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Merseburg jubelt: Scranton doppelt, Eschborn verpasst den Lohn des Muts

Ein Freitagabend, Flutlicht, 37.887 Zuschauer und ein Spiel, das alles hatte - außer Langeweile. Der VfB Merseburg besiegte den 1. FC Eschborn mit 3:2 (1:1) und behauptete damit seine Heimstärke, während die Gäste mit gesenktem Kopf, aber erhobenem Selbstbewusstsein vom Platz gingen.

Es dauerte keine drei Minuten, bis das Stadion vibrierte. Stille Scranton - der Name klang wie ein Witz, sein Auftreten war alles andere als leise. Nach einem mustergültigen Pass von Javi Gutierre drosch der Mittelstürmer den Ball humorlos ins rechte Eck. 1:0, und die Merseburger Fans sangen schon vom Aufstieg, noch bevor die Anzeigetafel richtig hochgefahren war. "Wir wollten gleich zeigen, dass hier nichts zu holen ist", grinste Trainer Dieter Bergmann später mit einem Anflug von Selbstzufriedenheit.

Doch Eschborn ließ sich von diesem Blitzschlag nicht beeindrucken. Im Gegenteil - der Gast übernahm das Kommando, schoss aus allen Lagen (17 Torschüsse insgesamt!) und zwang Merseburgs Keeper Vahit Üzülmez mehrfach zu artistischen Einlagen. Der Ausgleich fiel in der 20. Minute, als Tomasz Buchholz nach feinem Zuspiel von Bernt Geier trocken abschloss. "Das war so ein Ball, der schreit danach, verwandelt zu werden", meinte Buchholz später und grinste, als hätte er sich selbst überrascht.

Mit 1:1 ging es in die Pause, und auf der Tribüne diskutierten die Fans hitzig darüber, ob Merseburgs Abwehr wirklich noch wach war oder nur so tat. Trainer Bergmann reagierte: Zwei Wechsel zur Halbzeit - Albert Van Cortlandt kam für den wackligen Juanito Xavier, Ignacio Enrico ersetzte Michele Romano. Letzterer schien ohnehin schon in Gedanken beim Abendessen zu sein.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: mit Chancen. Doch diesmal traf wieder Scranton. In der 52. Minute drückte er nach einer Ecke von Cristobal Veloso den Ball über die Linie - Marke "willensstark". "Ich hab’ gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", lachte der Doppeltorschütze. "Ich hab einfach so lange gedrückt, bis keiner mehr dazwischenstand."

Nur sechs Minuten später dann das 3:1 - Martin Pudil, der rechte Flügelstürmer mit der Geschwindigkeit eines ICE, vollendete einen sehenswerten Konter nach Pass von Enrico. Es war der Moment, in dem Eschborns Trainer Yas Sin an der Seitenlinie das Gesicht verzog, als habe jemand seinen Espresso mit Essig verlängert. "Wir waren besser, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb", knurrte er später.

Eschborn gab sich nicht geschlagen. Mit jugendlichem Elan kam der 19-jährige Linus Fritsch ins Spiel, nachdem sich Geier verletzt hatte. Der Youngster brachte frischen Wind, und die Gäste drängten auf den Anschluss. Werner Ledig, eigentlich Linksverteidiger, rückte immer weiter nach vorne - und wurde in der 88. Minute belohnt. Nach Pass von Marek Kisel hämmerte er den Ball unter die Latte. 3:2, und plötzlich wurde’s noch einmal hektisch.

In der Nachspielzeit lag der Ball fast schon wieder im Merseburger Netz, aber Jacob Holz’ Schuss klatschte nur an den Pfosten. "Ich hab ihn schon drin gesehen", sagte er hinterher und schlug mit einem Lächeln auf den Tisch der Presserunde. "Aber anscheinend hatte der Pfosten heute Heimvorteil."

Statistisch gesehen hätte Eschborn den Sieg verdient gehabt: 54 Prozent Zweikampfquote, 17 Torschüsse, und ein Pressing, das zeitweise an ein Rudel aufgescheuchter Terrier erinnerte. Doch Merseburg nutzte seine Chancen eiskalt - nur sieben Schüsse aufs Tor, drei Treffer. Effektivität in Reinform.

Als Schiedsrichter Keller die Partie beendete, fiel Bergmann seinem Kapitän Scranton in die Arme. Auf der gegenüberliegenden Seite starrte Yas Sin ins Leere, während seine Spieler sich gegenseitig aufmunterten. "Wir haben gut gespielt, aber das reicht halt nicht, wenn der Gegner dreimal den Ball richtig trifft", sagte er und zuckte mit den Schultern.

Ein Zuschauer brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "Eschborn hat das Spiel gemacht, Merseburg die Tore. Und am Ende zählen leider nur die."

So bleibt der VfB Merseburg dank seines eiskalten Sturmduos Scranton/Pudil weiter im oberen Tabellendrittel, während Eschborn über vergebene Chancen grübelt. Und irgendwo in der Kabine, zwischen Gatorade-Flaschen und Grasflecken, wird Scranton wohl gerade leise pfeifen - ganz still eben, wie es sein Name verspricht.

Oder um es mit Trainer Bergmann zu sagen: "Wir haben heute nicht schön gewonnen, aber schön gewonnen wär’ ja langweilig."

05.11.643990 16:37
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Klaus Allofs
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