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Es war ein Winterabend, an dem selbst die Schneeflocken überlegten, ob sie sich wirklich ins Stadion verirren sollten. Doch 9.142 Zuschauer trotzten der Kälte und sahen im Stade de la Charrière ein Spiel, das erst spät Fahrt aufnahm - und am Ende mit einem 1:2 aus Sicht von La Chaux-de-Fonds endete. Die Partie begann, wie man sie in der 3. Liga Schweiz an einem Februartag erwartet: mit viel Einsatz und wenig Ertrag. Beide Teams stellten sich offensiv auf, was zunächst bedeutete, dass sich der Ball irgendwo im Mittelfeld langweilte. Racing Club GE hatte zwar mehr vom Spiel - 52 Prozent Ballbesitz und ganze 17 Torschüsse belegen das -, doch zunächst fehlte der Punch. "Ich hatte das Gefühl, wir könnten bis Mitternacht spielen, ohne zu treffen", grinste Racing-Coach Truthan Trainer nach der Partie. Schon in der ersten Minute prüfte Patryk Wasilewski die Reflexe von Keeper Christian Auclair. Der reagierte geistesgegenwärtig - und das war kein Zufall. "Ich hab mir vor dem Spiel extra die Handschuhe warm geföhnt", erzählte er später. Eine Entscheidung, die er in den nächsten Minuten nicht bereuen sollte, denn Wasilewski schoss noch dreimal aus allen Lagen, als wollte er die Schneedecke über dem Stadiondach durchlöchern. La Chaux-de-Fonds versuchte dagegenzuhalten, aber die Gastgeber wirkten fahrig. Schon in der 23. Minute musste Trainerstaffelsitzung improvisiert werden: Rechtsaußen Jakub Bak verletzte sich, und Thomas Beaulieu kam für ihn. "Ich war gerade dabei, mir den Reißverschluss meiner Jacke hochzuziehen, da hieß es: Du bist drin!", erzählte Beaulieu später schmunzelnd. Bis zur Pause blieb es beim 0:0 - allerdings einem, das Racing Club GE als moralischen Sieg verbuchen durfte. Die Genfer schossen, was das Leder hergab, während La Chaux-de-Fonds auf Sparflamme spielte. Coach Truthan Trainer blieb dennoch ruhig. "Wir hatten so viele Chancen, dass ich schon Angst hatte, einer meiner Jungs trifft versehentlich ins falsche Tor", sagte er augenzwinkernd. Nach dem Seitenwechsel ging es genauso weiter. Racing drückte, La Chaux-de-Fonds verteidigte - mal erfolgreich, mal mit Herzklopfen. In der 65. Minute war es dann so weit: Der 19-jährige Mathias Wild, der schon zuvor fleißig auf das Tor gezielt hatte, traf endlich. Nach Vorarbeit von Matthew Staunton versenkte er den Ball zum 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten. Und dann war er drin. Ich dachte erst, jemand hätte gepfiffen", gab der junge Stürmer zu. La Chaux-de-Fonds versuchte, die Antwort zu finden - fand aber zunächst nur Gelb. Robert Lenz sah in der 64. Minute die Verwarnung, was seine Laune nicht hob. "Ich wollte nur den Ball, ehrlich!", rief er Richtung Schiedsrichter, der unbeeindruckt blieb. Zehn Minuten später legte Racing nach. Der eingewechselte Phillip Fouquet, ebenfalls 19, schnappte sich den Ball und verwandelte eiskalt zum 0:2. Während die Genfer jubelten, blickte man auf der Heimseite etwas konsterniert. "Da war kurz Funkstille in der Abwehr", gestand Verteidiger Baltsar Lindstrom nach dem Spiel. Doch die Gastgeber gaben sich nicht auf. In der Nachspielzeit kam Luis Hermenegildo, der bereits in der 82. Minute eine gute Chance vergeben hatte, endlich zu seinem Moment. Nach Zuspiel von Vincent Fortin traf der 31-Jährige zum 1:2. Zu spät für eine Wende, aber genug, um wenigstens das Publikum noch einmal auf die Sitze zu bringen. "Wenn wir zehn Minuten länger gespielt hätten, wäre was gegangen", meinte Hermenegildo nach dem Abpfiff mit einem Grinsen. Trainer Truthan Trainer konterte trocken: "Dann hätten wir halt 3:1 gemacht." Am Ende blieb es beim verdienten Sieg für Racing Club GE - nicht nur, weil sie doppelt trafen, sondern auch, weil sie gefühlt doppelt so oft schossen. La Chaux-de-Fonds zeigte Moral, aber zu spät. Vielleicht war es der kalte Wind, vielleicht die Müdigkeit, vielleicht einfach ein Gegner, der seine Chancen diesmal nutzte. Ein kleiner Trost für die Heimfans: Die Chaux-de-Fondiers haben bewiesen, dass sie kämpfen können. Ein größerer für Racing Club GE: Die jungen Wilden - im wahrsten Sinne des Wortes - haben gezeigt, dass sie in dieser Liga mehr als nur mithalten. Und irgendwo in Genf sitzt jetzt ein Trainer, der zufrieden in seinen Tee bläst und denkt: "Heute hat sich das Frieren gelohnt." Endstand: La Chaux-de-Fonds - Racing Club GE 1:2 (0:0) Tore: Wild (65.), Fouquet (75.), Hermenegildo (91.) Zuschauer: 9.142 Schiedsrichter: Ein Mann, der es nicht allen recht machte - aber das tut ja keiner in diesem Geschäft. 25.07.643990 14:06 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath