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An diesem frostigen Februarabend bebte das Stadion von Siofok wie ein Sommerstrand. 38.750 Zuschauer froren sich die Finger wund, aber das Spiel zwischen dem KSC Siofok und SC Fehervar war heiß genug, um jede Thermoskanne überflüssig zu machen. Am Ende gewann die Heimmannschaft mit 3:2 (2:1) - ein Ergebnis, das genauso turbulent war wie der Wind über dem Plattensee. Fehervar begann mutig, mit mehr Ballbesitz (56 Prozent) und einer Offensive, die früh zeigte, dass sie nicht zum Sightseeing angereist war. Schon in der dritten Minute prüfte Alberte Storm den Siofoker Keeper Ivan Breska mit einem kernigen Schuss - der erste von insgesamt zehn Torschüssen der Gäste. "Da dachte ich kurz, ich bin noch beim Aufwärmen", grinste Breska später. In der 35. Minute dann die kalte Dusche für Siofok: Desire Fazekas, eigentlich Linksverteidiger, stürmte plötzlich nach vorne und vollendete eine feine Kombination über Slatko Angelow. 0:1 - und Coach Mina Aryabhata klatschte so heftig, dass ihr Notizblock in hohem Bogen auf den Rasen segelte. Doch der KSC wäre nicht der KSC, wenn er sich davon beeindrucken ließe. In der 43. Minute brach Oliver Davonport auf der linken Seite durch, ließ zwei Verteidiger stehen und traf wuchtig zum Ausgleich. Eine Minute später - man hatte kaum Zeit, den Jubel zu beenden - legte Davonport nach: Nach einem Pass von Daniel Arnaud schlenzte er den Ball ins lange Eck. 2:1. "Ich wusste gar nicht, dass ich so zielen kann", lachte Davonport nach dem Spiel, während sein Trainer Kersten Rittner trocken anmerkte: "Das war der Moment, in dem wir beschlossen, dass Oliver heute nicht ausgewechselt wird." Zur Pause führte Siofok, obwohl Fehervar mehr vom Spiel hatte. Die Gäste kombinierten gefällig, aber Siofok konterte mit Herz, Härte und einer Zweikampfquote knapp unter 50 Prozent - was in diesem Fall mehr über die Leidenschaft als über die Präzision sagt. Nach dem Seitenwechsel wurde es kurios: Gleich zu Beginn musste Keeper Breska raus, offenbar mit einer Zerrung, und Eric Steinsson übernahm zwischen den Pfosten. "Eric hat beim Aufwärmen noch gesagt, er wollte eigentlich einen ruhigen Abend", erzählte Rittner schmunzelnd. In der 60. Minute dann der dritte Streich: Carl Capucho, bis dahin eher unauffällig, traf nach feinem Zuspiel von Torsten Schlüter zum 3:1. Die Fans tobten, und Capucho riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft entschieden. Doch bevor sich Siofok zu sicher fühlen konnte, schlug Fehervar zurück. Nur eine Minute später verkürzte Felipe Salinas nach Pass von Alberte Storm auf 3:2. Das Spiel stand nun auf Messers Schneide, und die Gäste drängten - vor allem der unermüdliche Eskil Bruhn prüfte den Torwart gleich mehrfach (66., 74., 79.). Siofok verteidigte mit allem, was Beine und Nerven hergaben. In der 81. Minute sah Jorge Barbosa Gelb, vermutlich weil er den Ball etwas zu leidenschaftlich vom Spielfeldrand beförderte. "Ich wollte nur Zeit schinden", erklärte er später mit einem Augenzwinkern. Seine Gelbe Karte war eine der zwei Verwarnungen des Abends - die andere ging an Innenverteidiger Filipe Eusebio, der in der 55. Minute Salinas unsanft stoppte und sich danach mit einem charmanten "War doch Ball!" rechtfertigte. Fehervar mühte sich redlich, doch Siofok brachte das 3:2 über die Zeit. Der Sieg war nicht glanzvoll, aber kämpferisch beeindruckend. "Wir haben heute nicht Fußball gespielt, wir haben gearbeitet", sagte Rittner. "Und manchmal ist das eben genug." Gästecoach Aryabhata sah es sportlich: "Wir hatten mehr Ball, mehr Chancen, mehr Kontrolle - aber Siofok hatte mehr Tore. So einfach ist Fußball." Als der Schlusspfiff ertönte, atmete das Stadion auf. Die Spieler fielen sich in die Arme, ein paar Fans sangen trotz Kälte, und irgendwo rief jemand: "Balaton, wir kommen wieder!" Ein Abend voller Emotionen, Fehler und Helden - kurzum: echter Fußball. Und wenn man den leicht sarkastischen Worten von Torhüter Steinsson glauben darf, dann war das schönste Lob des Abends sein eigenes: "Ich wurde eingewechselt, hab kein Tor kassiert - also bin ich jetzt unbesiegbar." Ein bisschen Größenwahn gehört in Siofok eben dazu. (Etwa 610 Wörter) 01.12.643990 03:00 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale