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Ein lauer Abend in Montevideo, 37.574 Zuschauer, eine Flutlichtstimmung wie aus dem Lehrbuch - und am Ende ein Ergebnis, das keinem so richtig schmeckte: UD Liverpool und CD Cerrense trennten sich am 22. Spieltag der 1. Liga Uruguay mit einem 1:1. Es war ein Spiel, das früh Fahrt aufnahm, dann aber wie ein alter Motor stotternd ins Ziel rollte. Kaum hatten die Fans ihre Sitzplätze gefunden, zappelte der Ball schon im Netz. In der 4. Minute nutzte Duarte Galindo eine Unachtsamkeit in der Liverpool-Abwehr, schob nach feinem Zuspiel von Domingo Andrade eiskalt ein - 0:1. "Wir wollten gleich ein Zeichen setzen", grinste Galindo später, als wäre das alles ein Trainingsspiel gewesen. Trainer Leahcim Gnipeur klatschte an der Seitenlinie zufrieden, während sein Gegenüber Savo Partizan mit verschränkten Armen und einem Blick zwischen Donnerwetter und Fassungslosigkeit dastand. Doch Liverpool wäre nicht Liverpool, wenn es sich so schnell geschlagen gäbe. Der Gastgeber, offensiv ausgerichtet wie ein Rockkonzert, kam über die Flügel und vor allem über den unermüdlichen Mason Kendall, der auf der rechten Seite rackerte, flankte, rief und fluchte. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie viele Flanken ich geschlagen hab", murmelte er später mit einem schiefen Lächeln. In der 40. Minute wurde er endlich belohnt: Kendall setzte sich energisch durch, flankte scharf in die Mitte, Dorde Basa rauschte heran und drückte den Ball zum 1:1 über die Linie. Das Stadion tobte, Partizan sprang wie ein Teenager an der Linie hoch und brüllte etwas, das stark nach "Endlich!" klang. Basa kommentierte trocken: "Ich hab einfach gehofft, dass er mich trifft - der Ball, nicht der Gegner." Mit dem Ausgleich ging es in die Pause, und wer dachte, die zweite Hälfte würde ein Feuerwerk, bekam eher ein Kaminfeuer: warm, aber ohne Funkenflug. Liverpool hatte 14 Schüsse aufs Tor, Cerrense nur 8, und doch blieb es beim Remis. Der Ballbesitz sprach mit 53 zu 47 Prozent leicht für die Gäste, die aber wenig daraus machten. Zwischendurch sorgten zwei gelbe Karten für die nötige Farbe: Andronikos Tsiklitiras sah in der 44. Minute Gelb, weil er offenbar der Meinung war, ein Trikotwechsel mitten im Spiel sei eine gute Idee - allerdings mit dem Leibchen des Gegners. Später, in der 70. Minute, zog Domingo Andrade nach, als er Basas Oberschenkel für den Ball hielt. Nach einer Stunde wechselte Partizan doppelt: Der junge Julian Mascarenhas kam für den müden Godinez, und Jean-Pierre Benoist ersetzte Tsiklitiras. Mascarenhas, 19 Jahre alt und mit dem Selbstbewusstsein eines Straßenkickers, sorgte sofort für Wirbel. Einmal setzte er sich herrlich durch, verzog aber knapp - und bekam dafür von seinem Trainer ein ironisches Schulterklopfen. "Wenn du das nächste Mal triffst, darfst du auch wieder anfangen", witzelte Partizan später. Cerrense blieb seiner "balanced"-Philosophie treu, was in etwa so aufregend war, wie es klingt. Ihre Taktik änderte sich kaum, selbst als Liverpool drückte. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Gnipeur nach dem Spiel, "und wir waren ruhig. Vielleicht zu ruhig." Die letzten Minuten gehörten noch einmal Basa, der in der Nachspielzeit zweimal abzog, aber am glänzend reagierenden Keeper Thierry Benveniste scheiterte. Der Schlussmann Cerrenses hielt, was zu halten war, und das war an diesem Abend einiges. Nach dem Abpfiff mischten sich Erleichterung und Enttäuschung. "Wir hätten es heute packen können", sagte Basa mit verschränkten Armen, während sein Coach Partizan an der Seitenlinie bereits mit den Händen in den Taschen Richtung Kabine schlenderte. "Ein Punkt ist besser als keiner", murmelte er, "aber wenn man 14 Mal aufs Tor ballert, erwartet man ein kleines Dankeschön vom Fußballgott." Der Fußballgott war an diesem Abend offenbar neutral - oder im Urlaub. Beide Teams nehmen einen Punkt mit, beide hätten mehr haben können. Cerrense bleibt damit weiter im gesicherten Mittelfeld, Liverpool tritt auf der Stelle, aber immerhin mit Stil. Und als die Flutlichter erloschen und die letzten Fans den Heimweg antraten, blieb das Gefühl, ein gutes, aber kein großes Spiel gesehen zu haben. Oder, wie es ein Zuschauer auf der Tribüne formulierte: "War wie Mate-Tee ohne Zucker - man gewöhnt sich dran, aber süßer wär’s schöner." 22.05.643993 02:08 |
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