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La Chaux-de-Fonds stolpert, Racing Club GE tanzt - 1:3 im kalten Januar

8540 Zuschauer trotzten an diesem frostigen 11. Januar dem Winter und sahen im Stade de la Charrière ein Fußballspiel, das eher an eine Theateraufführung erinnerte - mit klarer Rollenverteilung: La Chaux-de-Fonds gab den tragischen Helden, Racing Club GE spielte den unbekümmerten Youngster-Ensemblefilm. Am Ende hieß es 1:3 (1:2), und die Gäste aus Genf nahmen nicht nur drei Punkte, sondern auch das Selbstbewusstsein eines Jugendförderpreises mit nach Hause.

Die Partie begann mit einem furiosen Auftakt. Schon nach neun Minuten prüfte Thomas Beaulieu den gegnerischen Keeper - ein erster Warnschuss, der das Publikum auf Temperatur brachte. Doch während die Hausherren den Ballbesitz (58,4 Prozent) wie eine Familienerbstücksammlung hüteten, hatten die jungen Genfer eine einfachere Philosophie: "Ball sehen, Ball schießen", grinste später der 18-jährige Mathias Wild, der in der 28. Minute eiskalt zur 1:0-Führung traf.

Nur sechs Minuten später schien die Welt im Jura wieder in Ordnung. Innenverteidiger Baltsar Lindstrom, sonst mehr für das Grobe zuständig, stieg nach Nowaks Ecke in den Himmel und köpfte zum 1:1 ein. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Lindstrom hinterher, "aber dann habe ich einfach mal den Kopf hingehalten. Hat funktioniert."

Doch kurz vor der Pause drehte Racing Club GE wieder auf. Phillip Fouquet, ebenfalls zarte 18, traf nach Vorlage von Andrew Sinclair in der 45. Minute zum 2:1. Genau in dem Moment, als viele Zuschauer schon auf den Glühwein schielten, riss er die kalte Luft mit einem satten Schuss in den Winkel auf.

Trainer Truthan Trainer - ja, der Mann heißt wirklich so - blieb an der Seitenlinie erstaunlich ruhig. "Ich sage den Jungs immer: spielt, als hättet ihr keine Furcht und keine Eltern auf der Tribüne", meinte er später mit einem Augenzwinkern. Seine Mannschaft nahm das wörtlich und stürmte direkt nach Wiederanpfiff weiter. Nur zwei Minuten nach der Pause traf Cesar Capone nach Vorarbeit des Innenverteidigers Kinmont zum 3:1. Da staunte selbst der Stadionsprecher, der noch die Halbzeitansprache beenden wollte.

La Chaux-de-Fonds versuchte es weiter mit gepflegtem Spielaufbau und einer Portion Verzweiflung. Elf Torschüsse, 58 Prozent Ballbesitz und ein Dutzend vergeblicher Hereingaben - doch der Ball wollte nicht mehr rein. Die beste Chance hatte Hjalmar Carlsen in der 87. Minute, aber sein Schuss landete irgendwo zwischen Tribüne und Hoffnung.

"Wir haben das Spiel kontrolliert, nur leider den Gegner nicht", murmelte Heimtrainer Jean-Pierre (dessen Nachname sich in der Kreide der Statistik verlor) in die Mikrofone. "Drei Fehler, drei Tore - Fußball kann so einfach sein."

In der Schlussphase wurde es noch hitzig. Racing-Verteidiger Matthew Staunton sammelte zwei Gelbe Karten (52. und 82. Minute) und durfte vorzeitig duschen. "Er wollte wohl nur früher unter die warme Dusche", witzelte ein Fan aus der Gästekurve. Kurz darauf sah auch Philippe Betz auf Seiten der Gastgeber Gelb - vermutlich aus Solidarität.

Taktisch blieb La Chaux-de-Fonds über 90 Minuten "balanciert", wie es die Daten trocken ausdrücken, was man auch als "nicht entschieden" übersetzen könnte. Racing Club GE startete offensiv, endete aber - nach der Roten Karte - mit einer Formation, die eher an ein tapferes Improvisationstheater erinnerte. Doch das Ergebnis gab ihnen recht.

Besonders beeindruckend: die jugendliche Unbekümmertheit der Gäste. Mit einem Altersdurchschnitt knapp über 20 Jahren spielten sie, als gäbe es keine Tabellen, nur Tore. "Wir haben keine Angst", sagte Fouquet nach dem Spiel, "nur manchmal kalte Füße."

La Chaux-de-Fonds dagegen wirkte wie ein Orchester, das zu viel probt und zu wenig spielt. Die Pässe waren sauber, der Einsatz auf Standard, aber der Rhythmus fehlte. Als der Schlusspfiff ertönte, senkten die Spieler die Köpfe - während die Genfer jubelten, als hätten sie gerade den Pokal gewonnen.

Ein letzter Blick auf die Statistik: 12:11 Torschüsse für die Gäste, 3:1 Tore, 1 Rote Karte, 3 Gelbe, 8540 frierende, aber bestens unterhaltene Zuschauer. Und ein Trainer Truthan, der mit einem schelmischen Grinsen in die Kameras sagte: "Wenn man so jung ist, darf man Fehler machen - solange man sie ins Tor schießt."

Vielleicht das treffendste Fazit dieses Abends. La Chaux-de-Fonds hat den Ball, Racing Club GE die Punkte - und manchmal ist Fußball eben genau so ungerecht, wie wir ihn lieben.

15.05.643987 03:10
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Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme
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