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38917 Zuschauer im ausverkauften Stadion an der Reuss sahen am Samstagabend ein 0:0, das so gar nichts von Langeweile hatte. Blau-Weiss Luzern und Blau-Weiss Zürich trennten sich torlos, aber keineswegs emotionslos - ein Spiel voller Tempo, Aluminiumtreffer, fliegender Grashalme und verzweifelter Keeper-Kommandos. Von Beginn an übernahm Luzern das Kommando, Trainer Reinhard Wild hatte seine Elf gewohnt offensiv eingestellt. "Wir wollten von Minute eins an zeigen, wer hier das Heimrecht hat", meinte er später mit einem leicht genervten Unterton, "leider hat nur der Ball nicht mitgespielt." Schon in der sechsten Minute prüfte Roger Römer den Zürcher Torwart Özkan Camdali mit einem satten Linksschuss. Die Kugel rauschte knapp am Pfosten vorbei - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Robert Locklear, der quirligste Mann auf dem Platz, hatte an diesem Abend offenbar ein persönliches Duell mit den Torpfosten begonnen. In der 13., 19., 32. und 43. Minute tauchte der rechte Flügelstürmer jeweils gefährlich vor dem Tor auf - doch mal hielt Camdali spektakulär, mal flog der Ball in die Nacht von Luzern. Als Locklear zur Pause in die Kabine trottete, soll er laut einem Mitspieler gemurmelt haben: "Vielleicht steht das Tor heute einfach woanders." Zürich dagegen hielt sich zunächst bedeckt. Trainer Felix Stoch hatte seine Mannschaft tief stehend und auf Ballkontrolle getrimmt - 54 Prozent Ballbesitz zeugen von Geduld, nicht von Mut. "Wir wussten, dass Luzern kommt wie ein Orkan", erklärte Stoch später, "da stellst du dich lieber mit dem Regenschirm auf." Der Plan ging auf - wenigstens bis Minute 68, als Frederic Bergmann plötzlich aus 25 Metern abzog und Luzerns Keeper Robert Siebert zu einer Flugshow zwang. Die zweite Halbzeit bot dann das, was man in Luzern "kontrolliertes Chaos" nennt. Wild brachte frische Beine: Finn Hase wich in der 63. Minute für Ilias Chalbinski, Julien Achard wurde durch den jungen Arjen Vrooman ersetzt, und kurz vor Schluss durfte der 18-jährige Phillip Lavoie noch für Robert Mantovani ran. "Ich hab kaum was gesehen, nur gehört, dass ich rein soll", grinste Lavoie nach dem Spiel, "und dann war der Ball schon wieder irgendwo in der Luft." Tatsächlich blieb der Ball selten lange am Boden. Luzerns Spielanlage - lange Bälle, volles Risiko, aggressiv nach vorne - war spektakulär, aber ineffizient. 13 Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel, doch keiner davon fand den Weg ins Netz. Zürich brachte es auf ganze zwei Versuche, beide von Bergmann, die immerhin für kurzzeitige Pulssteigerung beim Publikum sorgten. Zwei Gelbe Karten rundeten das Bild ab: Thomas Bruguiere sah bereits in der zweiten Minute Gelb, weil er Römer rüde stoppte ("Ich dachte, das sei noch im Rahmen", rechtfertigte er sich später, "aber offenbar war das Rahmenprogramm schon vorbei"), während der 17-jährige Florian Heise nach einem taktischen Foul in der 54. Minute ebenfalls verwarnt wurde. In der Schlussphase brannte es noch einmal. Dylan Bosworth zog in der 86. Minute ab - diesmal so präzise, dass nur Camdalis Handschuh Luzern vom Jubel trennte. Und als Finn Hase in der 89. Minute aus spitzem Winkel abzog, hielt das Stadion kollektiv den Atem an. Der Ball strich über die Latte, und man hörte nur noch ein resigniertes Raunen. "Wenn man so viele Chancen hat, darf man sich nicht beschweren - man muss halt auch mal treffen", bilanzierte Wild trocken. Sein Gegenüber Stoch grinste: "Wir haben gespielt wie ein Uhrwerk - nur ohne Zeiger nach vorne." Das Fazit: Luzern mit mehr Schüssen, mehr Herz, mehr Risiko - Zürich mit mehr Ballbesitz und Nervenstärke. Am Ende blieb das Netz leer, aber die Zuschauer bekamen immerhin ein Spektakel, das an Intensität kaum zu überbieten war. Oder wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Früher hieß das ein 0:0 der besseren Sorte - heute nennt man’s wohl datenbasiertes Offensivspiel ohne Output." Ein Satz, der wohl beiden Trainern gefallen dürfte. 26.07.643990 20:33 |
Sprücheklopfer
I hope, we have a little bit lucky.
Lothar Matthäus bei seiner ersten Pressekonferenz in New York