Sport-Blick
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Rot-Weiss Zürich scheitert im Pokalkrimi an Blau-Weiss Luzern

Wenn ein Pokalspiel alles bietet, was man sich als neutraler Beobachter wünscht - dann war es dieser Freitagabend im Zürcher Stadion, an dem 32.000 Zuschauer ihr Kommen sicher nicht bereuten. Am Ende jubelten die Gäste aus Luzern über ein 3:2 (1:1) gegen Rot-Weiss Zürich, das zwar beherzt kämpfte, aber an der eigenen Effizienz und einem entfesselten Gegner scheiterte.

Schon in den ersten Minuten zeichnete sich ab, dass Blau-Weiss Luzern mehr vom Spiel haben würde. 13 Torschüsse sprechen eine klare Sprache, während Zürich sich mit drei Versuchen begnügte - zwei davon immerhin im Netz. Doch was helfen Statistiken, wenn sie sich nicht in Tore ummünzen lassen?

Bereits in der 15. Minute klingelte es zum ersten Mal: Robert Locklear, der flinke Rechtsaußen der Luzerner, vollendete nach einem präzisen Zuspiel von Mittelfeldmotor Dylan Bosworth. Der Jubel im Gästeblock war ohrenbetäubend - und Trainer Reinhard Wild grinste breit: "Robert hat heute gespielt, als hätte er Espresso intravenös bekommen."

Doch Zürich antwortete umgehend. In der 24. Minute fasste sich Henri DeBrosse ein Herz, nachdem Erik Valachovic ihm den Ball mustergültig in den Lauf legte, und donnerte das Leder unhaltbar ins rechte Eck. Das Stadion explodierte förmlich. "Da dachte ich: Jetzt kippt’s", gestand Wild später mit einem Augenzwinkern.

Der Ausgleich gab den Zürchern Auftrieb. Sie kamen endlich ins Spiel, kämpften, bissen, liefen - und kassierten trotzdem Gelb: Callum Bostwick sah in der 53. Minute den Karton, nachdem er Roger Römer etwas zu herzlich begrüßt hatte. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", rechtfertigte sich der Verteidiger lachend nach dem Abpfiff.

Kurz darauf schien sich die Courage auszuzahlen: Ingo Xavier, der rechte Verteidiger mit Offensivdrang, traf in der 51. Minute nach einem feinen Pass von Sebastien Lenentine zur 2:1-Führung. Für einen Moment roch es nach Pokalwunder. Trainer Ha Luncke riss die Arme hoch, tanzte fast an der Seitenlinie - und rief in Richtung seiner Bank: "Jetzt wird’s romantisch, Jungs!"

Doch Fußballromantik ist bekanntlich vergänglich. Luzern blieb druckvoll, spielte mit langen Bällen und Flanken über die Flügel, wie es ihre taktische Marschroute vorgab. Daniel Barros, der auffällige linke Mittelfeldspieler, hatte schon kurz vor der Pause Gelb gesehen, ließ sich davon aber nicht bremsen. Immer wieder trieb er das Spiel an, flankte, schoss, gestikulierte - und am Ende traf er auch noch.

Zunächst allerdings war es Julien Achard, der in der 81. Minute für den Ausgleich sorgte. Sein Schuss nach Vorarbeit von Linksverteidiger Jesus Langer war so präzise, dass Keeper Harry Craven nur resigniert die Hände hob, als wolle er sagen: "Was soll ich denn da machen?"

Die Partie kippte endgültig fünf Minuten später. Daniel Barros, diesmal selbst im Mittelpunkt, setzte in der 86. Minute den Schlusspunkt. Ein satter Schuss aus 20 Metern, halb Volley, halb Verzweiflung - und plötzlich stand es 3:2 für Blau-Weiss Luzern.

Während die Gäste jubelten, sank Ha Luncke auf seine Trainerbank. "Das war kein Fußballspiel mehr, das war eine emotionale Achterbahn", sagte er später und fügte mit sarkastischem Lächeln hinzu: "Wir hatten drei Schüsse aufs Tor - immerhin zwei davon drin. Effizienz ist also nicht das Problem."

In den letzten Minuten warfen die Zürcher alles nach vorne. Selbst Innenverteidiger Carlos de Vivar tauchte im Strafraum auf, doch der Ball wollte einfach nicht mehr ins Tor. Stattdessen kassierte Ingo Xavier in der 79. Minute noch Gelb, als er in seiner Verzweiflung einen Konter rustikal stoppte - "ein taktisches Foul mit künstlerischem Anspruch", wie ein Zuschauer bemerkte.

Als Schiedsrichterin Helena Meier nach 93 Minuten abpfiff, standen die Luzerner Spieler Arm in Arm vor ihrem Anhang, während Zürich in die Kabine schlich. "Manchmal gewinnt eben der, der öfter schießt", kommentierte Reinhard Wild trocken. Und wer wollte ihm nach 13 Abschlüssen widersprechen?

Ein Pokalabend voller Dramatik, Emotionen und einer Prise Ironie - ganz nach dem Geschmack der Fans. Rot-Weiss Zürich verabschiedet sich zwar aus dem Wettbewerb, aber sicher nicht aus den Herzen seiner Anhänger. Und irgendwo im Stadion murmelte ein älterer Herr beim Hinausgehen: "Schade… aber schön war’s trotzdem."

Ein Satz, der dieses Spiel wohl besser zusammenfasst als jede Statistik.

11.07.643987 21:01
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