Sporski Journal
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Rad Belgrad zerlegt Loko - Vier Tore, ein Platzverweis und viele Fragezeichen

Ein eisiger Februarabend in Belgrad, 36.000 Zuschauer im Stadion, und die meisten dürften sich beim Abpfiff gefragt haben, ob sie wirklich Zeugen eines Erstliga-Spiels waren - oder eines Lehrvideos über destruktive Selbstzerstörung. Rad Belgrad gewann das Stadtderby bei Loko Belgrad mit 4:0 (2:0), und das in einer Art und Weise, die irgendwo zwischen chirurgischer Präzision und Kneipenfußball pendelte.

Schon nach acht Minuten war klar, wer hier die Hosen anhatte: Zoran Duljaj, 21 Jahre jung, sprintete auf der rechten Seite los, bekam den Ball in den Lauf und drosch ihn humorlos in die lange Ecke. 0:1 - und das, obwohl Loko anfangs mehr Ballbesitz hatte. "Wir wollten ruhig aufbauen", murmelte ein sichtlich konsternierter Loko-Spieler nach Abpfiff, "aber dann lief der Ball - nur leider immer beim Gegner."

Rad spielte, als hätten sie noch eine Rechnung offen. In der 42. Minute kam der nächste Nadelstich: Innenverteidiger Trifon Jowow, sonst eher als Abräumer bekannt, stieg nach einer Ecke von Veljko Zigic am höchsten und köpfte das 0:2. "Ich dachte, ich träume", sagte Jowow später grinsend. "Normalerweise darf ich da gar nicht hin." Trainer Thomas Kuzi kommentierte trocken: "Vielleicht sollte ich ihn öfter vorn hinlassen. Scheint ja zu funktionieren."

Loko hatte zwar 57 Prozent Ballbesitz - was auf dem Papier nach Kontrolle aussieht -, aber in Wahrheit war das ein bisschen wie ein Kind, das mit dem Ball auf dem Spielplatz steht, während die anderen schon Tore schießen. Neun Torschüsse brachte das Heimteam zustande, doch Rad feuerte ganze 20 Mal aufs Tor. Torwart Vladimir Sarac bei Loko war dementsprechend der einzige, der sich wirklich verausgabte.

Nach der Pause wurde es kurz turbulent: Charles Reid, der linke Verteidiger von Rad, sah in der 49. Minute Rot. Ein rustikales Einsteigen, das man wohlwollend als "körperbetont" bezeichnen könnte. "Ich habe nur den Ball gesehen", beteuerte der Brite mit Unschuldsmiene - der Schiedsrichter allerdings sah Rot.

Wer dachte, dass Loko nun das Spiel drehen würde, irrte gewaltig. Stattdessen traf Rad erneut - in Unterzahl! In der 58. Minute bediente Gustav Baier den bulligen Mittelstürmer Veljko Zigic, der die Kugel mit der Sohle stoppte und aus 16 Metern trocken flach einschob. 0:3, Spiel entschieden, Trainer Kuzi ballte die Faust. "Da merkt man, wer hier Fußball spielt und wer ihn studiert", grinste er in Richtung der Pressebank.

Selbst die Auswechslungen bei Rad wirkten wie aus einem Drehbuch: In der 62. Minute kam Dorde Vukomanovic für Zoran Duljaj - und genau dieser Vukomanovic war es, der in der 86. Minute den Schlusspunkt setzte. Nach Pass von Velimir Popovic tanzte er zwei Verteidiger aus und schob locker zum 0:4 ein. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte der 21-Jährige danach, und man glaubte es ihm sofort.

Loko hingegen wirkte spätestens da wie ein Team, das den Stecker gezogen bekommen hatte. Trainerkommentare gab es keine - oder besser gesagt, sie bestanden aus einem langen Seufzer. Ein anonymer Klubfunktionär wurde auf der Tribüne gehört mit den Worten: "Wenn Ballbesitz Punkte gäbe, wären wir Meister."

Die Statistik unterstreicht den Klassenunterschied: Trotz mehr Ballbesitz kam Loko kaum gefährlich vors Tor, während Rad mit fast jedem Angriff für Tumult sorgte. Beeindruckend auch, wie das Team nach dem Platzverweis weiter konsequent nach vorn spielte - als wäre die Unterzahl nur eine weitere Trainingseinheit in Mentalstärke.

Die Fans von Rad sangen sich schon Minuten vor dem Schlusspfiff heiser, während viele Loko-Anhänger das Stadion frühzeitig verließen. Nur ein älterer Herr blieb trotzig sitzen und rief in Richtung Spielfeld: "Lauft doch wenigstens mal!" - bekam aber keine Antwort, nur den fünften Fehlpass in Serie.

So endet ein Derby, das keins hätte werden müssen - zu einseitig, zu klar, zu lehrreich. Rad Belgrad demonstrierte, wie man mit Mut, Tempo und etwas jugendlichem Übermut ein Stadtduell dominiert. Loko Belgrad hingegen bewies, dass Ballbesitz ohne Ideen ungefähr so wertvoll ist wie ein Regenschirm im Orkan.

Und irgendwo in den Katakomben des Stadions soll Trainer Kuzi, die Hände in den Taschen, leise vor sich hingelacht haben: "Manchmal ist Fußball ganz einfach - man muss nur treffen."

Endstand: Loko Belgrad - Rad Belgrad 0:4 (0:2). Tore: Duljaj (8.), Jowow (42.), Zigic (58.), Vukomanovic (86.). Zuschauer: 36.000. Rote Karte: Reid (Rad, 49.).

11.09.643990 04:20
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