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Racing Club GE entzaubert Willisau - 3:0-Auswärtssieg mit jugendlichem Schwung

Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, ob die Uhr im Stadion wirklich richtig geht. Gestern Abend in Willisau war so einer. Gerade hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da lag der Ball schon im Netz. 60 Sekunden waren gespielt, als der 18-jährige Phillip Fouquet von Racing Club GE eiskalt zuschlug. "Ich dachte, wir hätten noch gar nicht angefangen", stöhnte Willisau-Keeper Frank Barbier später. Fouquet grinste: "Ich auch - aber der Ball lag so schön vor mir."

Damit war der Ton für die Partie gesetzt - und er klang ganz nach Genf. Die jungen Gäste aus der Rhonestadt spielten, als gäbe es kein Morgen, während der FC Willisau noch nach der passenden Temperatur für den Winterrasen suchte. Trotz 52 Prozent Ballbesitz kamen die Gastgeber kaum gefährlich vors Tor. Vier Torschüsse in 90 Minuten - das ist kein Offensivfeuerwerk, sondern eher ein Adventskerzlein.

Racing Club GE dagegen zündete die Raketen im Minutentakt. 24 Torschüsse, drei Tore, und das bei einem Altersdurchschnitt, der eher an eine U19 erinnert als an eine Drittligamannschaft. Trainer Truthan Trainer - ja, der Mann heißt wirklich so - stand nach dem Schlusspfiff mit verschränkten Armen da und sagte trocken: "Wenn man jung ist, läuft man halt mehr. Und manchmal auch schneller."

Das frühe 0:1 war der perfekte Start für Racing. Fouquet verwertete eine butterweiche Flanke von Linksverteidiger Matthew Staunton, der offenbar beschlossen hatte, dass Abende in Willisau zu kurz für gemächliche Aufbauten sind. Danach rollte Angriff auf Angriff, angeführt vom flinken Andrew Sinclair und dem quirlig-draufgängerischen Mathias Wild. Willisau verteidigte tapfer, aber es wirkte, als versuchten sie, eine Lawine mit einem Gartenschlauch aufzuhalten.

In der zweiten Halbzeit bäumte sich Willisau kurz auf. Zwischen Minute 60 und 75 hatte Laurent Duchesne eine halbwegs brauchbare Schusschance, Alexandre Menzel zirkelte einen Ball knapp am Pfosten vorbei - und Janis Peters versuchte es mit einem verzweifelten Volley, der mehr in Richtung Kirchendach als Tor trudelte. "Wir wollten zeigen, dass wir auch Fußball spielen können", murmelte Peters danach. "Hat halt keiner gemerkt."

Dann kam die Entscheidung: In der 76. Minute tanzte Cesar Capone, der bei Racing den rechten Flügel beackerte, durch die Abwehr wie ein Stepptänzer. Nach feinem Zuspiel von Paul Reinhardt schob er trocken zum 0:2 ein. Capone grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken - aber der Ball hat sich anders entschieden."

Als Willisau schließlich alles nach vorn warf, kam es, wie es kommen musste. In der Nachspielzeit (95.) machte Andrew Sinclair den Deckel drauf. Nach Vorarbeit von Capone schob er den Ball lässig an Barbier vorbei. 0:3 - und das völlig verdient. Die Racing-Fans, rund 200 waren aus Genf angereist, sangen schon Minuten vor Schluss lautstark über den Platz, während die Willisauer Anhänger eher nach Glühwein als nach Aufholjagd klangen.

Ein kleiner Schönheitsfehler blieb: Der 18-jährige Innenverteidiger Robert Featherstone sah erst Gelb (64.) und dann in der 92. Minute Gelb-Rot, weil er, so der Schiedsrichterbericht, "den Ball zu leidenschaftlich wegschlug". Trainer Truthan kommentierte das mit einem Schulterzucken: "Wenn man so jung ist, verwechselt man manchmal Leidenschaft mit Leichtsinn. Aber lieber so als andersrum."

FC Willisau-Trainer - der Name wurde auf dem Spielbericht übrigens vergessen, was sinnbildlich passt - wirkte nach Abpfiff ratlos. "Wir haben alles versucht", sagte er. "Aber wenn der Gegner doppelt so oft aufs Tor schießt, ist Mathe manchmal stärker als Taktik."

Unterm Strich bleibt ein klarer Auswärtssieg für Racing Club GE, die mit jugendlicher Frische, taktischer Disziplin und einem Schuss Unbekümmertheit Willisau deklassierten. Die Statistik spricht Bände: 24:4 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, drei blitzsaubere Treffer - und das, obwohl Racing in Unterzahl endete.

Vielleicht war es einer dieser Spiele, die man in Willisau künftig einfach als Lehrstunde abhakt. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne es formulierte: "Früher haben wir so gespielt, heute kriegen wir’s gezeigt."

Und Racing? Die Jungs aus Genf stiegen nach dem Spiel in den Bus, sangen laut und falsch, und Capone soll beim Einsteigen gesagt haben: "Wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald einen größeren Bus - für die Pokale." Ironisch? Vielleicht. Aber an diesem Abend klang es eher wie eine Prophezeiung.

21.04.643987 19:54
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Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme
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