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Römer rockt Luzern - SC Lyss erlebt kalte Dusche am Vierwaldstättersee

Wenn ein Spiel schon in der zweiten Minute entschieden scheint, dann ist meist etwas schiefgelaufen - allerdings nicht für Blau-Weiss Luzern. Vor 44.716 begeisterten Zuschauern fegte die Elf von Trainer Reinhard Wild den SC Lyss mit 4:0 vom Platz und ließ dabei keine Fragen offen, wer hier das Sagen hatte. Drei Tore in den ersten sieben Minuten - das war kein Fußballspiel, das war ein Überfall in Blau-Weiss.

Der Abend begann, wie er besser nicht hätte beginnen können: Nach gerade einmal zwei Minuten tauchte Roger Römer auf dem linken Flügel auf, nahm den Ball von Ilias Chalbinski mit, schaute kurz, lächelte vermutlich - und schob den Ball eiskalt ins rechte Eck. 1:0. Noch bevor die Gäste aus Lyss wussten, wie sie heißen, lag der Ball schon wieder in ihrem Netz. Diesmal war es erneut Römer, in der 4. Minute, auf Vorlage von Robert Locklear. "Ich hab einfach weitergelaufen, weil keiner mich aufgehalten hat", grinste der 22-Jährige später.

Und als die Lyss-Abwehr dann dachte, schlimmer könne es nicht kommen, kam Robert Mantovani. In der 7. Minute nahm er einen präzisen Pass von Dylan Bosworth auf und drosch den Ball humorlos in den Winkel. 3:0. Sieben Minuten, drei Tore - Trainer Wild rieb sich ungläubig die Augen. "Ich dachte, wir sind noch im Aufwärmen", sagte er schmunzelnd.

Es war ein seltsames Spiel, denn trotz dieser frühen Dominanz hatte Luzern am Ende weniger Ballbesitz: 44 Prozent. Aber was sagt schon Ballbesitz, wenn man nach zehn Minuten praktisch fertig ist mit seinem Arbeitstag? Lyss kombinierte gefällig, schob den Ball quer, suchte Lücken - und fand keine. Vier Torschüsse stehen 23 der Luzerner gegenüber. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache, auch wenn Lyss-Coach Uri Geller nach dem Spiel meinte: "Wir haben das Spiel kontrolliert - nur eben nicht das Ergebnis."

Die Luzerner, taktisch mit einer offensiven Flügelstrategie angetreten, spielten weiter nach vorn, als wollten sie beweisen, dass man auch mit langen Bällen zaubern kann. Roger Römer, der Mann des Abends, wirbelte auf der linken Seite, während Locklear rechts seine Gegenspieler schwindelig dribbelte. Der arme Gästetorhüter Dalia Friedmann musste mehr fliegende Lederbälle abwehren, als ihm lieb war - und das in einem Stadion, das bei jedem Luzerner Angriff vibrierte.

Nach der Pause wurde es ruhiger. Luzern verwaltete, Lyss mühte sich. Vielleicht hätten die Gäste noch etwas Hoffnung geschöpft, wäre einer der Kablar-Schüsse (59. und 61. Minute) drin gewesen. Doch Lasse Rauch, der Luzerner Keeper, war da, wo ein Torwart sein muss: im Weg.

In der 73. Minute wechselte Wild doppelt - frischer Wind für die Flügel. Daniel Barros kam für Chalbinski, Piotr Chawanow ersetzte Giuliani. Fünf Minuten später dann der letzte Paukenschlag: Pierre Gramont sprintete über rechts, flankte scharf in den Strafraum, und wer stand da? Natürlich - Roger Römer. Mit einem trockenen Abschluss markierte er in der 78. Minute seinen dritten Treffer und besiegelte das 4:0. Ein klassischer Hattrick über 76 Minuten verteilt, aber mit der Lässigkeit eines Sonntagsspaziergangs.

"Roger war heute einfach überall", lobte Mantovani nach Abpfiff. "Er hat sogar bei der Auswechslung applaudiert, als wäre er sein eigener Fan." Römer selbst blieb bescheiden: "Ich hab nur geschossen, was die anderen vorbereitet haben - aber dreimal danke ich gern."

Lyss-Trainer Geller hingegen zeigte sich kämpferisch: "Wir haben 55 Prozent Ballbesitz gehabt. Wenn das Spiel nach Pässen entschieden würde, hätten wir gewonnen." Ein Reporter hielt ihm lächelnd das Ergebnisblatt hin - "4:0" - worauf Geller trocken meinte: "Statistik ist auch nur eine Meinung."

Als der Schlusspfiff ertönte, standen die Luzerner Fans längst auf den Sitzen. Es war kein dramatischer Krimi, sondern ein Fußballfest mit klarer Rollenverteilung: Luzern effektiv, Lyss bemüht. Und irgendwo zwischen den Tribünen hörte man einen Fan sagen: "Das war kein Spiel, das war ein Lehrfilm - Titel: Wie man in sieben Minuten alles klarmacht."

Trainer Wild nickte zufrieden. "So Spiele darf man genießen. Und dann schnell vergessen, bevor man denkt, es sei immer so einfach."

Ein bisschen Sarkasmus steckte in seinen Worten - aber wer 4:0 gewinnt, darf sich auch mal entspannen. Lyss hingegen wird noch eine Weile grübeln. Vielleicht über Ballbesitz. Vielleicht über Pressing. Sicher aber über einen gewissen Roger Römer, der an diesem Abend alles traf, was sich bewegte - außer den Pfosten.

12.10.643987 08:59
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Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen.
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