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Wenn 43.500 Zuschauer an einem frostigen Freitagabend ins Stadion strömen, erwarten sie meist mehr als ein einziges Tor. Doch beim 0:1 zwischen PVC Eindhoven und dem SC Dordrecht am 16. Spieltag der 1. Liga Niederlande wurde der Begriff "effizient" neu definiert - zumindest aus Sicht der Gäste. Denn Dordrecht traf genau einmal, und das reichte. Schon in der 16. Minute fiel die Entscheidung: Eugenius Winchel, der flinke Rechtsaußen, zog nach einem feinen Zuspiel von Alfie Home von der Strafraumkante ab. Der Ball zischte, als hätte er es eilig, rechts unten ins Netz - unhaltbar für PVC-Keeper Fotios Siontis. Danach: 74 Minuten Fußball, der eher an ein Geduldsspiel erinnerte. "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte", sagte Dordrechts Trainer nach Abpfiff mit einem Grinsen, das so breit war wie sein Abwehrbollwerk. Eindhoven-Trainer Markus Frey hingegen wirkte, als hätte man ihm gerade erklärt, dass Ballbesitz keine Tore zählt. "Wir hatten 14 Schüsse aufs Tor. Vierzehn!", betonte er in der Pressekonferenz, "aber das Ding wollte einfach nicht rein." Dabei begann die Partie durchaus vielversprechend für die Hausherren. Schon in der 4. Minute prüfte Niclas Siebert den gegnerischen Keeper Fabio Mocana mit einem satten Rechtsschuss. Der Torwart der Gäste, der später zum Mann des Abends avancieren sollte, lenkte den Ball spektakulär über die Latte. Auch Jelle Landseer hatte in der 19. Minute die Chance zum Ausgleich, aber wieder war Mocana zur Stelle - diesmal mit einer Hand, die offenbar aus Gummi bestand. Dordrecht konterte dagegen nach dem Lehrbuch. Kaum Ballbesitz (51,7 Prozent, aber gefühlt weniger), kaum Chancen (nur sechs Torschüsse), aber maximale Wirkung. "Wir wollten kompakt stehen und auf den Moment warten", erklärte Winchel nach dem Spiel. "Der Moment kam. Danach haben wir das Ding einfach zu Ende verteidigt." Eindhoven, das zu Beginn noch auf lange Bälle setzte, stellte zur zweiten Halbzeit um - kurzer, flacher, zentraler. Frey brachte mit Teo Males frische Beine im Sturm, dazu zwei junge Verteidiger aus der eigenen Akademie. "Ich dachte, wir drehen das", sagte er später, "aber dann trifft Siebert den Pfosten, Landseer den Torwart, und der Rest war Frust." In der 54. Minute dann der Schockmoment: Siebert, der auffälligste Angreifer der Gastgeber, sank nach einem Zweikampf mit Mario Juanez zu Boden. Muskelverletzung, wie sich später herausstellte. "Ich hab’s sofort gespürt", murmelte der 33-Jährige nach Spielende mit Eispack im Nacken. Ohne ihn fehlte Eindhoven die Durchschlagskraft - und der Glaube. Dordrecht verteidigte tief, klug und mitunter zynisch. Alfie Home, der Vorlagengeber des goldenen Treffers, sah in der 35. Minute Gelb für ein taktisches Foul, das er mit einem Augenzwinkern kommentierte: "Ich wollte ja nur helfen." Sein Trainer lobte ihn später als "unseren Staubsauger in der Mitte". Die Schlussphase gehörte wieder Eindhoven: Males (85.), Lampi (88.) und Ashton (89.) feuerten - aber alle Versuche fanden den gleichen Endpunkt: die sicheren Hände von Fabio Mocana. Der Torhüter wurde nach Abpfiff von seinen Mitspielern gefeiert, als hätte er gerade einen Pokal gewonnen. "Ich hatte heute einfach das Gefühl, dass nichts reingeht", sagte er lachend. Seine Handschuhe dürften das ähnlich gesehen haben. Statistisch betrachtet hätte Eindhoven den Sieg verdient gehabt: mehr Schüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen, leicht weniger Ballbesitz. Aber Fußball ist bekanntlich kein Statistikspiel. Oder wie Frey es trocken zusammenfasste: "Wenn man 90 Minuten lang anrennt und am Ende null Tore hat, dann war der Gegner eben cleverer - oder der Fußball einfach gemein." Die Fans verließen das Stadion mit gemischten Gefühlen. Manche applaudierten, andere schimpften. Ein älterer Herr im PVC-Schal brachte es auf den Punkt: "Früher hätten wir so ein Spiel 3:1 gewonnen - oder wenigstens den Pfosten getroffen, der auch mal rein geht." Und so bleibt von diesem Abend vor allem ein Gedanke: Manchmal reicht ein Moment, ein Schuss, ein Tor - und 43.500 Menschen wissen wieder, warum sie Fußball lieben. Auch wenn sie ihn gleichzeitig verfluchen. 21.07.643987 05:37 |
Sprücheklopfer
Ich bin gespannt auf den ersten Augenblick, wenn er auf dem Spielfeld erstmals wegen seiner Erkrankung von einem Gegenspieler dumm angemacht wird. Wenn er ihm dann in die Eier tritt, dann weiß ich, dass er gesund ist.
Uli Hoeneß zum Gesundheitszustand von Sebastian Deisler