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Wer am Samstagabend ins Stadion der Old Boys Basel pilgerte, bekam für sein Eintrittsgeld mehr als nur Fußball geboten: 54.450 Zuschauer erlebten eine Mannschaft, die nicht einfach nur spielte, sondern zelebrierte. Die Old Boys gewannen am 3. Spieltag der 1. Liga Schweiz souverän mit 3:0 (1:0) gegen den SC Carouge - und das, obwohl die Gäste sogar etwas mehr Ballbesitz hatten. Schon nach 14 Minuten stand das Publikum Kopf. Ein Innenverteidiger, Louis Patton, tat, was Innenverteidiger normalerweise nur in ihren kühnsten Träumen tun: Er traf. Nach einer Ecke von Hugo Moutinho setzte Patton zum Kopfball an, als hätte er jahrelang nichts anderes gemacht, und wuchtete das Leder unhaltbar unter die Latte. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", grinste der Torschütze nach dem Spiel. Trainer André Marsmann kommentierte trocken: "Wir sollten ihn vielleicht öfter nach vorne schicken - aber nur, wenn er verspricht, auch wieder zurückzulaufen." Der frühe Treffer setzte den Ton für eine Partie, die Basel klar dominierte. Zwar hatte Carouge laut Statistik mit 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch wer die 19:3 Torschüsse zugunsten der Old Boys sieht, weiß: Zahlen können lügen. Basel spielte mit offenem Visier, aggressiv, mutig, und immer wieder rollten Wellenangriffe Richtung Carouge-Torhüter Janos Zele, der an diesem Abend mehr zu tun hatte als ein Barista im Morgenansturm. Joan Almeida wirbelte auf der linken Seite, flankte, schoss, verfehlte - und schoss wieder. Allein er brachte es auf eine halbe Handvoll gefährlicher Abschlüsse, blieb aber ohne eigenes Tor. "Ich hab heute die Latte öfter getroffen als meine Spotify-Playlist", scherzte der 32-Jährige nach Abpfiff. Carouge versuchte es phasenweise über die Flügel, doch ihre Angriffe endeten meist in der Basler Abwehrmauer. Paulo Gomez, der zentrale Mittelfeldmotor der Gäste, versuchte, Struktur ins Spiel zu bringen, kassierte aber in der 78. Minute Gelb - sinnbildlich für einen Abend, an dem seine Mannschaft mehr abräumte als aufbaute. "Wir waren nicht mutig genug im letzten Drittel", gestand Trainer Stefan Häusler später, "und Basel war heute einfach wacher - und witziger." Die Entscheidung fiel spät, aber dafür doppelt schön. In der 83. Minute narrte der flinke Rechtsaußen Tzipi Chouraqui die Carouge-Abwehr, zog von außen nach innen und schlenzte den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers ins lange Eck. Ein Tor, das man sich in Zeitlupe anschauen und dann einrahmen möchte. 2:0, und die Fans sangen bereits vom Tabellenplatz, den man am liebsten gleich in Stein meißeln wollte. Doch es kam noch besser: In der Nachspielzeit krönte sich Innenverteidiger Michael Wahbi zum zweiten Abwehrspieler mit Torgefühl. Nach Vorarbeit von Linksverteidiger Olivier Duverger schob Wahbi den Ball zum 3:0 über die Linie, als wäre er seit Jahren Mittelstürmer. "Ich hab einfach gesehen, dass keiner da war - also bin ich halt mal hingegangen", sagte er lachend. Die letzten Minuten waren reine Feierlaune. Marsmann wechselte in der 90. Minute noch Almeida aus - für ihn kam der junge Matti Hajto, der prompt ein paar Übersteiger zeigte, als wollte er sagen: "Ich bin schon mal da für die Zukunft." Am Ende stand ein Ergebnis, das deutlicher kaum hätte ausfallen können. 3:0, drei Torschützen aus drei Mannschaftsteilen, 19 Torschüsse, und das Gefühl, dass hier etwas wächst. "Wir sind noch lange nicht am Limit", meinte Marsmann zum Abschied in die Mikrofone. "Aber wenn meine Innenverteidiger so weitermachen, muss ich bald meine Stürmer umschulen." Für Carouge bleibt die Erkenntnis: Ballbesitz allein gewinnt keine Spiele. Für Basel hingegen war es ein Abend zum Genießen - mit Offensivdrang, Spielfreude und einem Stadion, das 90 Minuten lang vibrierte. Und als die Spieler nach Abpfiff in die Kabinen verschwanden, hörte man von der Tribüne noch einen Fan rufen: "He, Louis! Nächstes Mal wieder mit dem Kopf, ja?" - Der grinste nur, hob den Daumen und dachte sich wohl: Warum eigentlich nicht? 22.06.643990 03:20 |
Sprücheklopfer
I hope, we have a little bit lucky.
Lothar Matthäus bei seiner ersten Pressekonferenz in New York