Voetbal International
+++ Sportzeitung für Niederlande +++

Rotterdam verliert die Nerven - und das Spiel

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott Humor hat. 40.000 Zuschauer im prall gefüllten Stadion an der Maas sahen, wie SBV Rotterdam zunächst alles im Griff hatte - und am Ende doch mit leeren Händen dastand. FC Den Haag drehte das Spiel spät und siegte 2:1.

Schon nach zehn Minuten bebte die Tribüne, als Sebastian Kruse einen butterweichen Pass von Ansgar Eriksen annahm und den Ball trocken ins linke Eck drosch. 1:0 für Rotterdam - das Stadion tobte, Trainer und Ersatzbank jubelten, und Kruse selbst grinste nach seinem Treffer: "Ich dachte, der Torwart bewegt sich gar nicht - also hab ich einfach gezielt, wo er stand." Ein Satz, der in seiner Ehrlichkeit fast schon Kunst ist.

Bis zur Pause schien alles nach Plan zu laufen. Rotterdam hatte mehr Ballbesitz (53 Prozent), ließ den Ball laufen, spielte ruhig, ja fast schon zu ruhig. "Wir haben das Spiel kontrolliert", meinte Mittelfeldmann Paulus Holmqvist später, "nur leider nicht das Ergebnis."

Den Haag hingegen, gecoacht von Bronco Capone - ein Mann, dessen Name klingt wie aus einem Mafiafilm und dessen Auftreten das Klischee fast bestätigt -, hatte andere Pläne. Capone brüllte an der Seitenlinie, gestikulierte wild und trieb seine Offensivreihe an. "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Krach", schrie er in Richtung seiner Spieler.

Ab der zweiten Halbzeit wurde aus dem kontrollierten Ballgeschiebe ein offener Schlagabtausch. Den Haag schaltete auf offensiv, brachte Joao Travassos und Toni Uusimäki, zwei frische Stürmer, und setzte Rotterdam unter Druck. Die Statistik spricht Bände: 20 Torschüsse für Den Haag, nur 9 für die Hausherren.

Der Ausgleich fiel in der 66. Minute - und er war so etwas wie die logische Konsequenz. Alessandro Lago, der auffälligste Mann auf dem Platz, nutzte eine Unsicherheit in der Rotterdamer Hintermannschaft und traf nach Vorarbeit von Innenverteidiger Eustatius Onderdonk. "Ich wusste gar nicht, dass Eustatius so weit nach vorne darf", witzelte Lago später, "aber wenn er mir den Ball so serviert, sag ich bestimmt nicht Nein."

Ab da kippte das Spiel endgültig. Rotterdam wirkte verunsichert, die Pässe kamen nicht mehr an, und statt kontrolliert zu agieren, wurde hektisch nach vorne geschlagen. Der junge Rechtsverteidiger Godewyn Dag fing sich in der 73. Minute eine Gelbe Karte ein, nachdem er den enteilten Florent Panis eher rustikal stoppte. "Ich hab den Ball gespielt", sagte Dag - was selbst Panis mit einem Lächeln quittierte: "Ja, den Ball irgendwo auf der Tribüne."

Die Entscheidung fiel sechs Minuten vor Schluss. Wieder war es Alessandro Lago, diesmal nach feinem Zuspiel von Josef Rosenthal, der den Ball eiskalt flach ins kurze Eck setzte. 2:1 für Den Haag - und Stille im Stadion. Nur Capone jubelte, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen aufhören, über Taktik zu reden, und einfach Fußball spielen. Offenbar hat das funktioniert", grinste er in die Mikrofone.

Rotterdam rannte in den letzten Minuten noch an, Kruse hatte in der 87. Minute die große Chance zum Ausgleich, doch Den Haags Keeper Jan Kona hielt überragend. "Wenn du so ein Spiel verlierst, willst du einfach nur duschen und verschwinden", murmelte Kruse beim Verlassen des Platzes.

Die Zahlen unterstreichen das Gefühl: Mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle - aber weniger Effizienz. Den Haag spielte mit aggressiverer Note, stärkerem Einsatz und nutzte die Chancen kaltschnäuzig. Rotterdam dagegen wirkte so, als hätte man vergessen, dass Fußballspiele länger als 45 Minuten dauern.

Und so stand am Ende ein 1:2, das weh tat. Die Fans pfiffen, einige blieben schweigend auf ihren Sitzen, andere applaudierten tapfer. Trainer Capone verabschiedete sich mit einem breiten Grinsen und einem Satz, der wohl in die Kabinenwand eingraviert wird: "Manchmal musst du einfach glauben, dass ein 0:1 nur der Anfang ist."

Rotterdam hingegen wird sich fragen müssen, wie man ein Spiel aus der Hand geben kann, das man eigentlich in der Tasche hatte. Vielleicht hilft ein Blick auf die Statistik - oder ein Abend ohne Ball.

Denn manchmal, das weiß jeder Fußballromantiker, ist die schönste Mannschaft nicht die, die gewinnt, sondern die, über die man noch tagelang redet. Und das, so viel steht fest, wird man in Rotterdam tun.

30.06.643987 04:17
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Nevio Scala ist ein phantastischer Trainer und er hat eine tolle Mannschaft. Dortmund wird ganz sicher Weltmeister!
Giovanni Trappatoni
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager