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Es war ein Montagabend, der alles versprach, was man von einem Spiel der "1. Liga Deutschland" erwarten darf - Tore, Emotionen, Verzweiflung, und ein Trainer, der am Ende nur noch den Kopf schüttelte. Vor 37.858 lautstarken Zuschauern im prall gefüllten Rohrbacher Stadion lieferten sich der SV Rohrbach und Bad Kleinen ein Spektakel, das eher an ein Tennisergebnis erinnerte als an ein Fußballspiel: 3:4 (2:1). Dabei fing alles so verheißungsvoll an für die Gastgeber. Kaum hatte Schiedsrichterin Marlene Dietz angepfiffen, da zappelte das Netz schon. In der 5. Minute zirkelte Edvard Ali - der flinke Linksfuß aus Schweden - den Ball nach Vorarbeit von Tom Berndt in den Winkel. "Ich hab einfach draufgehauen. Wenn man nicht zielt, kann man auch nicht vorbeischießen", grinste Ali später mit einem Schulterzucken. Rohrbach dominierte die Anfangsviertelstunde, Ballbesitz 55 Prozent, Torschüsse in Serie, und Trainer Maik Kuntz konnte sich entspannt zurücklehnen - dachte er zumindest. Doch Bad Kleinen zeigte, warum man sie nie abschreiben darf. In der 27. Minute nutzte Gustav Hübner den ersten richtigen Angriff seiner Mannschaft eiskalt aus: Olaf Esser flankt, Hübner köpft - 1:1. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", lachte der 21-Jährige später. Nur eine Minute später schlug Rohrbach zurück. Diesmal vertauschten Ali und Berndt die Rollen: Ali flankte, Berndt drosch das Leder aus 16 Metern ins Eck - 2:1. Das Stadion bebte, und Kuntz brüllte seine Freude in den Abendhimmel. "Da passt einfach alles - zumindest für die ersten 45 Minuten", sollte er nach dem Spiel mit bitterem Unterton sagen. Denn nach der Pause drehte sich das Spiel komplett. Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, da traf Rohrbachs Joschua Kremer zum 3:1 (46.). Eine Traumkombination über Ali und den Mittelstürmer - eigentlich die Vorentscheidung. Doch Fußball wäre kein Drama, wenn es nicht die Kunst des Scheiterns gäbe. Im direkten Gegenzug (48.) war es wieder Gustav Hübner, der nach einem klugen Pass von Frank Thomas verkürzte. Zwei Minuten später bekam Bad Kleinen Oberwasser, und Rohrbachs Defensive wackelte wie ein Laternenmast im Sturm. In der 53. Minute vollendete Marwin Paul nach Vorlage von Jannik Wimmer zum 3:3. Plötzlich war alles wieder offen, und auf den Tribünen wechselten Jubel und Fassungslosigkeit im Minutentakt. "Ich hab in der Halbzeit gesagt: Jungs, wir liegen nur mit einem Tor hinten - das ist doch unser Lieblingsstand", verriet Gästecoach Cw WC nach dem Spiel augenzwinkernd. Seine Mannschaft nahm ihn beim Wort. In der 72. Minute war es erneut Marwin Paul, der nach feiner Vorarbeit von Marek Matusiak den Ball zum 4:3 für Bad Kleinen einschob. Der Rest war Abwehrschlacht, Nervenkrieg und Rohrbacher Verzweiflung. Kuntz reagierte mit frischen Kräften: Der 18-jährige Peter Blume kam für Rodriguez, später auch Markus Jaeger für Seifert und Kurt Roth für Kremer. Doch das Glück blieb aus. Ali scheiterte in der 74. Minute mit einem wuchtigen Schuss an Keeper Yannik Wilhelm - der sich nach dem Abpfiff zum Helden des Abends krönen ließ. "Ich hab heute alles gehalten, was man halten kann - und ein paar Sachen, die man gar nicht halten sollte", sagte er mit einem breiten Grinsen. Statistisch gesehen hätte Rohrbach den Sieg verdient gehabt: 17 Torschüsse zu 10, mehr Ballbesitz (55 Prozent) und sogar leicht bessere Zweikampfquote. Doch im Fußball zählen keine Prozentwerte, sondern Tore - und die machten an diesem Abend die Gäste. Als Schiedsrichterin Dietz nach 94 Minuten abpfiff, sank Kuntz auf die Bank und starrte ins Leere. "Wenn du drei Tore machst und trotzdem verlierst, brauchst du eigentlich keinen Statistikbogen mehr", murmelte er. Bad Kleinen jubelte, die Ersatzspieler hüpften im Kreis, und irgendwo in der Ferne sangen die mitgereisten Fans eine Ode an ihren neuen Lieblingsstürmer Marwin Paul. Ein denkwürdiger Abend endete mit einem sarkastischen Lächeln: "Fußball ist eben kein Wunschkonzert", sagte Kuntz, "sonst würden wir jetzt Polonaise tanzen." Stattdessen tanzte Bad Kleinen - und Rohrbach blieb nur der Applaus für ein großartiges, aber verlorenes Spiel. 31.01.643994 15:28 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale