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Wenn ein Pokalabend nach elf Minuten eigentlich schon gelaufen scheint, darf man beim FC Mettmann ruhig mal kurz die Seele baumeln lassen - kurz. Denn was als souveräne 2:0-Führung begann, endete am Samstagabend vor 4517 Zuschauern im Mettmanner Stadion als Zitterpartie mit Happy End: 2:1 (2:0) gegen den SV Linx, der sich nach der Pause als äußerst hartnäckiger Gast erwies. Trainer Markus Ende hatte sein Team auf "ausgewogen" eingestellt - und das passte auch zum Spielverlauf. In den ersten zwanzig Minuten war von Balance allerdings wenig zu spüren: Mettmann stürmte, Linx staunte. Schon in der 9. Minute zappelte der Ball erstmals im Netz. Dorde Lazovic, der rechte Wirbelwind im Sturm, vollendete eine feine Hereingabe von Jan Gabriel eiskalt. Der Jubel war kaum verklungen, da legte Heinz Wimmer zwei Minuten später nach. Nach einem sehenswerten Doppelpass mit Routinier Marvin Haupt traf der 27-Jährige aus halblinker Position - 2:0. "Da dachte ich kurz, das wird ein entspannter Abend", lachte Ende später in der Pressekonferenz. "Aber dann fiel mir ein: Wir sind ja Mettmann. Bei uns wird’s nie entspannt." Und tatsächlich: Nach dem Doppelschlag schaltete der Gastgeber einen Gang zurück. Die 52,9 Prozent Ballbesitz täuschen darüber hinweg, dass Linx ab Mitte der ersten Halbzeit zunehmend mutiger wurde. Doch Keeper Leon Eder und seine Abwehrkollegen - allen voran der souveräne Fabian Michael - hielten den Laden dicht. In der Pause war auf der Tribüne von "Pokalroutine" die Rede, unten auf dem Rasen allerdings von drohender Selbstzufriedenheit. "Wir wollten einfach zu schön spielen", gab Torschütze Wimmer später zu. "Manchmal muss man den Ball eben auch mal raushauen, statt den dritten Querpass zu suchen." Als Linx-Trainer Michal Dickschat nach dem Wechsel dreimal wechselte - u.a. kam der junge Detlev Miller für Robert Jahn - kippte das Spiel. Der SV Linx presste plötzlich, die Gäste rannten, bissen, kämpften. In der 66. Minute schließlich der Anschlusstreffer: Bernt Kühne, der Kapitän und Herz der Linxer, drosch den Ball nach feinem Zuspiel von Karl Schwab aus 18 Metern unhaltbar in den Winkel. Das 2:1 - und plötzlich war’s mucksmäuschenstill in Mettmann. "Da haben wir kurz gezittert", gab Ende offen zu. "Aber wer Pokal sagt, muss Nerven haben." Auf der Bank feuerte er seine Spieler lautstark an, während die Zuschauer bereits die Hände vor die Augen schlugen. Die Schlussphase war nichts für schwache Herzen. Lazovic vergab in der 90. Minute freistehend vor Linx-Keeper Thomas Dietz die Entscheidung, und kurz darauf sah Friedrich Wenzel noch Gelb - sinnbildlich für die hektischen letzten Minuten. Linx warf alles nach vorn, der 18-jährige Joshua Merz prüfte Eder mit zwei gefährlichen Schüssen (88. und 92. Minute), doch der Torwart hielt, als ginge es um die Ehre seiner gesamten Torwartschule. Die Statistik sprach am Ende knapp für Mettmann: 15 Torschüsse zu 8, leichtes Plus im Ballbesitz, etwas bessere Zweikampfwerte (53 Prozent). Aber das Ergebnis war knapper, als diese Zahlen vermuten lassen. "Das war ein Pokalfight, wie man ihn liebt - oder hasst, je nach Pulsfrequenz", grinste Ende nach dem Abpfiff. Sein Gegenüber Dickschat hingegen wirkte enttäuscht, aber nicht entmutigt: "Wir haben die zweite Halbzeit deutlich dominiert. Wenn wir so weiterspielen, holen wir uns noch viele Punkte - oder zumindest Respekt." Oskar Schmitt, der unermüdliche Flügelflitzer, zeigte Humor, als er auf seinen vergebenen Schuss in der 55. Minute angesprochen wurde: "Ich wollte den Ball eigentlich über den Zaun jagen, aber der Wind war dagegen." Nach dem Schlusspfiff atmeten die Mettmanner tief durch. Die Fans klatschten erleichtert, die Spieler fielen sich in die Arme, und Markus Ende ließ seine Mannschaft in der Kabine wissen: "Schön war’s nicht, aber weiter sind wir trotzdem." So steht der FC Mettmann nach einem Abend voller Emotionen in der zweiten Runde des Pokals - mit der Erkenntnis, dass auch ein 2:0 nach elf Minuten längst kein Ruhekissen ist. Oder, wie es Lazovic schmunzelnd ausdrückte: "Wir wollten Spannung fürs Publikum. Hat geklappt, oder?" Und ja, das hat es - vielleicht ein bisschen zu gut. 08.01.643994 10:05 |
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Wie so oft liegt auch hier die Mitte in der Wahrheit.
Rudi Völler