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Belgrad, 12. März 2026 - 59.000 Zuschauer im vibrierenden Stadion, zwei Mannschaften, die sich nichts schenkten, und ein Pokalfinale, das mehr Wendungen hatte als eine serbische Telenovela: Am Ende reckte Patizan Belgrad den Pokal gen Himmel - 7:4 (2:2) nach Elfmeterschießen gegen den ewigen Rivalen Crvena Zvezda. Ein Spiel, das niemanden kaltließ - außer vielleicht den armen Balljungen, der nach dem 25. Torschuss in der Verlängerung einfach erschöpft auf dem Rasen saß. Schon nach vier Minuten bebte die Tribüne, als Ranisav Zigic den Ball aus vollem Lauf ins Netz drosch. "Ich hab’ einfach draufgehalten - der Rest war Physik", grinste der 24-Jährige später, während er sich noch mit Champagner aus dem Pokal den Kopf kühlte. Die Antwort von Roter Stern kam postwendend: Herman Abramson glich in der sechsten Minute aus, assistiert von Zoltan Detari. Nur vier Minuten später legte Zoran Dordevic nach, nach feiner Vorarbeit von Gerhard Bach. Man konnte förmlich hören, wie die Fans auf der Nordtribüne kollektiv den Atem anhielten. Doch Patizan schlug zurück. In der 25. Minute war es Sreto Basa, der aus halbrechter Position zum 2:2 Pausenstand traf - natürlich nach Vorlage des kompromisslosen Innenverteidigers Dusan Veskovac. Trainer Uwe Schumacher kommentierte trocken: "Wenn meine Abwehrspieler schon Vorlagen geben, dann wissen Sie, wie wild das Spiel war." Zur Halbzeit war alles offen: 51,7 Prozent Ballbesitz für Patizan, 11 Torschüsse auf beiden Seiten, zwei Tore pro Team - und keine Minute Langeweile. Auch die Statistik zeigte, was die Zuschauer ohnehin wussten: Hier kämpften zwei Teams mit offenem Visier. In der zweiten Hälfte flogen nicht nur Pässe, sondern auch Gelbe Karten. Ferenc Bozsik sah in der 65. Minute Gelb, wenig später folgte Zigic (76.). "Ich wollte doch nur den Ball treffen", versicherte der Patizan-Mittelfeldmann mit einem Unschuldsblick, der selbst den Schiedsrichter kurz zum Lächeln brachte. Die größte Schrecksekunde gab es in der 102. Minute: Ari Nieminen von Crvena Zvezda verletzte sich bei einem unglücklichen Zusammenprall und musste vom Platz. Trainer Don Dirigente reagierte prompt und brachte den erfahrenen Rene Celine. "Ari hat gesagt, es fühlt sich an, als hätte ihm ein LKW über den Fuß gefahren. Ich sagte: Willkommen im Pokalfinale", erklärte Dirigente mit Galgenhumor. Die Verlängerung brachte Chancen im Minutentakt - Dragan Krstajic prüfte den gegnerischen Keeper (100.), Joel Stack konterte (102.), Milan Rakic hämmerte einen Distanzschuss knapp vorbei (117.). Aber das Tor blieb vernagelt. Und so kam, was alle ahnten: Elfmeterschießen. "Ich hab den Jungs nur gesagt: Schießt, als wäre es die letzte Cevapcici-Portion der Stadt", verriet Schumacher später lachend. Und seine Männer lieferten. Krstajic eröffnete mit einem souveränen Treffer, MacLaren, Veskovac, Stalenkow und Rakic legten nach. Auf der anderen Seite trafen nur Dordevic und Abramson - während Bach, Bozsik und Bisevac ihre Nerven auf den Rängen verteilten. Das 7:4 nach Elfmeterschießen war verdient und doch kaum zu fassen. 59.000 Kehlen schrien, als Ognjen Basta, der Patizan-Keeper, den letzten Schuss parierte und sich anschließend auf den Ball warf, als wolle er ihn nie wieder hergeben. "Ich weiß gar nicht, wie viele Elfmeter ich schon gehalten habe - aber dieser war der schönste", meinte Basta, während hinter ihm die Fans Bengalos zündeten und das Stadion in ein rot-weiß-schwarzes Flammenmeer tauchte. Don Dirigente nahm die Niederlage sportlich: "Wir haben offensiv gespielt, aggressiv, mit Herz. Nur beim Elfmeterschießen hatten wir plötzlich kalte Füße." Uwe Schumacher dagegen grinste vom Ohr bis Ohr: "Ich hab immer gesagt, meine Jungs haben Nerven aus Stahl - und offenbar auch aus Titan." So endet ein Pokalfinale, das in die Annalen eingehen wird - mit elf Torschützen, zwei Torhütern, die zu Helden wurden, und einem Publikum, das vermutlich erst morgen früh aufhört, zu singen. Nachspiel? Nur in den Kneipen von Belgrad, wo sich Fans beider Lager bei Rakija wieder versöhnen. Oder zumindest so tun, als ob. 26.09.643993 03:22 |
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