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Maldonado tanzt, Cerrense taumelt - ein 3:1 mit Stil und Schnurrbart

Es war ein lauer Sommerabend in Uruguay, doch auf dem Rasen des Estadio Municipal Maldonado brannte die Luft. 39.568 Zuschauer sahen ein Spiel, das in seiner Dramatik irgendwo zwischen Fußballlehrbuch und Improvisationstheater oszillierte. Athletic Maldonado schlug CD Cerrense mit 3:1 - und das mit einem Lächeln, das Trainer Huub Stevens später als "kontrollierte Ekstase" bezeichnete.

Von Beginn an zeigten die Hausherren, dass sie keine Lust auf Abtasten hatten. Bereits in der 3. Minute prüfte Javi Mascarenhas den gegnerischen Keeper mit einem Schuss, bei dem man das Gras wachsen hörte - weil der Ball drei Meter drüber flog. Doch Maldonado blieb dran, und in der 8. Minute kam der Moment, in dem Außenverteidiger Bruno Godino beschloss, dass er eigentlich lieber Stürmer wäre. Nach einem feinen Zuspiel von Ezequiel Futre drosch er das Leder humorlos in die Maschen. 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Godino später grinsend, "aber der Ball hat sich für den Heldenweg entschieden."

CD Cerrense, von Trainer Leahcim Gnipeur gewohnt defensiv eingestellt, schien vom frühen Rückstand überrascht. Zwar hatten die Gäste mehr Ballbesitz (56 Prozent), doch was sie damit anfingen, blieb so geheimnisvoll wie die Steuererklärung des Clubpräsidenten. Ein paar harmlose Schüsschen, ein paar missglückte Flanken - das war’s. Maldonado dagegen spielte schnörkellos, zielstrebig, fast schon altmodisch schön.

Stevens, der alte Fuchs, ließ seine Elf offensiv ausgerichtet auftreten, verzichtete jedoch auf wildes Pressing. "Ich mag’s lieber, wenn der Gegner den Ball hat und nicht weiß, was er damit tun soll", erklärte er später mit einem Zwinkern.

Kurz nach der Pause dann der nächste Streich: In der 47. Minute war es der junge Javi Mascarenhas, der nach einer butterweichen Vorlage von Silvestre Antunes zum 2:0 traf. Der 20-Jährige schoss, als hätte er nie etwas anderes getan. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte er bescheiden, "Huub meinte nur: ’Endlich!’"

Cerrense reagierte - zumindest auf dem Papier. In der 58. Minute musste Sean MacPhee verletzt raus, der junge Adrian Tonel kam - und fand sich gleich in der Defensive wieder, denn Maldonado spielte weiter munter nach vorn. Nur zwei Minuten später erhöhte Shefki Sainio nach einem erneuten Traumpass von Futre auf 3:0. Der Finne lief jubelnd zur Eckfahne, schrie etwas, das wohl finnisch war, und ließ sich feiern.

Gnipeur, Cerrenses Coach, stand da wie ein Mann, der gerade festgestellt hatte, dass seine Taktiktafel auf "defensiv" festgerostet war. "Wir wollten über die Flügel kommen", erklärte er hinterher, "aber offenbar hatten unsere Flügel heute Urlaub."

In der 77. Minute durften die Gäste dann doch noch jubeln - ein seltener Moment. Linksverteidiger Hans Jakobsen, der wohl selbst überrascht war, so weit vorne zu stehen, traf nach klugem Pass von Christian Petrizzi zum 3:1. "Ich dachte, ich sei im Abseits", gab Jakobsen später zu, "aber keiner hat gepfiffen, also habe ich einfach mal geschossen."

Danach plätscherte das Spiel seinem Ende entgegen. Maldonado ließ Ball und Gegner laufen, Cerrense mühte sich redlich, aber ohne Plan. Die Hausherren hatten 21 Torschüsse, die Gäste nur acht - eine Statistik, die mehr sagt als tausend Taktiktafeln.

In der Nachspielzeit brachte Stevens noch die jungen Wilden Asier Aznar, Fernando Urrutia und Rafael Tonel - frisches Blut für die letzten Minuten. "Wir wollten sehen, ob sie wissen, wo das Tor steht", grinste der Coach.

Als Schiedsrichter Gomez abpfiff, brandete Jubel auf. Maldonado hatte nicht nur gewonnen, sondern überzeugt - mit Spielfreude, Witz und einer Prise Zynismus.

"Es war kein perfektes Spiel", resümierte Huub Stevens später, "aber perfekt langweilig wäre schlimmer."

Cerrense hingegen reist mit gesenkten Köpfen heim. Gnipeur versprach, "die Defensive neu zu denken" - was nach diesem Abend durchaus Sinn macht.

Und während die Fans von Maldonado noch tanzten, murmelte ein älterer Anhänger auf der Tribüne: "Wenn selbst der Linksverteidiger trifft, dann stimmt irgendwas mit dem Universum - oder mit unserem Trainer."

Vielleicht beides. Doch eines ist klar: Maldonado lebt, lacht - und trifft.

11.09.643990 06:10
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