// Startseite
| Voetbal International |
| +++ Sportzeitung für Niederlande +++ |
|
|
|
54030 Zuschauer im Parkstad Limburg Stadion sahen an diesem frostigen Januarabend ein torloses Spiel, das seltsam lebendig war. Roda Kerkrade und Ayax Amsterdam trennten sich 0:0 - ein Ergebnis, das in Zahlen nüchtern klingt, auf dem Rasen aber ein kleines Drama in Gelb und Rot war. Von der ersten Minute an war klar: Roda wollte. Trainer Lotthar Matthaeus hatte seine Elf offensiv eingestellt, Flügelspiel über Didier Letourneur links und Wouter Van Tassel rechts war die Devise. "Ich hab gesagt: Jungs, fliegt, aber bitte nicht gegen die Bande", grinste Matthaeus nach dem Spiel. Und sie flogen - zumindest bis zur Strafraumgrenze. Gleich in der sechsten Minute donnerte Innenverteidiger Stille Ostrander einen Ball aufs Tor, der mehr nach Handball-Kanonenschuss aussah. Kurz darauf prüfte Letourneur den Ayax-Keeper Karel Van Duzen gleich zweimal (10. und 16. Minute). Van Duzen bestand beide Prüfungen mit Bravour - und einem Gesichtsausdruck, der "Nicht mit mir, mon ami!" zu sagen schien. Ayax hingegen wirkte anfangs wie auf Städtereise: Ballverluste, Fehlpässe, Stirnrunzeln. Erst nach 20 Minuten tauchte Vaclav Simak gefährlich vor Roda-Torhüter Gaspar Hirzer auf - sein Schuss war mehr Rückgabe als Gefahr. Kurz danach versuchte sich Iker Caballero (25.), aber auch dieser Versuch landete in den sicheren Händen von Hirzer, der sich dankbar bewegte, um warm zu bleiben. Roda dominierte: 51,5 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse - gegen 5 von Ayax. Man könnte meinen, das Ergebnis sei ein Tippfehler. Aber nein, Ayax verteidigte mit einer Mischung aus Glück, Verzweiflung und jugendlicher Waghalsigkeit. "Wir hatten heute eher Beton als Ball", gab Gästetrainer Jochen Eichhorst zu. "Aber Beton kann schön sein, wenn er hält." Die zweite Halbzeit begann mit einem Kuriosum: Zwei Auswechslungen gleichzeitig, eine pro Team, beide zur selben Sekunde. Ricardo Domingos durfte duschen gehen, Dedrick Tenbrook kam neu für Roda. Bei Ayax ersetzte der 23-jährige Veselin Anicic den jungen Iker Caballero in der Innenverteidigung - eine Maßnahme, die sich später als goldrichtig erwies. Denn Anicic war es, der in der 80. Minute Gelb sah, nachdem er Van Tassel mit einem beherzten Griff am Trikot gestoppt hatte. "Ich wollte nur helfen, dass er nicht stürzt", sagte Anicic anschließend mit todernster Miene. Der Schiedsrichter konnte über so viel Fürsorge nur bedingt lachen. Roda ließ nicht locker. Zwischen der 64. und 91. Minute feuerten Van Tassel, Gerritt Keese und Alain Devereux aus allen Lagen. Letourneur wurde in der 89. Minute noch einmal brandgefährlich, aber Van Duzen fischte auch diesen Ball aus dem Winkel - unter tosendem Applaus der mitgereisten Ayax-Fans, die vermutlich nicht wussten, wie sie zu diesem Punkt gekommen waren. Und dann, in der Nachspielzeit, kam der Moment des Spiels: Der 17-jährige Gerard Barhydt, frisch eingewechselt, bekam den Ball am rechten Flügel. "Ich dachte, ich bin im falschen Film - plötzlich stand ich da, Flutlicht, 50.000 Leute, und keiner kam mir entgegen", erzählte Barhydt später. Also zog er ab - ein Schuss, der nur Millimeter am Pfosten vorbeischrammte. Das Stadion hielt den Atem an, dann schrie die Kurve: "Rodaaa!" Aber das Netz blieb still. "Wenn wir heute eine Zielscheibe gehabt hätten, hätten wir sie trotzdem verfehlt", murmelte Van Tassel beim Abgang. Lotthar Matthaeus dagegen blieb kämpferisch: "Ich bin stolz auf die Jungs. Wir haben alles versucht, nur das Runde wollte einfach nicht ins Eckige. Vielleicht war das Eckige heute beleidigt." Eichhorst, sein Pendant auf der Ayax-Bank, nickte und sagte trocken: "Ein Punkt in Kerkrade ist wie ein halber Sieg. Und wir haben ja fast geschossen - fünfmal." Am Ende stand ein 0:0, das mehr Geschichten schrieb als so mancher 4:3-Krimi. Roda war besser, Ayax effizienter im Nichtverlieren, und der Fußball zeigte seine alte Weisheit: Wer keine Tore schießt, bekommt trotzdem Applaus - wenn er es hübsch versucht. Matthaeus verabschiedete sich mit einem Lächeln und dem Satz: "Das war kein 0:0 der Langeweile. Das war ein 0:0 der Möglichkeiten." Und recht hatte er - auch wenn sich Punkte dafür leider nicht einrahmen lassen. 19.04.643987 22:13 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
Mehmet Scholl zur schlechten Stimmung bei den Bayern