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Es war ein kalter Januarabend in Veendam, aber auf dem Rasen des stimmungsvoll gefüllten Stadions (27.000 Zuschauer, einige davon mit dampfendem Kakao und skeptischem Blick) ging es heiß her. Am 9. Spieltag der 1. Liga Niederlande trafen die Veendam Angels auf PVC Eindhoven - und während die Gastgeber zunächst himmlisch begannen, endete das Spiel eher höllisch: 1:3 hieß es am Ende aus Sicht der Angels. Trainer Horst Zachary hatte vor dem Anpfiff noch betont: "Wir müssen ruhig bleiben, den Ball laufen lassen, nicht in Panik verfallen." Nun, man könnte sagen, der Plan hielt ziemlich genau 66 Minuten. Danach war die Ruhe endgültig dahin - zumindest bei den Fans auf der Südtribüne. Veendam zeigte in der ersten halben Stunde das, was Zachary wohl als "balanciertes Angriffsspiel" in seine Taktiktafel gekritzelt hatte. 52 Prozent Ballbesitz, viel Bewegung, schöne Kombinationen über die linke Seite mit Agemar Tiago und Pieter Tenbrook. Letzterer war es dann auch, der in der 34. Minute die Heimfans jubeln ließ. Nach einem präzisen Pass von Tiago schob Tenbrook trocken ein - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Flügelstürmer später. "Das war fast zu einfach - was mir Sorgen machte, ehrlich gesagt." Die Sorgen bestätigten sich prompt. Nur zwei Minuten später schlug Eindhoven zurück. Ausgerechnet Verteidiger Dedrick Dag, der junge Innenverteidiger mit der Frisur eines Rockstars, leitete den Ausgleich ein. Sein langer Ball fand Nelio Sandoval, und der 25-Jährige vollstreckte mit der Coolness eines Profis, der vermutlich auch im Schneesturm noch die Sonnenbrille nicht abnehmen würde. 1:1 - und plötzlich war die Partie offen. Kurz vor der Pause dann Schrecksekunde für die Gäste: Mittelfeldveteran Dimitar Sanew blieb nach einem Zweikampf liegen. Diagnose: Oberschenkelzerrung. Trainer Markus Frey reagierte sofort und brachte Harold Coeyman. "Ich hab nur gesagt: Harold, mach das Mittelfeld wieder dicht - und wenn du’s nicht kannst, tanz wenigstens schön drum herum", witzelte Frey später mit einem Grinsen, das ahnen ließ: Er wusste, was noch kommen würde. Nach dem Seitenwechsel übernahm Eindhoven die Kontrolle - trotz weniger Ballbesitz, aber mit deutlich mehr Zielstrebigkeit. Insgesamt 16 Torschüsse feuerten die Gäste ab, doppelt so viele wie die Angels. In der 60. Minute war es dann so weit: Coeyman, der eingewechselte Mittelfeldmann, bediente Hansen Putnam mustergültig, und der Mittelstürmer nickte zum 2:1 ein. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Putnam später lachend zu. "Aber wenn der Ball drin ist, war’s natürlich volle Absicht." Sechs Minuten später machte Sandoval endgültig den Deckel drauf. Nach einem schnellen Konter über Ignacio Postiga traf der Rechtsaußen ein zweites Mal - 3:1, und die Angels flatterten wie ihr Name, nur ohne Engelsflügel. Die Gastgeber versuchten es noch, kamen aber nicht mehr gefährlich durch. Tore Hästad prüfte den Keeper Jan Groat in der 72. Minute mit einem Distanzschuss, doch der reagierte glänzend. "Ich hab den Ball nie gesehen, aber irgendwas hat mir gesagt: spring einfach", meinte Groat nach dem Spiel - und das Publikum auf der Pressetribüne lachte. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 52 Prozent Ballbesitz für Veendam, aber nur acht Schüsse aufs Tor. Eindhoven dagegen agierte zielgerichtet, robust (eine Gelbe Karte für Pedro Maniche inklusive) und gnadenlos effizient. Trainer Zachary fand deutliche Worte: "Wir haben schön gespielt, aber schön allein gewinnt keine Spiele. Das hier war Fußball zum Anschauen, nicht zum Punkten." Frey dagegen zeigte sich zufrieden: "Wir haben unsere Chancen genutzt. Und wenn Sandoval so weitermacht, muss ich ihm bald den Freistoß verbieten - sonst trifft er da auch noch jeden." Als die Spieler nach Abpfiff in die Kabinen verschwanden, blieb bei den Angels ein Gefühl zwischen Frust und Fassungslosigkeit. Der Stadionsprecher verabschiedete sich mit den Worten: "Kopf hoch, Engel fliegen auch nach Niederlagen." Ein Satz, der wohl in Veendam noch eine Weile nachhallen wird. Fazit dieses Abends: Veendam war der Ballbesitzmeister, PVC Eindhoven der Torjägerkönig. Und irgendwo zwischen diesen beiden Extremen lag der Unterschied zwischen einem schönen Spiel - und einem gewonnenen. 21.04.643987 17:57 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath