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Luzern verzweifelt, Altstetten jubelt: Später Treffer schockt die Gastgeber

Es war einer dieser Abende im Stadion Allmend, an denen man ahnt, dass der Fußball manchmal ein grausamer Lehrer sein kann. 40.016 Zuschauer sahen, wie Blau-Weiss Luzern gegen den FC Altstetten über 86 Minuten stürmte, zauberte, flankte, schoss - und dann in Minute 87 doch den Dolchstoß kassierte. 0:1 hieß es am Ende, und während die Luzerner ratlos in die kalte Nacht blickten, feierten die Gäste aus Zürich ausgelassen ihren Helden Marcio Alves.

Dabei hatte alles nach einem gemütlichen Heimdreier ausgesehen. Trainer Reinhard Wild schickte seine Elf im gewohnten Offensivmodus aufs Feld - Flügelspiel, lange Bälle, Pressing bis zur Grasnarbe. Schon in der zweiten Minute prüfte Roger Römer den Altstettener Keeper Javi Izquierdo, der an diesem Abend noch mehrfach seine Handschuhe segnen durfte. "Ich dachte, ich krieg den Ball nie zu fassen - der war heiß wie ein Toaster!", grinste Izquierdo später.

Luzern feuerte aus allen Lagen: Locklear, Mantovani, Chalbinski - wer einen Fuß hatte, versuchte ihn aufs Tor zu richten. 18 Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel. Altstetten kam auf ganze sieben, aber manchmal reicht eben der letzte. Die erste Halbzeit war ein Muster in vergeblicher Mühe. Luzern dominierte mit 49 Prozent Ballbesitz, was sich anhört, als hätten sie wenigstens die Hälfte gehabt - aber in Wahrheit war es ein zähes Ringen um Zentimeter. Die Flanken rauschten ins Niemandsland, und nach vorne fehlte die letzte Idee.

"Wir haben viel richtig gemacht - außer das Tor", knurrte Luzerns Trainer Wild nach dem Abpfiff. Er hatte in der 62. Minute den jungen Jan Born gebracht, um über rechts frischen Wind zu entfachen, und später auch Piotr Chawanow. Doch egal, wer kam: Der Ball wollte einfach nicht ins Netz.

Altstetten hingegen zeigte, warum man sie nicht abschreiben darf, selbst wenn sie aussehen, als wären sie nur zum Verteidigen gekommen. Trainer Simon Baudach hatte seine Jungs auf Konter programmiert - aggressiv, aber clever. "Wir wussten, dass Luzern irgendwann müde schießt", erklärte Baudach mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Ungläubigkeit pendelte. "Dann brauchst du nur den einen Moment."

Und der kam spät, aber mit Wucht. In der 87. Minute konterte Altstetten blitzsauber: Rechtsverteidiger Gerritt Westerveldt, frisch eingewechselt, sprintete die Linie entlang, flankte halbblind in die Mitte - und dort stand Alves, der brasilianische Mittelstürmer, goldrichtig. Ein kurzer Blick, ein Schuss, ein Tor. 0:1. Der Gästeblock explodierte, Luzern erstarrte.

"Ich hab einfach draufgehalten", sagte Alves später, während er mit einem Schokoriegel auf der Pressebank hantierte. "Wenn du so viele Minuten nur rennst, musst du irgendwann auch mal belohnt werden."

Luzern warf alles nach vorn, sogar Torwart Lasse Rauch rannte in der Nachspielzeit bei einer Ecke mit nach vorne, aber Altstetten verteidigte mit Zähnen, Klauen und vermutlich auch etwas Glück. Die Gelben Karten - vier an der Zahl - zeigten, dass der Sieg nicht im Abendkleid kam, sondern im Blaumann.

Die Statistik erzählte eine bittere Geschichte: Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr gewonnene Zweikämpfe - und doch null Punkte. "Wenn Fußball gerecht wäre, würden wir hier 3:0 gewinnen", murmelte Luzerns Verteidiger Pierre Gramont, der selbst Gelb sah, nachdem er in der 37. Minute einen Altstettener Konter rüde stoppte. "Aber Fußball ist halt kein Gerichtssaal."

In der Kabine von Altstetten hingegen lief laute Musik, Alves wurde auf Schultern getragen, und Trainer Baudach schüttelte ungläubig den Kopf. "So etwas planst du nicht", sagte er. "Du hoffst nur, dass es passiert."

Für Luzern bleibt die Erkenntnis, dass Schönheit allein keine Punkte bringt. 18 Torschüsse sind hübsch für die Statistik, aber nutzlos, wenn der Ball nicht über die Linie will. Und während Altstetten sich über drei Punkte im Titelrennen freut, steht bei den Blau-Weissen Ratlosigkeit.

Vielleicht fasste es Kapitän Mantovani am besten zusammen, als er in der Mixed Zone sagte: "Wir waren wie ein Rockstar, der das ganze Konzert spielt - nur ohne den letzten Akkord."

Oder, um es mit Luzern-Trainer Wild zu sagen: "Wenn wir nächste Woche wieder so spielen, treffen wir vielleicht endlich das Tor. Oder wenigstens den Pfosten."

Ein bitterer Abend für Luzern, ein goldener für Altstetten. Und für alle neutralen Zuschauer der Beweis, dass Fußball manchmal grausam ehrlich ist: Wer seine Chancen nicht nutzt, bekommt am Ende den Konter seines Lebens serviert - à la Marcio Alves, 87. Minute.

11.07.643987 20:58
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Im Fußball ist es wie im Eiskunstlauf - wer die meisten Tore schießt, der gewinnt.
Rainer Calmund
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