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Ein kühler Abend in Uruguay, 28.580 Zuschauer, Flutlicht, Spannung - und ein 17-Jähriger als Held. CD Cerrense gewinnt am 14. Spieltag der 1. Liga Uruguay mit 1:0 gegen Central Hispana. Es war kein Fußballfest, aber ein Lehrstück in Sachen Willen, jugendlicher Frechheit und taktischer Geduld. Trainer Leahcim Gnipeur hatte seine Cerrense-Elf von Beginn an offensiv eingestellt. "Wir wollten zeigen, dass wir keine Angst haben, auch wenn die Jungs teilweise noch Schülerpreise zahlen könnten", grinste der Coach nach dem Spiel. Und tatsächlich: Die Teenager Carles Meira und Rafael Alvaro stahlen den Routiniers von Central Hispana die Show. Schon in der ersten Minute prüfte Meira den Gästetorwart Domingo Morais mit einem Distanzschuss - als wollte er sagen: "Hier bin ich!" Central Hispana antwortete prompt: Bradley Chattan und Rafael de Almeida versuchten, Cerrenses Abwehr zu knacken, doch Torhüter Joseba Mendes zeigte, warum man ihn den "ruhenden Vulkan" nennt - äußerlich gelassen, innerlich brodelnd, aber stets sicher. Die Partie nahm Fahrt auf, Cerrense drückte, hatte 18 Schüsse aufs Tor, während Hispana mit sieben Versuchen eher auf Sparflamme agierte. In der 25. Minute dann der Moment, der das Stadion erzittern ließ: Der 20-jährige Adrian Tonel setzte sich auf der rechten Seite durch, flankte scharf in den Strafraum, und der 17-jährige Rafael Alvaro hielt einfach den Fuß hin - 1:0! Ein Tor aus dem Lehrbuch, wenn das Lehrbuch von einem Jugendlichen mit Skateboard geschrieben wäre. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Alvaro später und grinste breit. "Tonel meinte nachher, der Pass sei Absicht gewesen - ich glaube, das war eher ein glücklicher Zufall." Tonel konterte lachend: "Natürlich war das Absicht, ich bin ja nicht hier, um die Eckfahne anzuschießen!" Central Hispana schien vom Gegentreffer leicht verwirrt. Trainer der Gäste, dessen Name in den Unterlagen verschollen blieb, brüllte von der Seitenlinie: "Ruhig bleiben!" - doch seine Spieler verstanden offenbar "Rückzug!" Die Ballbesitzstatistik (50,5 % für die Gäste) täuscht, denn die meisten Pässe landeten quer oder zurück. Nach der Pause versuchte Hispana, mehr Druck zu machen, doch Cerrense blieb bissig. Kay Schäfer und Christian Petrizzi feuerten aus der zweiten Reihe, während Meira - wieder er - das Mittelfeld mit einer Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und erstaunlicher Übersicht beherrschte. In der 58. Minute verlor Rafael de Almeida die Nerven und sah Gelb; in der 71. folgte Ivan Moutinho seinem Beispiel. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte de Almeida später mit einem Augenzwinkern. "Leider war der Ball zu schnell - und der Gegner zu langsam." In der Schlussphase wurde es hitzig. Innenverteidiger Alejandro Xuarez kassierte in der 78. Minute ebenfalls Gelb, nachdem er den robusten Chattan etwas zu liebevoll umarmte. Eine Minute später ging der junge Meira nach einem Zweikampf zu Boden - verletzt. Das Stadion hielt den Atem an, Gnipeur fluchte leise, und Ersatzmann Knud Brinkmann kam für den 17-Jährigen. "Er hat sich den Knöchel verdreht, aber er lacht schon wieder", gab der Trainer später Entwarnung. Cerrense verteidigte den knappen Vorsprung mit allem, was Beine hatte. Die Defensive um Xuarez und Szymkowiak warf sich in jeden Ball, während Keeper Mendes in der Nachspielzeit noch einmal spektakulär gegen Chattan parierte. "Ich hab kurz gedacht, er hebt ab", scherzte ein Fan auf der Tribüne, "so hoch hab ich Mendes noch nie fliegen sehen." Als Schiedsrichter Esteban Loria nach 94 Minuten abpfiff, jubelte das Stadion wie nach einem Pokalsieg. Die jungen Wilden von Cerrense hatten es geschafft - 1:0 gegen einen Gegner, der in Erfahrung, aber nicht in Leidenschaft überlegen war. "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", bilanzierte Gnipeur. "Und ehrlich gesagt - genau das mag ich." Fazit: CD Cerrense zeigte, dass Mut und jugendlicher Elan mehr wert sein können als Routine und Ballbesitz. Central Hispana wirkte über weite Strecken ideenlos, Cerrense dagegen wie eine Mannschaft, die einfach Spaß am Spiel hat. Vielleicht war es nicht der größte Sieg der Vereinsgeschichte - aber sicher einer der charmantesten. Und irgendwo in der Kabine sitzt ein 17-jähriger Rafael Alvaro, lächelt in sein Handy und tippt: "Tor. Drei Punkte. Abendessen geht auf mich." 27.10.643990 14:48 |
Sprücheklopfer
Ein Denkmal will ich nicht sein, darauf scheißen ja nur die Tauben.
Toni Polster auf die Frage, ob er in Köln schon ein Denkmal sei