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Wenn der Februar in Basel kälter wird als der Humor im Gästeblock, dann weiß man: Es ist Flutlichtzeit im Rankhof. Und am 32. Spieltag der 1. Liga Schweiz ließen die Old Boys Basel ihre Muskeln spielen - im wahrsten Sinne des Wortes. Vor 52.525 frierenden, aber bestens gelaunten Zuschauern feierten die Gelb-Schwarzen einen souveränen 2:0-Heimsieg gegen Rot-Weiss Zürich, der sich deutlicher anfühlte, als es das Ergebnis vermuten lässt. Vincent Beto eröffnete in der 29. Minute den Torreigen, und das nach einer butterweichen Vorlage von Shefki Hyypiä. Der junge Finne grinste später in der Mixed Zone: "Ich hab den Ball einfach blind reingeschlenzt - Vincent riecht Tore wie andere Leute den Grill im Sommer." Beto nickte nur und ergänzte trocken: "Ich hab einfach Hunger gehabt." Bis dahin hatten sich die Basler schon warmgeschossen - zwölf Abschlüsse insgesamt, während Zürichs Offensive mit einem einzigen Schüsschen aufs Tor eher an ein höfliches Anklopfen erinnerte. Old Boys-Coach André Marsmann stand an der Seitenlinie mit einem Kaffeebecher in der Hand und murmelte laut genug, dass es der vierte Offizielle hören konnte: "Wenn sie noch ein bisschen ruhiger spielen, schlafen mir die Zuschauer ein." Der Spielfilm hatte aber auch seine dramatischen Momente. Bereits in der 25. Minute musste Olivier Duverger verletzt raus, nachdem er unglücklich umgeknickt war. George Shepherd kam - und machte später mit seiner Vorlage zum 2:0 in der 79. Minute alles wieder gut. Der Treffer von Miguel Albentosa war ein Musterbeispiel für Einfachheit: ein Pass, ein Lauf, ein Schuss, ein Tor. "George hat mir den Ball genau dahin gelegt, wo ich ihn wollte - und das passiert selten", grinste Albentosa, der sonst eher für rustikale Kopfballduelle bekannt ist. Zürichs Trainer Ha Luncke stand derweil an der Seitenlinie wie ein Mann, der gerade realisiert, dass sein Navi ihn in die falsche Stadt geführt hat. Seine Mannschaft versuchte es mit langen Bällen auf die Flügel, aber die Basler Defensive um Yossi Lawon und Shepherd stand wie eine gut geölte Schrankwand. Lawon, der gleich drei Mal gefährlich vor dem Zürcher Tor auftauchte, scherzte nach dem Spiel: "Ich wollte eigentlich nur zeigen, dass Innenverteidiger auch mal schießen dürfen." Rot-Weiss Zürich kam kaum ins Spiel, verlor die Mehrzahl der Zweikämpfe (nur 41 Prozent gewonnen) und wurde erst in der 84. Minute auffällig - allerdings negativ, als Sebastien Lenentine nach einem taktischen Foul die gelbe Karte sah. Das Publikum quittierte es mit einem höhnischen "Endlich mal Farbe im Spiel!". In der Schlussphase drückten die Old Boys noch einmal aufs Tempo, fast aus purer Freude am eigenen Spiel. Marsmann gestikulierte wild, als wollte er seine Mannschaft zum dritten Tor dirigieren. "Ich wollte nur, dass sie weiter Spaß haben", behauptete er anschließend mit einem Zwinkern. "Und außerdem: Wer will schon, dass’s langweilig wird?" Zürichs Torwart Harry Craven, der mit Abstand der beste Mann seiner Mannschaft war, fasste es nüchtern zusammen: "Wenn du 90 Minuten lang Bälle fängst, fühlst du dich irgendwann wie ein Tennisspieler. Nur ohne Pause." Statistisch untermalt war der Sieg eindeutig: 54,5 Prozent Ballbesitz, zwölf Torschüsse, zwei Tore - das nennt man Effizienz mit Stil. Die Gäste dagegen wirkten, als hätten sie ihre Offensivpläne beim Aufwärmen verloren. Selbst die taktische Vorgabe ihres Trainers - "Flanken, Flanken, Flanken" - verlief im Basler Abendwind. Als der Schlusspfiff ertönte, blieb der Jubel ausgelassen, aber kontrolliert. Kein Wunder: Mit diesem Sieg festigen die Old Boys ihre Position im oberen Tabellendrittel, während Rot-Weiss Zürich weiter nach unten blickt. Zum Schluss meinte Marsmann noch, halb ernst, halb schelmisch: "Wir spielen im Moment so, dass ich mich selbst fast aufstellen würde - aber das würde niemandem guttun, nicht mal mir." Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit einem warmen Applaus in die kalte Nacht. Und wer genau hinhörte, konnte auf den Rängen jemanden sagen hören: "So macht man alten Fußball wieder jung." Ein Abend, an dem die Old Boys alles richtig machten - und Rot-Weiss Zürich alles sah, was man lieber nicht sehen will. 02.04.643990 03:10 |
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Matthias Sammer