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Nordstern rennt, Luzern lacht: 1:2-Niederlage mit Lehrwert

Ein kalter Februarabend, Flutlicht in Basel, 27.012 Zuschauer - und ein Spiel, das man als Fußballfan mit einem Augenzwinkern unter "Lektion in Effizienz" ablegen darf. Nordstern Basel verlor am 16. Spieltag der 1. Liga Schweiz mit 1:2 gegen Blau-Weiss Luzern, obwohl die Gastgeber mehr Ballbesitz hatten (53,6 %) und über weite Strecken das Spiel kontrollierten. Doch kontrollieren heißt nicht treffen - und das taten die Luzerner eben besser.

Schon nach drei Minuten prüfte Luzerns 17-jähriger Henri Diarra den Basler Keeper Guillaume Stanton zum ersten Mal. Der Youngster strotzte vor Mut, als wolle er sagen: "Ich spiele hier nicht mit, ich spiele hier auf." Sein Trainer Reinhard Wild grinste später: "Ich habe ihm gesagt, er soll einfach Spaß haben - ich wusste nur nicht, dass er so viel Spaß haben würde."

Spaß hatte auch Diego Giuliani in der 20. Minute, als er eine butterweiche Flanke von Pierre Gramont mit rechts volley ins Eck schlenzte - 0:1. Der Jubel der Blau-Weissen war so laut, dass man kurz dachte, Luzern hätte heimlich den Fanblock getauscht. Basel-Coach Ti Wei dagegen schüttelte den Kopf, als hätte jemand seinen Matchplan mit einem Edding durchgestrichen.

Kaum hatte sich Nordstern erholt, kam der nächste Schlag: In der 38. Minute zog der jugendliche Diarra nach feinem Doppelpass mit Joseph Wendt ab - 0:2. Ein Treffer, so frech wie ein Schneeball in der Schulpause. Diarra selbst sagte später lachend: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hat sich entschieden, ein Tor zu werden."

Basel hatte Chancen: Roger Holz, Raphael Baumann und Venediktos Fotopoulos prüften den Luzerner Keeper Robert Siebert mehrfach. Doch der 20-Jährige hielt, als hätte er in der Nacht davor von einer Torwartschule geträumt. "Die haben uns rennen lassen", meinte Basels Mittelfeldmotor Sebastien Völker, "aber am Ende rennst du halt auch hinterher, wenn du den Ball nicht ins Tor bringst."

Zur Pause war die Sache klar: Luzern führte 2:0, spielte offensiv über die Flügel, während Basel mit der eigenen Balance kämpfte - taktisch wie emotional. In der Kabine muss es laut geworden sein, denn nach Wiederanpfiff wirkten die Gastgeber entschlossener. Sie drückten, kombinierten und kamen endlich zu Belohnung: In der 74. Minute schickte Völker einen Ball in den Strafraum, Fotopoulos drehte sich um die eigene Achse und traf - 1:2. Das Stadion erwachte, die Fans glaubten wieder an das Unmögliche.

"Da dachte ich, jetzt kippt’s", sagte Luzerns Trainer Wild. Tat es aber nicht. Stattdessen brachte er frische Kräfte - Barros, Drageljevic, später Römer - und stabilisierte das Spiel. Nordstern warf alles nach vorne, inklusive einer Taktik, die am Ende eher "volles Risiko" als "geordneter Angriff" hieß.

Dann wurde es turbulent: In der 80. Minute sah Basels Abwehrmann Ralph Seymour Gelb, und in der Nachspielzeit sogar Rot - ein Foul, das man in Basel wohl "Verzweiflung mit Anlauf" nennen wird. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch da sind", versuchte Seymour sich zu erklären, während Ti Wei an der Seitenlinie die Kapuze tiefer zog.

Mit 14:8 Torschüssen und weniger Ballbesitz war Luzern schlicht kaltschnäuziger. Das junge Duo Diarra-Lavoie sorgte für Tempo, Giuliani für Präzision, und hinten hielt Siebert den Laden dicht. Die Basler dagegen erinnerten an einen Motor, der auf Hochtouren läuft, aber keinen Gang findet.

"Wir haben uns gesteigert, aber zu spät", meinte Trainer Ti Wei nach dem Spiel. "Man kann nicht erst in der 70. Minute anfangen, Fußball zu spielen - das ist kein Netflix-Film, der langsam spannend wird."

Am Ende stand ein verdienter Luzerner Sieg, der in seiner Schlichtheit fast lehrbuchhaft war: Chancen nutzen, Räume schließen, jung und frech auftreten. Basel bleibt trotz engagiertem Auftritt auf der Suche nach Konstanz - und vielleicht auch nach einem Stürmer, der das Tor nicht nur aus dem Augenwinkel kennt.

Ein älterer Fan auf der Tribüne brachte es beim Abpfiff auf den Punkt: "Schön gespielt, aber das Ergebnis zählt - und das steht da oben." Er zeigte auf die Anzeigetafel: Nordstern Basel 1, Blau-Weiss Luzern 2. Und während Luzern jubelte und Diarra sein Trikot fast größer war als er selbst, blieb Basel mit der Erkenntnis zurück, dass Ballbesitz allein noch keine Punkte macht.

Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass selbst ein 17-Jähriger an diesem Abend gezeigt hat, wie man reif gewinnt.

19.11.643990 16:16
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Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel
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