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Es war ein frostiger Januarabend in der ungarischen Hauptstadt, doch die Stimmung im Honvet-Stadion hätte wohl selbst Eis zum Schmelzen bringen können - zumindest bis zur 88. Minute. Dann kam Dimitar Bonew, der 21-jährige Rechtsaußen des BSV Elore, und ließ 20.000 Zuschauer kollektiv verstummen. Sein Schuss, präzise wie mit dem Lineal gezogen, zischte an Homet-Keeper Gabor Dardai vorbei ins Netz. 0:1 - und das Spiel war entschieden. Dabei hatte bis dahin wenig darauf hingedeutet, dass Honvet Budapest tatsächlich ohne Punkte dastehen würde. Beide Teams begannen verhalten, wobei Elore von Anfang an den Ton angab. Schon in der zweiten Minute prüfte Bonew den Heimkeeper mit einem satten Rechtsschuss. "Ich wollte einfach mal sehen, ob er wach ist", grinste der Torschütze später. Dardai war es - noch. Die Gäste aus Elore hatten sich von Trainerin Kurumi Makishima offensichtlich eine klare Marschroute mitgeben lassen: Offensive, offensive, offensive. Und das zeigte Wirkung. 20 Torschüsse insgesamt, ein Wert, der für sich spricht. Miklos Sebes und Edmund Szusza wirbelten die Honvet-Abwehr ein ums andere Mal durcheinander, während Njazi Kolkka und Archie Cort das Mittelfeld wie ein gut geöltes Zahnrad dominierten. Trotzdem haperte es lange an der Präzision. Honvet hingegen versuchte, mit kontrolliertem Ballbesitz (48 Prozent) und sicherem Passspiel dagegenzuhalten. Trainer Istvan Toth - der nach dem Spiel demonstrativ die Kappe tief ins Gesicht zog - hatte seine Jungs auf Balance eingestellt. Keine Experimente, kein Risiko. Das funktionierte defensiv, aber vorne blieb vieles Stückwerk. Bela Lazar und der junge Gyula Ujlaki liefen sich die Lunge aus dem Leib, doch im Strafraum war Endstation. "Wir hatten das Gefühl, wir könnten bis Mitternacht spielen und kein Tor erzielen", seufzte Mittelfeldmann Alexander Orosz. Nach einer torlosen ersten Hälfte, in der Elore das Chancenplus hatte, aber Dardai mehrfach glänzend parierte, blieb das Bild in Halbzeit zwei ähnlich. Szusza vergab in der 52. Minute freistehend, Sebes setzte in der 73. Minute einen Kopfball knapp vorbei. Und als Honvets Verteidiger Antal Koplarovics in der 71. Minute Gelb sah, ahnte man, dass der Druck steigen würde. "Ich habe ihm nur gesagt, er solle nicht so wild grätschen", kommentierte Toth später trocken. "Aber Antal hat da seinen eigenen Stil." Dann die 88. Minute - jene, die für Honvet-Fans künftig wohl in Albträumen wiederkehrt. Ahmet Arat, der 31-jährige Linksmittelfeldspieler Elorés, setzte sich auf seiner Seite durch, tunnelt seinen Gegenspieler mit einem frechen Außenrist-Trick und legt präzise quer auf Bonew. Der junge Bulgare nimmt den Ball direkt - und trifft. Keine Chance für Dardai, keine Gnade für Honvet. "Ich habe gar nicht viel nachgedacht", sagte Bonew nach dem Spiel mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Ungläubigkeit schwankte. "Ahmet hat mir den Ball perfekt hingelegt. Wenn ich da vorbeischieße, bringt mich unser Trainer um." Kurumi Makishima, die japanische Cheftrainerin Elorés, wirkte in der anschließenden Pressekonferenz gelassen. "Wir haben viele Chancen vergeben, aber am Ende zählt, dass wir immer an uns geglaubt haben", sagte sie. "Bonew hat das umgesetzt, was wir trainieren - Geduld und Zielstrebigkeit." Dann zwinkerte sie und fügte hinzu: "Und vielleicht ein bisschen Glück." Die Statistik untermauert das Geschehen: 51,7 Prozent Ballbesitz für Elore, 20 Schüsse auf das Tor gegenüber nur fünf von Honvet - eine klare Sache. Dennoch wäre ein Remis nicht unverdient gewesen. "Fußball ist manchmal grausam", meinte Dardai mit bitterem Lächeln. "Du hältst 87 Minuten lang alles, und dann…" - er zuckte mit den Schultern. Während die Fans von Honvet frustriert die Tribünen verließen, feierten die Elore-Spieler ausgelassen in der Kurve. Bonew ließ sich auf die Schultern seiner Mitspieler heben, und irgendwo im Lärm des Jubels hörte man Makishima rufen: "Ich hab’s euch gesagt, Jungs!" Für Honvet bleibt die Erkenntnis, dass solide Organisation allein keine Punkte garantiert. Für Elore hingegen war es ein Sieg der Geduld - und vielleicht der jugendlichen Unbekümmertheit. Am Ende des Abends war der Rasen zertrampelt, die Finger klamm, die Trainer heiser - aber die Geschichte geschrieben: BSV Elore siegt bei Honvet Budapest mit 1:0 durch Dimitar Bonew in der 88. Minute. Oder, wie ein Zuschauer auf der Tribüne es formulierte: "Wenn du 20 Mal schießt, darf einer ruhig reingehen." 30.06.643987 07:00 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts