// Startseite
| Sport-Blick |
| +++ Sportzeitung für Schweiz +++ |
|
|
|
59.000 Zuschauer im Basler Joggeli bekamen am Samstagabend alles, was das Fußballherz begehrt - und ein bisschen mehr. Am Ende jubelten die Old Boys Basel über ein 2:1 gegen Blau-Weiss Luzern, das weniger nach taktischer Feinkost, sondern mehr nach zähem Willen, Wut und Witz schmeckte. Die Partie begann mit einem Paukenschlag, allerdings nicht sportlicher, sondern farblicher Natur: Schon nach drei Minuten sah Luzerns Mittelstürmer Robert Mantovani Gelb, offenbar weil er seinen Gegenspieler daran erinnern wollte, dass Fußball ein Kontaktsport ist. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", grinste Mantovani später - eine Botschaft, die angekommen war. Basel startete forsch, hatte durch Tzipi Chouraqui (7.) und Adil Cetin (11.) frühe Abschlüsse, doch Torwart Lasse Rauch blieb eiskalt. Dann, in der 30. Minute, zeigte Luzern, warum es trotz defensiver Ausrichtung gefährlich ist: Mantovani legte quer, Robert Locklear zog trocken ab - 0:1. Ein Konter, wie ihn Trainer Reinhard Wild liebt. "Genau so hatten wir’s einstudiert", erklärte er, "nur leider haben wir danach aufgehört, das zu tun." Denn die Freude der Luzerner währte nur acht Minuten. Samuel Stanton, der 20-jährige Wirbelwind auf Basels linker Seite, fasste sich in der 38. Minute ein Herz und drosch den Ball zum 1:1 ins Netz. Ein Treffer, der die 59.000 zum Beben brachte - und Trainer André Marsmann zum Tanz: "Ich hab’ mich fast verlaufen an der Seitenlinie", gestand er lachend. Kurz vor der Pause wurde’s hitzig. Gleich zwei Basler - Alexander Aldonin (43.) und Daniele Albanese (44.) - holten sich Gelb ab, offenbar inspiriert vom Luzerner Vorbild. "Das war kein Problem", kommentierte Marsmann süffisant. "Wir wollten ja nur gleichziehen." Nach dem Seitenwechsel stand das Spiel auf Messers Schneide. Luzern hatte etwas mehr Ballbesitz (50,3 Prozent), Basel dafür die klareren Chancen. Der eingewechselte Olivier Duverger brachte auf der linken Seite neuen Schwung, während die Luzerner zunehmend mit sich selbst haderten. Besonders bitter: In der 40. Minute musste Roger Römer verletzt raus, Julien Achard kam - und suchte erst mal seine Position. Luzern konterte weiter, aber ohne Präzision: Dylan Bosworth (58.) und der junge Innenverteidiger Franck Stock (65.) versuchten sich aus der Distanz, doch Goalie Otto Dietz parierte souverän. "Ich hab’ heute einfach mal die Hände dranbekommen", meinte Dietz bescheiden - und fügte mit einem Zwinkern hinzu: "Das passiert nicht jede Woche." Dann kam die 74. Minute - und mit ihr die Erlösung für die Old Boys. Hugo Moutinho flankte präzise in die Mitte, Vincent Beto stieg wuchtig hoch und köpfte zum 2:1 ein. Stadion, Trainer, Ersatzbank - alles eine einzige Jubelwelle. "Ich hab’ nur kurz die Augen zu gemacht und gehofft, dass er drin ist", sagte Beto später. "Als ich sie wieder aufmachte, lag ich unter fünf Mitspielern." Luzern wechselte hektisch - Benveniste kam (73.), später Lavoie (79.) -, doch das Angriffsspiel blieb ideenlos. Stattdessen sammelte Joseph Wendt kurz vor Schluss (88.) noch eine Gelbe Karte - ein sinnbildlicher Abschluss eines Abends, an dem die Blau-Weissen viel wollten, aber zu selten konnten. Basel dagegen presste in den letzten Minuten mit vollem Einsatz. Trainer Marsmann hatte beim taktischen Endspurt offenbar auf "Pressing: Ja bitte!" umgestellt, und das zeigte Wirkung. Selbst in der Nachspielzeit liefen die Basler an, als ginge es um die Meisterschaft - was bei 21. Spieltag und Rangambitionen vielleicht gar nicht so weit hergeholt ist. Statistisch lag alles eng beieinander: 10:7 Torschüsse für Basel, fast ausgeglichener Ballbesitz, aber eine deutlich bessere Zweikampfquote der Hausherren (53 Prozent). "Das war Kampf pur", fasste Marsmann zusammen. "Schön war’s nicht - aber schön sind am Ende nur die drei Punkte." Luzerns Coach Wild nahm’s mit Galgenhumor: "Wir haben offensiv gespielt, aber vergessen, dass man dafür auch Tore machen muss." Und während die Old Boys mit ihren Fans feierten, stapfte er Richtung Kabine - wohlwissend, dass seine Mannschaft mehr Konter gefahren als Chancen kreiert hatte. Basel dagegen träumt weiter vom Aufstieg, Luzern vom nächsten Sonntag. Und irgendwo im Stadion summte ein Fan beim Rausgehen: "Alt, aber gut" - wohl in Anspielung auf die Old Boys. Ein Motto, das an diesem Abend passte wie ein Vollspannschuss in den Winkel. 28.01.643991 00:27 |
Sprücheklopfer
Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002