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Old Boys Basel stolpern über Schötz - Brun schießt doppelt, Connolly zu spät

Es war ein Pokalabend, wie ihn die 59.000 Zuschauer im altehrwürdigen Basler Stadion wohl nicht so schnell vergessen werden: Kampf, Drama, ein Hauch Verzweiflung - und ein Mann, der den Unterschied machte. Alfred Brun, 29 Jahre jung, Rechtsaußen des FC Schötz, schoss die Old Boys Basel mit einem Doppelpack aus dem Achtelfinale. 1:2 hieß es am Ende aus Sicht der Gastgeber, die sich an ihrer eigenen Courage verschluckten.

Schon vor Anpfiff, als die Flutlichter sich langsam über die Tribünen legten, murmelte ein älterer Herr mit Schal in Vereinsfarben: "Pokal hat eigene Gesetze - hoffentlich nicht gegen uns." 90 Minuten später sollte er Recht behalten.

Denn die Partie begann mit einem Paukenschlag - allerdings auf der falschen Seite. Kaum zwei Minuten gespielt, prüfte Joao Caneira den Basler Keeper Charlie O’Brien mit einem strammen Schuss. Das war der Weckruf, den die Basler offenbar überhörten. Schötz, taktisch ausgewogen und mit robustem Pressing, nutzte die Unsicherheiten der Old Boys gnadenlos aus.

In der 34. Minute war es dann soweit: Mario Chalana setzte sich auf dem linken Flügel durch, flankte halbhoch in den Strafraum, wo Alfred Brun lauerte - Volley, Tor, 0:1. Keeper O’Brien sah den Ball erst, als er schon hinter ihm im Netz zappelte. "Ich dachte, er schießt quer", stöhnte der Basler Torwart später, "aber Brun hat’s einfach drauf - eiskalt wie ein Chirurg."

Fünf Minuten später wiederholte sich das Schauspiel fast identisch. Julius Reich schickte Brun mit einem feinen Steilpass, der Stürmer blieb cool und schob zum 0:2 ein. Trainer Roland Kunz von Schötz grinste nach dem Abpfiff: "Wir haben gesagt, wir spielen einfach - und Alfred hat’s einfach gemacht."

Der erste Durchgang endete mit pfeifenden Fans und ratlosen Gesichtern auf der Basler Bank. Trainer André Marsmann gestikulierte wild, raufte sich die Haare und brüllte Richtung Mittelfeld: "Mehr Mut, Jungs!" - doch Mut allein schießt keine Tore.

Nach der Pause änderte sich das Bild. Basel, nun deutlich offensiver, drückte. 45 Prozent Ballbesitz klingen bescheiden, aber die Old Boys machten jetzt etwas daraus. Elf Torschüsse, davon sechs in der zweiten Hälfte, zeugten von der Aufholjagd. Eric Lefebvre prüfte den gegnerischen Torwart mehrfach, Daniel Connolly rackerte im Sturmzentrum, als hinge die Welt davon ab.

In der 68. Minute schließlich das erlösende 1:2: Nach einem Eckball von Michael Wahbi stieg Connolly am höchsten und köpfte wuchtig ein. Das Stadion explodierte - endlich Hoffnung! "Ich hab den Ball gar nicht richtig gesehen, nur gefühlt", sagte Connolly später und lachte. "Schade, dass’s nicht gereicht hat."

Doch der FC Schötz blieb cool. Statt in Panik zu verfallen, zogen sie ihr Spiel durch. Trainer Kunz schickte in der 80. Minute den jungen Jaroslaw Pogrebnjak aufs Feld, um die Defensive zu stabilisieren. Und der 23-Jährige spielte, als hätte er schon hundert Pokalspiele in den Beinen.

Selbst als Joao Caneira in der Nachspielzeit Gelb sah - ein taktisches Foul, das man als "erfahren" bezeichnen könnte -, geriet Schötz nicht mehr ins Wanken. "Wenn du führst, darfst du nicht schön spielen wollen", grinste Kunz nach Schlusspfiff.

Basels Coach Marsmann hingegen wirkte wie ein Mann, der in der Lotterie die falsche Zahl getippt hat. "Wir wollten alles, haben fast alles versucht - und bekommen dann zwei Nadelstiche, die uns das Genick brechen", sagte er. "Aber Kompliment an meine Jungs, sie haben Charakter gezeigt."

Statistisch war die Partie fast ausgeglichen: 12 Torschüsse für Schötz, 11 für Basel, die Zweikampfquote nahezu pari. Nur das Ergebnis - das sprach eine klare Sprache.

Als die Spieler schließlich in den Katakomben verschwanden und die Fans sich durch die kalte Basler Nacht nach Hause schoben, hallte aus der Schötzer Kabine lautes Gelächter. Brun, der Doppeltorschütze, stand auf einem Hocker und rief: "Ich hab gesagt, ich mach zwei - keiner hat’s geglaubt!"

Und irgendwo draußen, im leeren Stadion, blies der Wind durch die Tribünen. Pokal hat eben wirklich seine eigenen Gesetze.

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19.09.643987 01:27
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