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Locklear-Show in Luzern: Blau-Weiss tanzt Rot-Weiss Zürich schwindlig

Die 40.750 Zuschauer in der ausverkauften Swissporarena rieben sich an diesem kalten Februarabend verwundert die Augen: Was da zwischen Blau-Weiss Luzern und Rot-Weiss Zürich auf dem Rasen geschah, war weniger ein Fußballspiel als eine Ein-Mann-Gala mit Teamunterstützung. Robert Locklear, 26 Jahre jung, Rechtsaußen mit dem Selbstbewusstsein eines Torjägers im Hochsommer, entschied die Partie im Alleingang - zweimal schlug er eiskalt zu, und am Ende hieß es verdient 2:0 (2:0) für die Luzerner.

Schon nach wenigen Minuten war klar, wer hier den Ton angibt. Luzern begann offensiv, wie es Trainer Reinhard Wild angekündigt hatte: "Wir wollten Zürich gar nicht erst atmen lassen", grinste er später. Nach vier Minuten prüfte Julien Achard erstmals den Zürcher Keeper Harry Craven, der sich noch tapfer in den Ball warf. Doch das war nur das Vorspiel. In der 13. Minute schlug Locklear zu - trocken, direkt, unmissverständlich. "Ich hab’ einfach draufgehalten", sagte der Mann des Abends später, "und gehofft, dass Craven kurz an die Kantonalbank denkt." Tat er offenbar.

Rot-Weiss Zürich, von Coach Ha Luncke gewohnt offensiv eingestellt, versuchte über die Flügel zu kommen, doch es blieb beim Versuch. Zwei kümmerliche Schüsse aufs Tor - einer von Roger Guillory (29.), einer von Pal Simonyi (35.) - waren die ganze Ausbeute. "Wir wollten eigentlich über außen Druck machen, aber da kam eher ein laues Lüftchen", knurrte Luncke nach Abpfiff. Seine Elf wirkte harm- und planlos, die langen Bälle landeten meist im Niemandsland, während Luzern mit langen Pässen und viel Laufarbeit den Ton angab.

Kurz vor der Pause dann der zweite Streich von Locklear. In der 44. Minute setzte ihn Rechtsverteidiger Pierre Gramont mit einem Traumpass in Szene - ein Steilpass, wie aus dem Lehrbuch, und Locklear blieb cool wie ein Eiswürfel im Wodka: 2:0. Das Stadion tobte, Zürich schwankte. "Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Heute wird’s nichts", räumte Zürcher Innenverteidiger Julian Antunes ein, der sich zuvor eine Gelbe Karte abgeholt hatte, "Locklear war einfach überall."

Die zweite Halbzeit? Ein Schaulaufen der Luzerner, ein stilles Leiden der Zürcher. Zwar blieb das Ergebnis unverändert, doch das Chancenverhältnis sprach Bände: 16:2 Torschüsse, 51 Prozent Ballbesitz für die Hausherren - und das trotz eher ausgeglichenen Zweikampfwerten. Luzern spielte weiter nach vorn, aber ohne die letzte Gier. Locklear prüfte Craven noch zweimal (57., 65.), Joseph Carr zog aus der Distanz ab (24.), und in der Nachspielzeit durfte sogar der eingewechselte Roger Römer noch einmal draufhalten.

Trainer Wild brachte in der zweiten Hälfte frisches Blut: Der 19-jährige Franck Stock ersetzte Jean-Pierre Carey in der Innenverteidigung (64.), Jan Born durfte für Gramont ran (71.) und Bojan Drageljevic kam für Carr (79.). "Ich wollte den Jungs ein bisschen Spielzeit geben - und ehrlich gesagt: Ich hatte keine Angst mehr, dass da noch was anbrennt", sagte Wild mit einem spitzbübischen Grinsen.

Bei Zürich war die Stimmung entsprechend düster. Kapitän Joshua Claude schüttelte den Kopf: "Wir waren heute einfach nicht da. Vielleicht hätten wir mit elf Locklears eine Chance gehabt." Eine ehrliche Einschätzung, die sogar den Luzerner Matchwinner zum Lachen brachte. "Elf von mir? Das wäre langweilig. Ich schieße lieber selbst doppelt", konterte Locklear augenzwinkernd.

Die Zuschauer verabschiedeten ihr Team mit stehenden Ovationen, während die Zürcher Spieler wie Schulbuben nachsitzen mussten - diesmal allerdings ohne Ball. Für Blau-Weiss Luzern war es ein Statement-Sieg, für Rot-Weiss Zürich eine Lehrstunde in Sachen Effizienz und Spielfreude.

Und so bleibt als Fazit: Wenn Locklear so weitermacht, sollten die Gegner in der 1. Liga Schweiz künftig vielleicht gleich mit zwei Rechtsverteidigern antreten. Oder einem Gebet.

Reinhard Wild brachte es nach Abpfiff auf den Punkt: "Wir haben heute gezeigt, dass Fußball auch einfach Spaß machen darf - solange der Gegner das zulässt." Ha Luncke dagegen seufzte: "Manchmal läuft alles gegen dich. Sogar der Ball."

Ein Satz, der in Zürich wohl noch länger nachhallen wird.

10.06.643990 13:58
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Ottmar Hitzfeld ist noch nie auf die Tribüne verbannt worden, ich auch nicht. Aber bei mir wird es sicher nicht mehr lange dauern.
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