmal, in der 38. Minute, wurde es wirklich gefährlich für die Hausherren - Hugo Britos Schuss aus 22 Metern zwang Keeper Erik Frigard zu einer Flugparade, die so spektakulär wie unnötig wirkte, aber das Publikum begeisterte. Kurz vor der Pause dann ein kleiner Aufreger: Aarbergs Rechtsverteidiger Adam Neil sah Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, das man wahlweise als "robust" oder "übermotiviert" bezeichnen konnte. "Ich hab den Ball getroffen - naja, fast", murmelte Neil nach dem Abpfiff, während sein Trainer ihn liebevoll mit einem "Wir arbeiten an deinem Timing" verabschiedete. Zur Halbzeit blieb es beim 0:0, und man fragte sich, ob Aarberg an diesem Abend jemals das Tor treffen würde. Doch Alves blieb gelassen. "Ich habe der Mannschaft gesagt: Wenn wir weiter so spielen, fällt das Tor irgendwann. Oder wir frieren alle gemeinsam ein", scherzte der Portugiese. Dann die 54. Minute: Berner Mittelfeldspieler Julio Ordono musste verletzt vom Platz. Es war einer dieser Zweikämpfe, bei denen man schon beim Hinsehen die Zähne zusammenbeißt. Sein Trainer - der Name blieb auf der offiziellen Liste unerwähnt, aber seine Gestik sprach Bände - schüttelte nur den Kopf und brachte den jungen Owen MacQueen. Der durfte gleich nach vorne, doch Aarbergs Abwehr blieb standhaft. Und dann kam Rui Canton. 67. Minute, Flanke von rechts, Ball auf den zweiten Pfosten, ein kurzer Blick, ein Schuss - und endlich das Tor. Der Jubel war ohrenbetäubend. "Ich wusste gar nicht, dass Rui so einen Schuss hat", lachte Mitspieler Leblanc. "Normalerweise trifft er beim Training eher den Zaun." In den letzten Minuten versuchten die Berner, den Druck zu erhöhen, doch ihre drei Torschüsse blieben harmlose Grüße an Frigard. Stattdessen hätte Aarberg sogar erhöhen können: Domingo Moutinho vergab in der 82. und 93. Minute gleich zwei gute Chancen. "Ich wollte es schön machen", sagte er entschuldigend - und Alves konterte augenzwinkernd: "Schön ist gut, aber drin ist besser." So blieb es beim 1:0, einem Ergebnis, das nüchtern betrachtet verdient, aber knapper war, als es die Statistik vermuten lässt. Aarberg spielte diszipliniert, kontrollierte Tempo und Raum, während Bern zu selten die eigenen Offensivpläne umsetzte. Nach dem Spiel fasste Canton seinen großen Moment bescheiden zusammen: "Ich bin Verteidiger, kein Torjäger. Aber vielleicht war das ein Zeichen, dass man auch von hinten mal Druck machen darf." Vielleicht war es auch ein Zeichen dafür, dass Fußball manchmal keine komplizierte Wissenschaft ist. Ein Pass, ein Schuss, ein Tor - und 26.000 Menschen, die plötzlich wieder an die Magie des Spiels glauben. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "War kein Feuerwerk, aber wenigstens hat’s gezündet." 25.04.643990 09:00 |
Sprücheklopfer
Da muß man schon gucken, ob noch alles dran ist.
Oliver Kahn nachdem er einen Schuss des Stuttgarters Ganea mit dem Unterleib abgewehrt hatte