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Nacional verzweifelt an Cerrense - 17 Schüsse, kein Tor

Ein 0:0 kann vieles sein: langweilig, taktisch, gerecht, oder einfach ein Rätsel. Das Duell zwischen Nacional und CD Cerrense am 33. Spieltag der uruguayischen Liga war irgendwie alles davon - und noch etwas mehr. Denn wer 17 Mal aufs Tor schießt und trotzdem keinen Jubel zustande bringt, der darf sich schon fragen, ob der Fußballgott an diesem Abend vielleicht im Stau stand.

Vor 45.945 Zuschauern im altehrwürdigen Estadio Centenario legte Nacional los, als wolle man gleich zur Meisterfeier übergehen. Schon in der 7. Minute prüfte Rechtsverteidiger Vitorino Ze Castro den gegnerischen Keeper - und kassierte drei Minuten später dafür prompt die Gelbe Karte, offenbar wegen "übermäßigen Enthusiasmus", wie Trainer Karl Rausch später schmunzelnd meinte. "Er wollte einfach zu schnell Geschichte schreiben", grinste der Coach.

Dror Shum, der rechte Flügelstürmer, war an diesem Abend der unermüdliche Dauerbrenner. Ganze sieben seiner Schüsse fanden den Weg Richtung Tor - keiner hinein. "Ich dachte, irgendwann muss einer reinrutschen", sagte Shum nach dem Spiel. "Aber anscheinend hatte Cerrenses Torwart einen Magneten im Handschuh." Ein übertriebener Vorwurf? Wohl kaum. Denn Thierry Benveniste im Tor der Gäste hielt alles, was auf ihn zuflog - und manchmal sogar das, was daneben ging.

Cerrense kam lange kaum aus der eigenen Hälfte. Drei kümmerliche Torschüsse standen am Ende in der Statistik, zwei davon durch den quirliger Rechtsaußen Salvador Meira, der eher wie ein Straßenkünstler auftrat: viele Tricks, wenig Wirkung. Immerhin sammelte er in der 61. Minute eine Gelbe Karte - für ein Foul, das man auch als Verzweiflungstat bezeichnen könnte.

Die erste Halbzeit endete torlos, aber nicht ereignislos. Nacional dominierte mit 51,7 % Ballbesitz und fast doppelt so vielen gewonnenen Zweikämpfen. Der Ball lief, die Fans sangen, nur das Tornetz blieb unberührt. In der 35. Minute schob Amit Buzaglo den Ball am Pfosten vorbei, in der 44. zog Caio Flores aus 20 Metern ab - wieder Benveniste.

"Wenn man 17 Mal schießt und keiner rein will, liegt’s nicht am System", erklärte Trainer Rausch nach dem Schlusspfiff. "Dann liegt’s am Universum." Seine Kollegen der Presse lachten, Cerrenses Coach Leahcim Gnipeur nickte nur milde: "Wir haben das Universum verteidigt."

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete - mit Nacional im Vorwärtsgang. Ein frischer Stephan Lichtsteiner (18 Jahre jung) kam zur Pause für den verwarnten Ze Castro und brachte frischen Schwung über rechts. "Ich hab einfach gemacht, was mir einfiel", sagte der Debütant später, "leider war’s meistens die falsche Idee." Trotzdem - seine Flanken fanden Shum, dessen Schüsse wiederum den Torwart fanden.

In der 72. Minute wechselte Rausch erneut: Alex Peragon, der Innenverteidiger mit Offensivdrang, musste für Diego Minambres raus. Vielleicht ein symbolischer Akt - der Versuch, das Schicksal zu überlisten. Tatsächlich kam kurz darauf Dror Shum wieder zu zwei Chancen (75. und 84. Minute), aber der Ball wollte einfach nicht.

Cerrense dagegen spielte mittlerweile so, als wäre ein Punkt das größte Geschenk des Lebens. Die Defensive stand tief, die langen Bälle flogen wie Notsignale in den Nachthimmel. Alejandro Nani, sonst für seine Flanken bekannt, holte sich in der 56. Minute Gelb ab - vermutlich, um wenigstens auf dem Spielberichtsbogen zu glänzen.

Die letzten Minuten gehörten noch einmal Nacional. Die Fans standen, die Flutlichter flirrten, und als Shum in der 85. Minute den letzten Schuss über die Latte jagte, seufzte das ganze Stadion. "Ich hab kurz überlegt, ob ich mich selbst auswechseln soll", gab der Stürmer hinterher zu.

Das 0:0 fühlte sich für Cerrense wie ein Sieg an und für Nacional wie eine verspätete Steuerprüfung - zu viel Arbeit, zu wenig Ertrag. 17:3 Torschüsse, 52 % Ballbesitz, 57 % gewonnene Zweikämpfe - alles spricht für die Hausherren, außer eben das Ergebnis.

Trainer Rausch nahm’s mit Galgenhumor: "Wir waren offensiv, wir waren kreativ, wir waren… erfolglos. Aber wenigstens konsequent." Und Cerrense-Coach Gnipeur fügte trocken hinzu: "Manchmal ist der schönste Angriff der, der nicht passiert."

So endete ein Abend, der jedem Statistikliebhaber das Herz erwärmte und jedem Torjäger die Tränen in die Augen trieb. Nacional bleibt damit im Niemandsland der Tabelle, Cerrense darf weiter vom Klassenerhalt träumen - und wir alle vom nächsten Spiel, in dem Tore nicht nur theoretisch vorkommen.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Schön gespielt, Jungs. Aber Tore zählen halt immer noch mehr als Ballbesitz."

26.09.643993 09:11
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Es gibt Phasen, da ist man etwas angespannter. Das ist doch menschlich. Es wäre doch blöd von mir, den Schauspieler zu mimen.
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