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Es war ein frostiger Januarabend in Papenburg, doch die 43.899 Zuschauer im Stadion hatten keine Zeit, sich aufzuwärmen - sie wurden es von ganz allein. Der SC Papenburg besiegte den 1. FC Eschborn am 14. Spieltag der 1. Liga Deutschland mit 2:1 (0:1) und schrieb dabei eine kleine Geschichte vom Glauben an die zweite Halbzeit, an Flankenläufe und an den unerschütterlichen Optimismus ihres Trainers Frank Helmbrecht. Dabei hatte es zunächst gar nicht gut für die Gastgeber ausgesehen. Der 1. FC Eschborn, von Coach Yas Sin in offensiver Laune auf den Platz geschickt, legte los wie die Feuerwehr. Bereits in der 17. Minute traf Niklas Steffen, der flinke linke Mittelfeldmann, nach einem schnellen Umschaltmoment aus gut 18 Metern ins rechte Eck. Papenburgs Keeper Daniel Cabrera sah die Kugel spät - und noch später kam die Reaktion. "Ich hab sie kommen sehen wie eine Schneeflocke - nur dass sie leider eingeschlagen ist", sagte Cabrera später trocken. Eschborn blieb bis zur Pause das bissigere Team. Petar Milosevic prüfte Cabrera mehrfach, William Kavanagh köpfte knapp vorbei. Papenburgs Abwehr hatte Mühe, Ordnung zu finden - und kassierte dafür prompt gelbe Karten: Attila Dalnoki (22.) und Michail Szymanowski (34.) hielten mehr mit den Armen als mit den Beinen dagegen. "Ein bisschen zu viel Leidenschaft", kommentierte Trainer Helmbrecht schmunzelnd. "Aber lieber so als kein Feuer." Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. Helmbrecht brachte in der 60. Minute José Galindez für den glücklosen Samuel Suy - und genau in dieser Minute fiel der Ausgleich. Julian Andrade, bis dahin auffälligster Papenburger, schlenzte nach Vorarbeit von Tristan Middag den Ball ins lange Eck. Es war ein Tor wie aus dem Lehrbuch: Flügelspiel, Doppelpass, Abschluss - und endlich Jubel im weiten Rund. Andrade riss die Arme hoch, schrie Richtung Tribüne: "Jetzt sind wir da!" Das Momentum war nun klar auf Seiten der Gastgeber. Nur zehn Minuten später folgte der nächste Streich. Anton Hanson, der zentrale Mittelfeldmotor, fasste sich aus 25 Metern ein Herz, nachdem Galindez ihm den Ball sauber aufgelegt hatte. Sein wuchtiger Rechtsschuss zischte unhaltbar unter die Latte - 2:1! Das Stadion bebte, und Coach Helmbrecht drehte sich zur Bank: "Ich hab’s euch doch gesagt - Geduld!" Eschborn, überrascht vom Rückstand, stellte auf volles Risiko um. Yas Sin brüllte von der Seitenlinie, seine Offensivreihe presste nun hoch, das Team spielte mit offenem Visier. "Wir wollten das Spiel nicht herschenken, aber Papenburg hatte plötzlich Flügel", sagte der Eschborner Trainer später. In der Tat: die Gastgeber kombinierten sich selbstbewusst über Außen, während Eschborns Taktik zwischen Mut und Verzweiflung schwankte. Trotzdem blieb es spannend bis in die Schlussphase. Kavanagh vergab in der 86. Minute die große Chance zum Ausgleich - Cabrera parierte mit einem Reflex, den man eher aus den Highlight-Videos kennt. In der Nachspielzeit konterte Papenburg sogar noch einmal, Björn Karlson setzte den Ball aber knapp über das Tor. Danach war Schluss - und der Jubel grenzenlos. Die Statistiken zeigten ein ausgeglichenes Spiel: 52,9 Prozent Ballbesitz für Papenburg, 47,1 für Eschborn. Neun Torschüsse der Hausherren standen acht der Gäste gegenüber. Doch die entscheidende Zahl war eben das 2:1. "Wir haben in der Pause gesagt: Keine Panik, kein Chaos - einfach Fußball spielen", erklärte Siegtorschütze Hanson. "Und offenbar war das gar keine so schlechte Idee." Trainer Helmbrecht wirkte zufrieden, aber nicht überschwänglich. "Das war ein reifer Sieg. Wir haben den Rückstand weggesteckt, das Spiel kontrolliert und die Chancen genutzt. So gewinnt man in dieser Liga." Sein Kollege Yas Sin nickte anerkennend: "Wenn man zwei solche Sonntagsschüsse kassiert, kann man nur gratulieren." Und so ging ein intensiver Flutlichtabend zu Ende, an dem Papenburg den Glauben an sich selbst wiederfand - und Eschborn lernte, dass ein starkes erstes Drittel manchmal nicht reicht. Die Fans sangen noch lange, die Flutlichtmasten glühten, und irgendwo auf der Tribüne fasste es ein älterer Herr treffend zusammen: "Fußball ist wie das Leben - erst läuft’s schief, dann läuft man heiß." Ein Satz, den man sich in Papenburg wohl rahmen lassen wird. 18.06.643987 14:12 |
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