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5000 Zuschauer hatten sich an diesem frostigen Abend in Frauenfeld eingefunden, um ihre Mannschaft zum Sieg zu schreien - was sie auch tapfer taten, wenn auch zunehmend verzweifelt. Am Ende stand ein klares 0:2 (0:2) gegen Racing Club GE, und der Gedanke, dass man mit 53 Prozent Ballbesitz und nur drei Torschüssen kaum ein Spiel gewinnt, dürfte Trainer und Fans noch länger beschäftigen. Es war eines jener Spiele, bei denen sich früh abzeichnet, wohin die Reise geht. Schon nach sieben Minuten zappelte der Ball im Netz - allerdings im falschen. Patryk Wasilewski, der flinke Linksaußen der Gäste, hatte nach Vorarbeit des jungen Phillip Fouquet eiskalt vollstreckt. Frauenfelds Torhüter Thomas Aubin streckte sich vergeblich; die Zuschauer streckten gleich die Arme über dem Kopf zusammen. "Der Schuss kam so schnell, ich hatte kaum Zeit zu fluchen", sagte Aubin später mit einem gequälten Lächeln. Nur 20 Minuten später legte Racing nach. Diesmal traf der 18-jährige Mathias Wild, der seinem Namen alle Ehre machte, nachdem er sich auf der rechten Seite durchgetankt hatte. 27 Minuten gespielt, 0:2 - und die Gäste wirkten, als spielten sie daheim im eigenen Garten. Frauenfelds Verteidiger Ellis Chisholm brüllte seine Mitspieler zusammen, aber die Wirkung blieb überschaubar. "Wir wollten ruhig bleiben und unser Spiel machen", erklärte Racing-Coach Truthan Trainer nach dem Abpfiff mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen Stolz und britischem Understatement pendelte. "Und wenn man schon mal führt, kann man ja auch weiter Fußball spielen." So einfach kann Taktik sein. Tatsächlich zeigte sein junges Team, dass Offensive auch ohne Hektik funktioniert. Ganze 14 Torschüsse verzeichneten die Gäste - mehr als viermal so viele wie der Gegner. Frauenfeld hatte zwar mehr Ballbesitz, aber es war jener Ballbesitz, der einem Trainer graue Haare beschert: viele sichere Pässe in der eigenen Hälfte, wenig Mut nach vorne. In der 55. Minute gab es für die Heimfans immerhin einen Moment zum Aufatmen, als Shefki Koppinen aus 18 Metern abzog - der Ball rauschte knapp am linken Pfosten vorbei. Der Stadionsprecher klang fast erleichtert, überhaupt mal wieder einen Torschuss ansagen zu dürfen. Ansonsten dominierte Racing das Geschehen - ruhig, kontrolliert, fast schon gelangweilt. Der junge Phillip Fouquet, erst 18, spielte Pässe, als wäre er zehn Jahre älter. "Ich hab einfach Spaß da draußen", grinste er nach dem Spiel, während er seinen Mitspieler Mathias Wild mit einer Wasserflasche bespritzte. Wild konterte lachend: "Das nächste Mal darf ich auch mal in die Mitte, oder?" Die Statistik sprach ohnehin eine klare Sprache: 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Gäste, dazu ein aggressives, aber faires Auftreten. Den einzigen gelben Karton sah Matthew Staunton in der 13. Minute - für ein Foul, das eher nach jugendlichem Überschwang aussah als nach Böswilligkeit. In der zweiten Halbzeit schaltete Racing einen Gang runter, ohne die Kontrolle zu verlieren. Trainer Truthan wechselte zur Pause den 18-jährigen Robert Featherstone ein, der sofort für Stabilität in der Abwehr sorgte. Später kam noch Frank Michaud für Dieter Hartung, und auch das passte ins Gesamtbild: frische Beine, keine Unruhe. Frauenfelds Coach - dessen Name an diesem Abend kaum Erwähnung fand, was vielleicht auch besser so war - verzweifelte an der Ideenlosigkeit seiner Offensive. "Wir haben den Ball, aber nicht die Räume", murmelte er in der 70. Minute in Richtung seines Assistenten, der daraufhin nur stumm nickte. Die letzten Minuten plätscherten dahin. Racing Club GE durfte noch einige Male aufs Tor schießen, unter anderem durch Wasilewski in der 86. Minute und den eingewechselten Featherstone kurz vor Schluss. Frauenfeld hingegen wirkte, als wolle man einfach nur unbeschadet ins Ziel kommen. Nach dem Schlusspfiff stand fest: Racing Club GE bleibt in der Erfolgsspur, während Frauenfeld weiter im Mittelmaß festhängt. "Fußball ist manchmal einfach", sagte Wasilewski, als er die Medaille für den besten Spieler des Abends entgegennahm. "Man schießt aufs Tor - und trifft." Ein Satz, den Frauenfeld sich vielleicht an die Kabinenwand malen sollte. Denn Ballbesitz mag schön aussehen, Tore aber zählen immer noch mehr. 30.09.643987 18:13 |
Sprücheklopfer
Herzlichen Glückwunsch an Marco Kurz. Seine Frau ist zum zweiten Mal Vater geworden.
Thomas Häßler