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Ein Freitagabendspiel, Flutlicht, 37.798 Zuschauer und ein junger Mann, der sich anschickte, Geschichte zu schreiben: Gustav Hübner, 21 Jahre jung, schoss Bad Kleinen mit einem lupenreinen Hattrick fast im Alleingang zum 4:2-Heimsieg über den SC Papenburg. Für die Gäste war es ein Abend zwischen Hoffnung, Chaos und Gelber Karte. Dabei fing alles so ordentlich an für die Papenburger. Schon in der 10. Minute stieg Innenverteidiger Csaba Bene nach einer Ecke von Orhan Karaer so hoch, dass selbst die Möwen über dem Stadion kurz erschraken - 0:1. Trainer Frank Helmbrecht ballte die Faust, während sein Gegenüber, Cw WC, mit verschränkten Armen stoisch auf der Bank saß, als wolle er sagen: "Abwarten, Jungs, das ist nur der Weckruf." Und tatsächlich: Bad Kleinen wachte auf. Der Ball lief nun rund, Max Adam zog die Fäden im Mittelfeld, und in der 23. Minute fasste sich Hans Jürgens ein Herz. Ein satter Schuss aus 20 Metern - 1:1. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Jürgens später, "und gehofft, dass keiner im Weg steht. War ja zum Glück keiner." Dann kam die Viertelstunde des Gustav Hübner - und was für eine. Erst in der 35. Minute, als er eine butterweiche Flanke von Adam volley nahm und ins lange Eck drosch. Eine Minute später wieder Hübner, diesmal nach feinem Zuspiel von Marc Meister. Zwei Tore in 60 Sekunden - das Publikum tobte, Papenburg taumelte. "Da wusste ich selbst nicht mehr, wie mir geschieht", gab Hübner nach Spielschluss zu, "ich hab einfach weitergelaufen und gehofft, der Ball kommt wieder. Kam er auch." Mit 3:1 ging es in die Pause. Papenburg, von Trainer Helmbrecht auf Offensive getrimmt, stand zwar hoch, aber hinten offen wie ein Scheunentor. "Wir wollten Druck machen", erklärte Helmbrecht später. "Leider haben wir den Druck vor allem auf unsere Abwehr gemacht." Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild ähnlich. Bad Kleinen kontrollierte mit 52 Prozent Ballbesitz das Geschehen, ohne sich zurückzulehnen. In der 50. Minute machte Hübner sein drittes Tor - diesmal per Kopf nach einer Ecke von Routinier Marcel Krebs. Der 21-Jährige, normalerweise eher der stille Typ, riss die Arme hoch, grinste in Richtung Kurve und ließ sich feiern. "Das war mein schönstes Spiel bisher", sagte er, "und ich hoffe, der Trainer lässt mich jetzt auch mal Elfmeter schießen." Papenburg versuchte sich tapfer zu wehren. Björn Karlson sorgte in der 73. Minute mit einem strammen Schuss aus halbrechter Position für das 4:2. Julien Hubbert hatte vorbereitet, und für einen Moment keimte so etwas wie Hoffnung auf. Doch Bad Kleinen blieb ruhig, wechselte klug - Frank Thomas und der junge Benedikt Höwedes kamen - und ließ nichts mehr anbrennen. Die Gäste bekamen noch zwei Gelbe Karten (Krejci in der 58., Middag in der 95.), was sinnbildlich war: viel Aufwand, wenig Ertrag. "Wir waren zu brav vorne und zu wild hinten", brummte Karlson nach dem Abpfiff, während Torwart Cabrera, der in der 75. Minute verletzt raus musste, nur den Kopf schüttelte. Sein Ersatzmann Tiago konnte zwar nichts für die Gegentore, bekam aber immerhin noch zwei Schüsse sauber zu fassen - ein kleiner Trost. Statistisch gesehen war’s ein offenes Spiel: 15:13 Torschüsse, 50,9 zu 49,1 Prozent Zweikampfquote, also fast Gleichstand. Aber Fußball wird nun mal nicht nach Prozenten entschieden. Bad Kleinen war einfach kaltschnäuziger - und das lag vor allem an einem Mann. "Ich weiß gar nicht, warum alle so überrascht sind", sagte Trainer Cw WC in der Pressekonferenz mit einem Lächeln, "wir trainieren das ja auch so: drei Tore pro Stürmer, dann darf man duschen gehen." Sein Kollege Helmbrecht konterte: "Dann duschen meine Jungs wohl nie." Am Ende blieb der Eindruck eines unterhaltsamen, wilden Spiels, das alles hatte: Tore, Tempo, Emotionen - und einen jungen Helden, der vielleicht gerade seinen Durchbruch feierte. Bad Kleinen ist damit nach zwei Spieltagen oben mit dabei, Papenburg dagegen muss sich hinten anstellen. Und irgendwo in der Kabine summte Gustav Hübner leise vor sich hin. Kein Lied, versteht sich - aber wer dreimal trifft, darf summen. 04.12.643993 11:42 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler