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Wer am Dienstagabend im Stadion Allmend auf ein Torfestival gehofft hatte, bekam stattdessen ein Lehrstück in Sachen vergeblicher Mühe. Blau-Weiss Luzern und Emmenbrücke trennten sich am 19. Spieltag der 1. Liga Schweiz torlos, aber keineswegs spannungslos. 39.506 Zuschauer sahen ein Spiel, das irgendwo zwischen Schachpartie und Nahkampf pendelte - mit einem Schiedsrichter, der an diesem Abend mehr Gelbe als gute Laune verteilte. Schon in den ersten Minuten zeigte Emmenbrücke, dass sie den Ball lieber hatten als der Gegner. Rund 59 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. Dylan Grantham prüfte in der 5. Minute Luzerns Keeper Lasse Rauch mit einem strammen Schuss aus der Distanz - der erste von insgesamt neun Abschlüssen der Gäste. Rauch tauchte ab, klatschte den Ball zur Seite, und aus der Südkurve hörte man erleichtertes Aufatmen. Luzern reagierte prompt. Robert Mantovani, der Mann mit der Haartolle und dem Torriecher, den er an diesem Abend zu Hause gelassen hatte, setzte in der 11. Minute den ersten Nadelstich. "Ich hab’ ihn perfekt getroffen - dachte ich zumindest", sagte Mantovani später mit einem Grinsen, "aber der Ball wollte wohl lieber den Fangzaun kennenlernen." Die erste Halbzeit war ein munteres Hin und Her: Chancen hier, Chancen dort, aber niemand traf. Emmenbrückes Otto Marx, normalerweise eher fürs Grätschen als fürs Schießen bekannt, zog in der 14. Minute ab - ein Versuch, der so weit über das Tor ging, dass man fast applaudieren wollte für den Mut. Auf der anderen Seite drosch Jean-Pierre Carey, Innenverteidiger mit Offensivdrang, gleich zweimal den Ball Richtung Himmel, vermutlich in der Hoffnung, dass er als Satellit wieder runterkommt. Kurz vor der Pause wurde es hitzig. Emmenbrückes Spielmacher Suay Kücükandonyadis sah Gelb nach rustikalem Einsteigen (29.), Luzerns Rechtsverteidiger Pierre Gramont tat es ihm wenig später gleich (33.). Gramont kommentierte das später lakonisch: "Ich wollte nur den Ball. Der Ball wollte aber nicht mich." Nach dem Seitenwechsel kam Luzern aggressiver aus der Kabine. Trainer Reinhard Wild hatte offenbar die Kabinentür zugemacht und das Wort "Einsatz" in die Wand gebrüllt. Felipe Caballero prüfte Emmenbrückes Keeper William Locklear in der 47. Minute, und auch Diego Giuliani versuchte sich wenig später. Doch Locklear parierte alles - mit einer Ruhe, die man sonst nur von Yoga-Lehrern kennt. Dann kam die Szene des Abends: 65. Minute, Gramont - schon verwarnt - steigt zu spät ein. Zweite Gelbe, Gelb-Rot, ab unter die Dusche. "Ich hab’ ihn kaum berührt", meinte er später, während er mit einem Handtuch um die Hüfte in der Mixed Zone stand. Trainer Wild kommentierte trocken: "Er hat recht - er hat ihn kaum berührt. Nur zu spät." Mit zehn Mann stemmte sich Luzern gegen die zunehmende Dominanz der Gäste. Emmenbrücke schnürte die Hausherren in deren Hälfte ein, doch die Präzision blieb das Problem. Suay Kücükandonyadis zog zweimal aus der Distanz ab (71. und 75.), beide Male in die Arme von Rauch. Dylan Grantham probierte es in der 79. und 88. Minute noch einmal, aber der Luzerner Keeper hatte offenbar beschlossen, seinen Kasten an diesem Abend zuzumauern. In der Schlussphase brachte Wild frische Beine: Piotr Chawanow, Marcel Benveniste und Daniel Barros kamen - und sorgten immerhin dafür, dass die Partie zu zehnt nicht völlig kippte. Roger Römer hätte in der 85. Minute fast das Märchen geschrieben, doch sein Schuss aus spitzem Winkel landete am Außennetz. Frustriert schlug er die Hände vors Gesicht, als hätte ihm jemand den Schoggiriegel geklaut. Am Ende blieb es beim 0:0, das beiden Teams nur bedingt hilft. Emmenbrücke hatte mehr Ballbesitz, Luzern mehr Karten. "Ein Punkt ist ein Punkt", sagte Gästecoach Chris Meng, der sich das Spiel über weite Strecken mit verschränkten Armen ansah. "Aber wir hätten auch noch drei Stunden spielen können - das Tor schien heute kleiner zu sein." Reinhard Wild hingegen wirkte erleichtert: "Nach der Gelb-Roten war’s nur noch Kampf. Das war kein Fußball mehr, das war Survival." Die Fans verabschiedeten ihre Teams mit höflichem Applaus - vielleicht aus Dankbarkeit, dass es vorbei war. Und so bleibt die Erkenntnis eines frostigen Luzerner Abends: Fußball kann schön sein, muss aber nicht. Manchmal reicht auch ein 0:0, das länger in Erinnerung bleibt als manches 4:3 - einfach, weil man sich fragt, wie man 90 Minuten so oft daneben zielen kann. 27.08.643987 02:06 |
Sprücheklopfer
Herzlichen Glückwunsch an Marco Kurz. Seine Frau ist zum zweiten Mal Vater geworden.
Thomas Häßler