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Wenn 45.937 Zuschauer im Estadio Centenario aufstehen, dann weiß man: Es riecht nach Fußballfest. Nacional feierte am 34. Spieltag der 1. Liga Uruguay ein 3:0 gegen CD Cerrense - und die Gäste durften sich glücklich schätzen, dass es nicht schlimmer kam. Drei Tore, 14 Torschüsse, 51 Prozent Ballbesitz: Das war kein Arbeitssieg, das war eine Demonstration in Weiß und Blau. Schon nach fünf Minuten war der Abend für die Cerrense-Abwehr ein Albtraum. Paulo Chalana, der flinke Linksaußen mit der Frisur eines 80er-Jahre-Schlagzeugers, tauchte plötzlich allein vor Keeper Thierry Benveniste auf. Nach klugem Zuspiel von Diego Pinto schob er den Ball seelenruhig ins lange Eck. "Ich hab nur noch gedacht: Bitte nicht daneben!", lachte Chalana später. Es war der Startschuss für eine Partie, die schnell eine Richtung nahm - nämlich auf das Tor der Gäste. CD Cerrense versuchte zwar, die Ordnung zu halten, doch die Defensive wirkte so löchrig wie ein alter Trainingsleibchen-Stapel. In der 21. Minute klingelte es erneut: Igor Tokic, der bullige Rechtsaußen, traf nach feinem Pass von Noe Chalana. Ein wuchtiger Schuss, halb Volley, halb Trotzreaktion. Danach sah man bei Trainer Karl Rausch nur noch ein zufriedenes Nicken: "Wir wollten Druck machen, nicht verwalten. Und die Jungs haben verstanden, dass man mit zwei Toren nicht nach Hause geht." Cerrense war bemüht, aber harmlos. Vier Torschüsse in 90 Minuten - das wäre selbst für eine Handballmannschaft wenig. Die besten Szenen hatte noch der junge Kay Schäfer, der wenigstens zweimal versuchte, Torwart Pedro Cercas zu prüfen. Cercas allerdings, später in der 57. Minute durch Jordi Matamoros ersetzt, blieb ohne Gegentor. "Ich bin ehrlich: Ich hatte mir mehr Arbeit gewünscht", grinste er in der Mixed Zone. Nach der Pause blieb Nacional tonangebend, ohne sich in Schönheit zu verlieren. In der 55. Minute fiel das 3:0 - und es war so etwas wie eine Ehrenrunde in Spielform. Paulo Chalana flankte von links butterweich, Diego Pinto rauschte heran und drückte den Ball per Direktabnahme in die Maschen. Ein Tor wie gemalt, und der Beweis, dass Fußball auch Kunst sein kann, solange man genügend Platz hat. "Wir waren einfach zu brav", gab Cerrense-Coach Leahcim Gnipeur später zu. "In der zweiten Halbzeit wollten wir aggressiver werden, aber Nacional spielte uns aus, als hätten sie unsere Pässe vorher gelesen." Tatsächlich versuchte sein Team mit stärkerem Einsatz und Pressing, etwas Druck zu erzeugen - doch die Gastgeber blieben cool. Zwischendurch gab es auch Dramatik: In der 73. Minute sah Tomasz Szymkowiak Gelb nach einem rustikalen Einsteigen gegen Adriano Garcia. Elf Minuten später lag Garcia verletzt am Boden und musste behandelt werden. Das Publikum quittierte die Szene mit einem Pfeifkonzert, Cerrense-Spieler entschuldigten sich halbherzig, und Garcia winkte tapfer ab: "Nichts Schlimmes, nur ein Krampf - vom vielen Jubeln vielleicht", scherzte er nach dem Spiel. Trainer Rausch nutzte die komfortable Führung, um durchzuwechseln: Der junge Stephan Lichtsteiner durfte in der 75. Minute ran und brachte auf der rechten Seite frischen Wind. "Ich hab noch nie so viele Pässe bekommen, ohne dass mir jemand auf die Füße tritt", meinte der 17-Jährige verschmitzt. In der Schlussphase hätte Nacional durchaus noch erhöhen können. Tokic (86.), de Torre (89.) und Minambres (93.) scheiterten am gut reagierenden Benveniste, der trotz der drei Gegentore der beste Cerrense-Spieler war. Die Statistik sprach ohnehin Bände: 14:4 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und ein Gegner, der nie wirklich gefährlich wurde. Nach dem Schlusspfiff standen die Nacional-Spieler Arm in Arm vor der Kurve, Trainer Rausch klatschte mit Fans ab. "Das war ein Statement", sagte er, "aber wir wissen, dass wir noch besser können." Eine Drohung an die Konkurrenz, die man durchaus ernst nehmen darf. Cerrense hingegen trat die Rückreise an, als wäre die Busfahrt länger als das Spiel selbst. "Wir müssen lernen, in solchen Spielen mutiger zu sein", erklärte Gnipeur resigniert. Vielleicht hilft ja ein freier Tag und ein wenig Selbstironie - denn an diesem Abend war einfach kein Kraut gegen Nacional gewachsen. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn Fußball immer so einfach aussähe, würde ich auch Trainer werden." Und man konnte ihm nur zustimmen. Manche Spiele schreiben sich eben von selbst - dieses war eines davon. 25.04.643990 08:50 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath