Sport-Blick
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Munk trifft, Thun tanzt - 1:0-Arbeits­sieg gegen den FC Wil

Wenn 30.724 Zuschauer an einem kühlen Märzabend in Thun das Stadion füllen, dann riecht es nach Fußballromantik - und ein bisschen nach Bratwurst und Hoffnung. Am 32. Spieltag der 2. Liga Schweiz besiegte Rot-Weiss Thun den FC Wil mit 1:0. Ein knappes Ergebnis, aber eines, das in den Annalen des Vereins wohl unter "Pflichtsieg mit Stilpunkten" verbucht wird.

Den einzigen Treffer des Abends erzielte Niels Munk in der 18. Minute - ein Tor, das so präzise war, dass man fast glauben konnte, er hätte den Ball mit einem Laserpointer gelenkt. Nach einem geschmeidigen Pass von Bernt Muster, der auf dem rechten Flügel mehr Kilometer machte als ein Paketbote im Weihnachtsgeschäft, zog Munk aus halblinker Position ab. Der Ball schlug flach im langen Eck ein, Wil-Keeper Asier Beto streckte sich vergeblich.

"Ich wollte eigentlich flanken, ehrlich gesagt", schmunzelte Munk nach dem Spiel. "Aber dann dachte ich mir, ach, probier’s doch mal - und zack, war er drin." Trainer und Publikum nahmen ihm die kokette Bescheidenheit ab, schließlich war es genau dieser Moment, der die Partie entschied.

In den Minuten danach wirkte Thun wie entfesselt. Noah Jones prüfte Wils Torwart gleich zweimal hintereinander (5. und 6. Minute), und Jean-Pierre Claude donnerte kurz vor dem Tor zum 1:0 eine Kugel Richtung Tribüne, die wohl bis heute irgendwo in den Alpen ruht. "Wir wollten früh zeigen, wer hier zu Hause ist", erklärte Thuns Kapitän Alexandre Buffet später in der Mixed Zone.

Doch wer glaubte, die Gastgeber würden nun in einen Offensivrausch verfallen, sah sich getäuscht. Das Spiel blieb offen, ja fast zäh. Wil, jung, wild und mit erstaunlicher Coolness, kam durch Massimo Sorrentino und Lawrenti Onopko zu mehreren gefährlichen Abschlüssen - aber Thuns Keeper Frederic Giese hatte einen jener Tage, an denen er wohl auch eine Kaffeetasse vom Elfmeterpunkt gefangen hätte.

In der 22. Minute sah Wils Rechtsverteidiger Nuno Xavier Gelb, nachdem er Jones kurzerhand am Trikot festhielt - eine Erinnerung daran, dass nicht jeder Sprint fair zu stoppen ist. "Ich wollte ihn gar nicht fassen", sagte Xavier später mit einem Grinsen. "Aber er war plötzlich so schnell, ich dachte, ich hätte einen roten Blitz gesehen."

Statistisch war das Spiel ein Musterbeispiel für Ausgeglichenheit: 50,7 Prozent Ballbesitz für Thun, 49,3 für Wil, 12:8 Torschüsse. Doch während Thun seine Chancen mit Geduld und Präzision suchte, fehlte Wils junger Offensive das letzte Quäntchen Cleverness. Trainer Nico Meng, sonst eher wortkarg, brachte es nach der Partie trocken auf den Punkt: "Wir haben uns nicht belohnt. Aber immerhin hat keiner den Bus verpasst."

In der zweiten Halbzeit passierte das, was Kenner der 2. Liga Schweiz als "kontrollierte Langeweile" bezeichnen: viel Ballgeschiebe, einige Halbchancen, höflicher Applaus bei gelungenen Pässen. Thun verwaltete die Führung, ohne zu glänzen, Wil bemühte sich, ohne zu verzweifeln. Munk hatte in der 62. Minute noch eine Gelegenheit, die Partie zu entscheiden, doch Beto parierte stark.

In den Schlussminuten wurde es noch einmal hektisch: Sorrentino dribbelte sich in der 79. Minute durch die Abwehr, scheiterte aber an Giese - und der Thuner Schlussmann feierte den gehaltenen Ball mit einem Faustschlag in die Luft, als hätte er gerade die Meisterschaft gesichert.

"Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", fasste Thuns Co-Trainer trocken zusammen. "Wir haben gearbeitet, nicht gezaubert." Und tatsächlich: Thun spielte, Wil kämpfte, und am Ende jubelte nur eine Seite.

Als die Fans nach dem Schlusspfiff ihre Bierbecher hoben, hallte über die Ränge ein kollektives Aufatmen. Thun bleibt damit im oberen Tabellendrittel, während der FC Wil weiter auf der Suche nach einem Auswärtssieg bleibt, der sich nicht nur nach "fast" anfühlt.

Vielleicht war es kein fußballerisches Feuerwerk, aber sicher eines jener Spiele, über die man beim Stammtisch am nächsten Tag sagt: "Da war Herz drin." Und manchmal, das weiß jeder, der den Ball liebt, reicht Herz völlig aus, um ein 1:0 zu einem kleinen Triumph zu machen.

14.09.643993 17:07
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Sowohl als auch. Einer, der auf Abseits gespielt hat, hat gepennt.
Peter Neururer auf die Frage: 'Haben die da auf Abseits gespielt oder gepennt?'
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