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Ein Flutlichtabend in Werkendam, 12.500 Zuschauer im Stadion, und die Quick Boys legten los, als wollten sie den Heimfans gleich in der ersten Minute den Spaß verderben. Kaum hatte Schiedsrichter Van der Linde angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz der Kozakken Boys: Albert Comstock, 19 Jahre jung, setzte sich auf dem linken Flügel durch, bekam den Ball von Edoardo Romano serviert und schob eiskalt zum 0:1 ein. "Ich dachte, ich träume", grinste Comstock nach dem Spiel, "so früh hatte ich noch nie getroffen - leider war’s am Ende umsonst." Die Kozakken Boys wirkten kurz konsterniert, fast so, als hätten sie das Drehbuch des Spiels nicht gelesen. Doch sie brauchten nicht lange, um die Geschichte umzuschreiben. In der 16. Minute war es der erfahrene Anton Jonsson, 34, der nach einer präzisen Flanke von Wouter Coster den Ball humorlos ins Eck drosch - 1:1. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte Jonsson später mit einem Schulterzucken. "Der Ball wollte rein, also hab ich ihn gelassen." Danach entwickelte sich ein munteres Hin und Her, das man in dieser Liga wohlwollend als "offensivfreudig" bezeichnet. Die Statistik sprach am Ende Bände: 13 Torschüsse der Kozakken Boys, 12 der Quick Boys - also praktisch Gleichstand. Auch beim Ballbesitz (52 zu 48 Prozent) herrschte nahezu Demokratie auf dem Rasen. Beide Teams spielten ausgeglichen, aber mit unterschiedlichem Temperament: Während die Quick Boys im Kurzpassstil versuchten, sich durchs Mittelfeld zu kombinieren, agierten die Kozakken Boys etwas direkter - und mit einem Hauch mehr Biss im Zweikampf. Trainer Hans Huber von den Quick Boys stand an der Seitenlinie und rang früh mit der Fassung. Nach einer gelben Karte gegen seinen rechten Verteidiger Lasse Schilling (72.) rief er Richtung Spielfeld: "Lasse, das war der letzte Ausflug in die Wildnis!" - worauf Schilling nur den Daumen hob und grinste. Huber selbst kommentierte später trocken: "Wir haben mutig angefangen, aber Fußball dauert nun mal länger als eine Minute." Die zweite Halbzeit begann mit viel Mittelfeldgeplänkel, gelegentlichen Flanken ins Nichts und der Erkenntnis, dass ein Unentschieden wohl keinem so richtig schmecken würde. Die Quick Boys lauerten auf Konter, die Kozakken Boys dagegen wirkten entschlossener. In der 74. Minute zahlte sich dieser Wille aus: Zeeman Groesbeck, der bis dahin hauptsächlich durch unermüdliches Anlaufen aufgefallen war, traf nach einem sehenswerten Zuspiel von Jan Van Keuren zum 2:1. Das Stadion tobte, Bierbecher flogen (freundlich gemeint), und Groesbeck rannte jubelnd Richtung Eckfahne, wo er später zugab: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber dann dachte ich mir: Ach komm, Versuch macht klug." Quick Boys warf in den letzten Minuten noch einmal alles nach vorn - inklusive Torwart Jamie Bail, der in der Nachspielzeit beinahe den Ausgleich per Kopf erzielt hätte. Der Ball ging knapp über die Latte, und Bail rief lachend: "Ich bleib jetzt einfach Stürmer!" - was Trainer Huber mit einem "Nicht in diesem Leben!" quittierte. Am Ende blieb es beim 2:1 für die Kozakken Boys, die damit ihren Platz im oberen Mittelfeld der 2. Liga Niederlande festigten. Ein Sieg, der zwar knapp, aber verdient war - schon weil sie nach dem frühen Schock die Kontrolle übernahmen und das Spiel mit kühlem Kopf drehten. Derweil mussten die Quick Boys erneut die Erkenntnis schlucken, dass jugendlicher Elan zwar schön anzusehen ist, aber Erfahrung eben doch manchmal Tore macht. "Wir lernen aus sowas", sagte der 17-jährige Morgan Cabell nach dem Abpfiff, "nächstes Mal machen wir halt zwei in der ersten Minute." Der Reporterblick auf die Statistik zeigt ein Spiel, das enger war, als das Ergebnis vermuten lässt - aber Fußball ist eben kein Matheunterricht. 51,9 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse, zwei Tore - das nennt man Effizienz. Und Effizienz, das wissen die Kozakken Boys, ist manchmal der Unterschied zwischen Frust und Feierabendbier. Am Ende verabschiedeten sich die Fans beider Lager mit Applaus - und einem Augenzwinkern. "Wenn wir schon verlieren", meinte ein Quick-Boys-Anhänger auf der Tribüne, "dann wenigstens stilvoll." Und stilvoll war’s in der Tat: ein spannendes, manchmal chaotisches, aber immer ehrliches Spiel, das zeigte, warum man den Fußball liebt - oder sich zumindest jedes Wochenende wieder freiwillig darüber aufregt. 11.04.643990 15:35 |
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Branco tanzt und ich grätsche. Das ist der Unterschied zwischen Kamerun und Norwegen.
Jan-Aage Fjörtoft