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Nullnummer mit Unterhaltungswert - Eschborn beißt sich an Osnabrück die Zähne aus

51942 Zuschauer im Eschborner Stadion sahen am Freitagabend ein Spiel, das alles hatte - außer Toren. 1. FC Eschborn und der VfL Osnabrück trennten sich 0:0, und wer nur das Ergebnis liest, könnte meinen: gähnende Langeweile. Doch weit gefehlt. Es war ein 0:0 der spektakuläreren Sorte, mit 13 Torschüssen der Eschborner, zwei von Osnabrück und einem Torwart, der sich nach Abpfiff vermutlich eine Ehrenrunde als Wanddekoration verdient hätte.

Von Beginn an dominierte Eschborn. Trainer Yas Sin hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt - "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur den Ball streicheln können, sondern auch mal draufhauen", grinste er später. Und seine Männer hielten Wort. Schon in der 10. Minute prüfte Fernando Antonio den Osnabrücker Keeper Karl Wagner mit einem satten Schuss aus 16 Metern, der den Torwart wohl an seine Steuererklärung erinnerte: unangenehm, aber zu überleben. Kaum zwei Minuten später folgte Jacob Holz, der gleich mehrfach (12., 15., 21., 27., 60. Minute) das Ziel anvisierte, als wolle er den Ball durch pure Willenskraft über die Linie zwingen.

Doch Wagner im Osnabrücker Tor stand wie eine Mauer aus violettem Beton. "Ich sah den Ball kommen, dann dachte ich: lieber nicht drüber nachdenken, einfach Körper dazwischenwerfen", sagte er lachend. Und das tat er - immer wieder.

Osnabrück selbst kam in der ersten Halbzeit nur einmal gefährlich vors Tor, als Heinz Lemke nach 26 Minuten aus der Distanz abzog. Der Ball rauschte knapp über die Latte, und Eschborns Torhüter Logan Cochran durfte endlich beweisen, dass er auch Handschuhe anhatte.

Die zweite Hälfte begann, wie die erste endete: Eschborn im Vorwärtsgang, Osnabrück tief stehend, mit langen Bällen und einer Aggressivität, die an Rugby erinnerte. Schon in der 5. Minute hatte Johannes Hirsch Gelb gesehen, später folgten Andre Heller (77.) und Meik Hess (89.) - alle drei wegen rustikaler Interpretation des Begriffs "Zweikampf".

Eschborns Rechtsverteidiger Meik John holte sich in der 59. Minute ebenfalls Gelb, nachdem er offenbar vergessen hatte, dass man den Gegner mit dem Ball trennen soll, nicht mit dem Knie. "Ich wollte nur zeigen, dass wir auch Körper haben", verteidigte er sich nach Abpfiff mit einem Grinsen.

Tomasz Buchholz auf links und Leandro Herrero im Zentrum versuchten weiter ihr Glück, immer wieder. Buchholz scheiterte in der 52. und 64. Minute knapp, Herrero in der 75. und 93. Minute - letzterer Schuss ging so knapp vorbei, dass der Stadionsprecher schon reflexartig "Tooo—" ansetzte, bevor er den Satz peinlich abbrach.

Trainer Sin schickte in der Schlussminute noch einmal frisches Blut aufs Feld: Linus Fritsch, Johannes Nowak und Marvin Wegner kamen für Holz, Buchholz und Antonio. Das Publikum applaudierte, vielleicht aus Hoffnung, vielleicht aus Mitleid. Doch die Null blieb stehen wie ein trotziges Denkmal für verpasste Gelegenheiten.

Auf der anderen Seite wirkte Osnabrück-Trainer Carsten Baumann nach dem Abpfiff sichtlich zufrieden. "Wenn du hier 55 Prozent Ballbesitz gegen dich hast, 13 Torschüsse kassierst und trotzdem zu Null spielst, dann ist das kein Glück, das ist Überlebenskunst", meinte er trocken. Tatsächlich hatte Osnabrück mit nur zwei eigenen Abschlüssen und einer Tackling-Quote von 42 Prozent kaum nennenswerte Offensivakzente gesetzt - aber eben auch keinen Fehler gemacht.

Eschborns Abwehr kam kaum in Bedrängnis, sodass Tunca Önüt und Rastislav Harsanyi hinten fast schon gelangweilt wirkten. "Wir hätten fast Karten gespielt, so wenig war los", witzelte Önüt in der Mixed Zone.

Taktisch blieb Eschborn konsequent offensiv, während Osnabrück sich tief verschanzte, lange Bälle drosch und auf Konter lauerte. In den letzten Minuten roch es kurz nach einem Lucky Punch, als Meik Beer in der 90. Minute noch aufs Tor schoss - aber auch er fand in Cochran seinen Meister.

Am Ende ging das Publikum mit gemischten Gefühlen nach Hause: enttäuscht über das Ergebnis, aber nicht über das Spiel. "Wenn wir so weitermachen, müssen wir irgendwann treffen - rein statistisch", sagte Eschborns Kapitän Leandro Herrero mit einem Schulterzucken.

Ein 0:0 also, das keiner so schnell vergisst. Eschborn war die klar bessere Mannschaft, Osnabrück das cleverere Team. Und irgendwo zwischen Pfosten, Latte und Wagner lag die Wahrheit des Abends: Fußball kann grausam sein - aber wenigstens war’s schön anzusehen.

Oder wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Wenn’s wenigstens geregnet hätte, dann hätte das Ergebnis besser gepasst."

07.07.643993 06:20
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