Sport-Blick
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Luzerner Flügelsturm fegt Fribourg mit 3:0 aus dem eigenen Stadion

Manchmal sagt eine Statistik mehr als tausend Taktiktafeln: 17:2 Torschüsse, 64 Prozent Ballbesitz, drei Tore - aber keine für die Heimmannschaft. Der SV Fribourg erlebte am 15. Spieltag der 1. Liga Schweiz einen bitterkalten Abend, an dem Blau-Weiss Luzern nicht nur den Ball, sondern auch die Kontrolle über das Geschehen besaß. 27.000 Zuschauer sahen ein 0:3, das man getrost als lehrbuchhafte Lektion in Sachen Geduld und Flügelspiel bezeichnen kann.

Dabei begann alles so hoffnungsvoll. In der ersten Minute jagte Fribourgs Aksel Norgaard den Ball Richtung Luzerner Tor - ein Schuss, der wohl eher als freundliche Begrüßung für Torhüter Lasse Rauch durchging. Fünf Minuten später durfte auch Franck Bergmann mal probieren, scheiterte aber an der eigenen Nervosität. Danach war’s das mit Fribourger Offensivaktionen. "Wir wollten mutig sein, und das waren wir - ganze sechs Minuten lang", kommentierte Trainer Dario Rota später mit Galgenhumor.

Von da an diktierte Luzern das Spiel, als hätten sie das Stadion gemietet. Finn Hougaard und Diego Giuliani zogen im Mittelfeld die Fäden, während die beiden Flügelstürmer Locklear und Römer Fribourgs Abwehr in Dauerrotation versetzten. "Wir wussten, dass sie über außen anfällig sind", erklärte Luzerns Coach Reinhard Wild trocken. "Also haben wir einfach immer wieder über außen gespielt. Klingt simpel, war’s aber auch."

Nach einer torlosen ersten Halbzeit, die für Fribourg wohl eher eine Atempause als ein Achtungserfolg war, kippte das Spiel endgültig in Minute 52. Giuliani flankte, Locklear schlich sich an der Strafraumkante frei - und zimmerte den Ball unhaltbar ins rechte Eck. 0:1, verdient und überfällig. Rauch jubelte, als hätte er selbst getroffen, während Fribourgs Torwart Caio Semedo die Hände über dem Kopf zusammenschlug.

Als dann auch noch Fribourgs Yaman Karabulut in der 64. Minute Gelb sah und neun Minuten später mit Gelb-Rot vom Platz musste, war das Schicksal der Gastgeber besiegelt. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", rechtfertigte sich Karabulut später, während Rota neben ihm nur den Kopf schüttelte.

Das 0:2 fiel in der 67. Minute: Diesmal revanchierte sich Giuliani für die Vorlage zuvor, als Hougaard ihm den Ball punktgenau in den Lauf spielte. Giuliani nahm ihn direkt, eiskalt, technisch fein - und ließ Semedo keine Chance. Vier Minuten später machte Roger Römer den Deckel drauf. Wieder kam die Vorlage von Hougaard, wieder über die Mitte, und wieder durfte Fribourg nur zusehen.

Dass Luzern danach noch munter weiterballerte, zeigte ihre Laune: Römer hatte in der Schlussphase mehr Torschüsse als Fribourg im ganzen Spiel. Seine Bilanz - sechs Abschlüsse, ein Tor - war bezeichnend. "Ich hatte irgendwann Mitleid mit deren Torwart", grinste Römer nach dem Spiel, "aber nur ein bisschen."

Rota versuchte, mit späten Wechseln frischen Wind zu bringen. Kunze und Gady kamen in der 60. Minute, Heikkinen durfte in der 90. noch ein paar Sekunden Rasen betreten - eher symbolisch als taktisch. "Wir haben alles probiert", seufzte Rota. "Aber wenn der Gegner mit so viel Selbstvertrauen spielt, kannst du nur hoffen, dass der Schlusspfiff bald kommt."

Blau-Weiss Luzern hingegen blieb bis zum Ende offensiv eingestellt, ganz im Stil ihres Trainers. Wilds Mannschaft spielte mit kurzen Pässen, geduldig, fast schon demonstrativ. "Wir wollten zeigen, dass man in dieser Liga auch schön spielen kann", sagte er mit einem Zwinkern.

Nach dem Schlusspfiff applaudierten selbst einige Fribourger Fans - vielleicht aus Respekt, vielleicht aus Erleichterung, dass es nicht schlimmer wurde. 0:3 stand auf der Anzeigetafel, aber der Unterschied auf dem Rasen war gefühlt doppelt so groß.

Ein Zuschauer auf der Tribüne brachte es auf den Punkt: "Luzern hat Fußball gespielt, Fribourg hat zugeschaut." Treffender kann man diesen Abend kaum zusammenfassen.

Und so bleibt den Gastgebern nur, den Staub - und das Selbstvertrauen - wieder aufzuwischen. Für Luzern dagegen war es ein Abend, der Appetit auf mehr macht. Wenn sie weiter so flügelstark und spielfreudig auftreten, könnte das nicht nur für Fribourg ungemütlich werden.

Oder, wie Giuliani nach dem Spiel mit einem Lächeln meinte: "Wir haben heute drei Tore geschossen - und eigentlich noch fünf liegen lassen." Ein Satz, der Dario Rota vermutlich noch eine Weile begleiten wird.

07.11.643990 23:52
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