// Startseite
| Voetbal International |
| +++ Sportzeitung für Niederlande +++ |
|
|
|
Manchmal braucht es kein Feuerwerk, um ein Stadion zum Brodeln zu bringen - ein solider 3:0-Sieg tut’s auch. PVC Eindhoven erledigte am Montagabend in der zweiten Pokalrunde vor 43.500 Zuschauern im heimischen Stadion seine Pflicht gegen die Ijsselmeervogels mit einer Mischung aus Effizienz, jugendlicher Spielfreude und einer Prise gnadenlosem Pragmatismus. Trainer Markus Frey stand nach dem Schlusspfiff mit einem zufriedenen Grinsen am Spielfeldrand. "Ich habe den Jungs gesagt, dass Pokalspiele keine Schönheitspreise vergeben. Und dann spielen sie plötzlich schönen Fußball - das ist fast schon unverschämt." Ganz so unverschämt war es dann doch nicht, aber die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 19 Torschüsse zu einem einzigen Versuch der Gäste, das nennt man wohl Spielkontrolle mit einem Augenzwinkern. Das Spiel begann, wie es sich für einen Favoriten gehört - mit Druck, Tempo und einem Hauch jugendlicher Ungeduld. Schon in der ersten Minute prüfte Robin Deroeck den gegnerischen Keeper Marcel Saganowski, der an diesem Abend wohl ahnte, dass es lang werden würde. Sechs Minuten später durfte auch der 18-jährige Bas Dost seine Visitenkarte abgeben - knapp vorbei. In der 16. Minute fiel dann das, was man in Eindhoven künftig wohl "den Dagger" nennen wird: Innenverteidiger Dedrick Dag, 20 Jahre jung und sonst kein Freund spektakulärer Ausflüge, köpfte nach einer Ecke wuchtig ein. "Ich wollte eigentlich nur den Ball wegmachen", gab Dag nach dem Spiel grinsend zu. "Dann war er halt drin. Auch nicht schlimm." Die Ijsselmeervogels, angetreten mit einer betont ausgewogenen Taktik, wirkten danach wie ein Team, das zwar den Ball haben darf (51 Prozent Ballbesitz), aber nicht so recht weiß, was damit anzufangen ist. Ein einziger Torschuss in 90 Minuten - das ist selbst in der Defensive schwer zu rechtfertigen. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte ihr Trainer mit stoischer Ruhe. "Hat ja auch geklappt. Nur eben auf der falschen Seite." Nach dem Seitenwechsel wechselte Frey gleich dreimal, brachte frische Beine und noch mehr Offensivdrang. Besonders Rechtsverteidiger Everhart Osterhoudt fiel auf - erst hinten resolut, dann vorne mit feiner Vorlage in der 64. Minute auf Deroeck, der mit einem satten Schuss zum 2:0 traf. "Osterhoudt hat den Ball perfekt getimed", lobte Deroeck später, "ich musste eigentlich nur noch Danke sagen." Das Spiel war entschieden, aber Eindhoven hatte noch Lust. Everhart Vanderzee, 20 Jahre jung und flink wie ein Koffein-Shot, machte in der 80. Minute den Deckel drauf. Nach schönem Doppelpass mit Deroeck schob er den Ball lässig ins lange Eck - 3:0, Applaus, Pokalparty. Ijsselmeervogels lief weiter brav dem Ball hinterher, ohne ihn je wirklich zu sehen. Ihre größte Chance - oder sagen wir, ihr einziger Moment der Hoffnung - kam in der 17. Minute, als Gerrit Vanderzee aus der Distanz abzog. Der Ball flog in die dritte Reihe, was immerhin den Ordnern in Block C eine willkommene Abwechslung bescherte. Statistisch betrachtet war das Spiel fast absurd: Eindhoven mit weniger Ballbesitz, aber doppelt so vielen gewonnenen Zweikämpfen (59 zu 41 Prozent) und einer Schussquote, die jeden Datenanalysten in Verzückung versetzt. Man könnte sagen, sie spielten mit der Präzision eines Uhrwerks - oder mit der Lust eines Teams, das einfach Bock auf Pokal hat. Trainer Frey hatte nach dem Abpfiff noch einen letzten Seitenhieb parat: "Wenn wir so weiterspielen, muss ich mir bald Gedanken machen, wie ich die Jungs wieder auf den Boden kriege. Aber ehrlich gesagt - da oben gefällt’s mir gerade ganz gut." Für die Ijsselmeervogels bleibt immerhin die Erinnerung an 90 Minuten Kampf und etwas mehr Ballbesitz. Für Eindhoven hingegen das sichere Ticket ins Achtelfinale - und das Gefühl, dass an diesem Winterabend der Pokaltraum ein kleines Stück realer geworden ist. Oder, wie Robin Deroeck es beim Verlassen des Spielfelds in Richtung eines grinsenden Balljungen formulierte: "Wenn wir so weiterschießen, brauchen wir bald ein zweites Tor. Eines zum Üben." Ein Satz, der in Eindhoven wohl noch eine Weile nachhallen wird - so wie das Echo eines verdienten 3:0-Siegs. 26.05.643987 12:02 |
Sprücheklopfer
Die Breite an der Spitze ist dichter geworden.
Berti Vogts