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Ein 0:0 kann langweilig sein - oder es kann so aussehen wie dieses: FK Senec gegen FK Podbrezova, 31. Spieltag der 1. Liga Slowakei, 35.235 Zuschauer, Flutlicht, Frost und Frust. Die Gastgeber feuerten 20 Schüsse auf das Tor ab, die Gäste ganze vier. Und trotzdem stand am Ende: nichts. Kein Tor, kein Sieger, aber viele Geschichten. Schon nach Anpfiff um 20:30 Uhr war klar, dass Trainer Bert Schnell seine Senecer auf Attacke eingestellt hatte. "Wir wollten sie gar nicht erst zum Atmen kommen lassen", erklärte er später. OFFENSIVE stand auf dem Taktikblatt, und genau so sah es aus. Der junge Taylor Rose prüfte nach acht Minuten Podbrezovas Keeper Samuel Staunton mit einem satten Distanzschuss - der erste von vielen. Kurz darauf Miroslav Mintal, gleich dreimal innerhalb von fünf Minuten, als hätte er ein Abo auf Halbchancen. Podbrezova? Nun ja, sie standen. Und sie standen gut. Trainer Gerd Well verteidigte seine defensive Grundhaltung mit einem milden Lächeln: "Wenn der Gegner 20 Mal aufs Tor schießt und es bleibt 0:0, dann haben wir wohl etwas richtig gemacht." Seine Spieler sahen das ähnlich - oder waren schlicht zu müde, um zu widersprechen. In der 19. Minute hatte Michele Floro die größte Gelegenheit des Abends. Nach einer schönen Kombination über Rose und Lagerblom kam er frei zum Abschluss - und drosch den Ball so weit über das Tor, dass die Balljungen kurz diskutierten, ob man ihn überhaupt wiederfinden würde. "Ich wollte den Keeper verladen", murmelte Floro später, "aber offenbar habe ich den Ball verladen." Die Partie war intensiv, auch wenn die Statistik 56,7 % gewonnene Zweikämpfe für Senec ausweist. Podbrezova hielt kämpferisch dagegen, manchmal etwas zu rustikal. Binnen 40 Minuten sahen Morgan Donahue, Efdal Oktay, Roland Breska und Jan Varga Gelb. Trainer Well meinte trocken: "Die Schiedsrichterkarte war wohl im Dauereinsatz." Senec kassierte ebenfalls drei Verwarnungen - die erste schon in der 13. Minute für den jungen Innenverteidiger Marco Juarez, der danach zwar kein Foul mehr beging, aber vorsorglich jeden Kontakt mit Gegenspielern vermied. "Ich wollte einfach nicht der sein, der dann Rot sieht", sagte der 20-Jährige. Zur Halbzeit schüttelte Trainer Schnell den Kopf. 13 Torschüsse, kein Treffer. "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen einfach weitermachen. Irgendwann muss doch einer reinfallen!" Nun ja - irgendwann tat es keiner. Nach Wiederanpfiff dasselbe Bild: Senec drückte, Podbrezova verteidigte. Mintal, Floro, Rose - sie alle versuchten ihr Glück, aber Staunton im Tor der Gäste hatte offenbar beschlossen, heute eine Wand zu sein. In der 72. Minute brachte Schnell den jungen Eflatun Topal für Mintal. Der 22-Jährige sorgte sofort für frische Unruhe, wirbelte über die linke Seite und zwang Staunton in der 76. und 83. Minute zu Glanzparaden. "Ich dachte, der Ball wäre schon drin, aber dann kam Stauntons Hand aus dem Nichts", staunte Topal. Podbrezova kam in der zweiten Hälfte kaum noch über die Mittellinie, brachte aber immerhin noch zwei harmlose Schüsse zustande - einer davon von Linksverteidiger Jan Varga, der offenbar vergessen hatte, dass er kein Stürmer ist. "Ich hab’s mal probiert", grinste er später, "wenn man schon hinten so viel arbeitet, will man wenigstens einmal Spaß haben." Als in der 89. Minute Floro noch einmal aus kurzer Distanz scheiterte und Mika Lagerblom in der 90. Minute Gelb sah, war klar: Das Spiel hatte beschlossen, torlos zu enden. Der Schlusspfiff klang für Senec wie ein schlechter Witz. Trainer Schnell nahm es mit Galgenhumor: "Wenn man 20 Mal aufs Tor schießt und nichts trifft, muss man wohl die Latte umarmen und sich entschuldigen." Sein Kollege Well dagegen wirkte zufrieden: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und 0 Gegentore - das ist fast wie ein Sieg." Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaften mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Bewunderung für so viel erfolglose Leidenschaft. Und irgendwo zwischen den aufwärmenden Flutlichtlampen und dem letzten heißen Tee dachte man: Fußball ist manchmal wie ein schlechter Witz, bei dem niemand lacht - außer der Torwart des Gegners. Schlussbilanz: FK Senec 0, FK Podbrezova 0. 20:4 Torschüsse, 47,5 % Ballbesitz für Senec, aber null Zählbares. Ein Spiel wie eine geplatzte Seifenblase - schön anzusehen, aber schnell vorbei. 21.03.643990 12:23 |
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