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Nullnummer mit Nachhall: FC Liestal trotzt Chiasso ein 0:0 ab

Es war einer dieser Abende im Januar, an denen man sich fragt, ob Fußball nicht besser eine Hallensportart wäre. 4750 wackere Zuschauer im Stadion Liestal froren sich am 9. Spieltag der 3. Liga Schweiz (2. Div) die Hände warm - mit Applaus. Und sie bekamen immerhin eines: Spannung bis zur letzten Minute, auch wenn das Netz stur verwaist blieb.

"Ich hätte mir ja ein Tor gewünscht, aber wir nehmen den Punkt", murmelte Liestals Trainer Markus Peukes nach dem Schlusspfiff, während ihm der Atem in kleinen Wölkchen aus dem Mund stieg. Sein Gegenüber aus Chiasso, der sich nur mit einem vielsagenden Kopfschütteln verabschiedete, wollte nicht mehr reden - vielleicht, weil seine Elf 15 Mal aufs Tor geballert, aber keinen Treffer erzielt hatte.

Das Spiel begann mit einem Paukenschlag - allerdings nur akustisch. Schon in der ersten Minute prüfte Liestals linker Verteidiger Marek Kincl aus rund 25 Metern die Handschuhe von Chiassos Keeper Julien Deschanel. "Ich wollte sehen, ob der wach ist", grinste Kincl später. Er war es, und das blieb er auch.

Liestal, in der ersten Halbzeit mit einer klar defensiven Grundordnung, versuchte, das Mittelfeld eng zu machen. Doch die Gäste aus Chiasso, leicht feldüberlegen (53 Prozent Ballbesitz), fanden immer wieder Lücken. Günther Wirth, Jose Suarez und Eri Philipp schossen, als gäbe es Punkte für Zielwasser. Nur das Tor wollte einfach nicht mitspielen. In der 35. Minute zirkelte Philipp den Ball so knapp vorbei, dass man auf der Tribüne schon den Torjubel anstimmte - verfrüht, wie sich herausstellte.

Die Gastgeber hielten mit Herz und Humor dagegen. Stürmer Thomas Krebs, der in der 23. Minute von seinem Trainer lautstark ermahnt wurde, "endlich mal auf den zweiten Ball zu gehen", antwortete mit einem trockenen "Mach ich doch, Chef!". Drei Minuten später traf er - den Fangzaun.

Bis zur Pause blieb es beim 0:0, aber nicht bei gähnender Langeweile. Es war einer dieser torlosen Durchgänge, in denen ständig etwas passiert, nur eben nichts Zählbares. Peukes’ Team verteidigte mit Verstand, Chiasso kombinierte gefällig, und Schiedsrichter Moser hatte erstaunlich wenig zu tun - keine Karten, kein Drama, nur kalte Füße.

Nach dem Seitenwechsel dasselbe Bild: Chiasso drückte, Liestal konterte. In der 59. Minute hatte Phillip Hagen die Führung auf dem Fuß, sein Schuss aus 18 Metern rauschte knapp über die Latte. "Ich dachte, der geht rein - dann hab ich gemerkt, dass ich wohl zu fest gedacht habe", kommentierte der Rechtsaußen mit einem Lachen.

Chiasso ließ nicht locker. Suarez, Stephan, und immer wieder Eri Philipp - der Linksaußen hatte in den letzten zehn Minuten mehr Ballkontakte als halb Liestal zusammen. Zwischen der 83. und 91. Minute feuerte er ganze fünf Torschüsse ab. Liestals Torhüter Henry Ramsay aber war in dieser Phase ein Fels in der Winterbrandung. Mit einer Mischung aus Reflex, Instinkt und Glück hielt er das torlose Remis fest. "Ich hab einfach immer dahin gesprungen, wo der Ball nicht war - das hat erstaunlich gut funktioniert", scherzte der Keeper nach dem Spiel.

In der 71. Minute brachte Peukes noch Jacob Bruguiere für den ausgepumpten Kincl. Der Neue machte rechts hinten dicht und sorgte mit zwei beherzten Grätschen für Applaus. Die Liestaler Fans, ohnehin genügsam, feierten jede gelungene Abwehraktion, als wäre es ein Tor. Und vielleicht war es das auf ihre Art auch.

Als der Schlusspfiff ertönte, war die Erleichterung groß - bei beiden Teams. Chiasso ärgerte sich über die verpasste Chance, Liestal freute sich über einen hart erkämpften Punkt. Statistisch gesehen war das 0:0 fast poetisch ausgewogen: 12 zu 15 Torschüsse, 46 zu 54 Prozent Ballbesitz, zwei Mannschaften, die sich nichts schenkten und alles gaben - nur keine Tore.

"Wir haben defensiv sehr diszipliniert gespielt", bilanzierte Peukes. "Und vielleicht beim nächsten Mal auch offensiv." Ein Schmunzeln huschte über sein Gesicht.

So endete ein kalter Freitagabend mit einem warmen Applaus - für ein 0:0, das schöner war, als das Ergebnis vermuten lässt. Wer dabei war, wird es bestätigen: Manchmal ist Fußball eben auch dann großartig, wenn nichts passiert.

02.05.643987 03:30
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Wenn ich den Fans den Stinkefinger zeige, weiß ich, dass ich im nächsten Spiel ausgepfiffen werde. Das macht mich richtig geil auf das Spiel.
Mario Basler
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